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Treppe rauf, Treppe runter: 24-Stunden-Treppenlauf in Radebeuler Weinberg

Treppe rauf, Treppe runter: 24-Stunden-Treppenlauf in Radebeuler Weinberg

Noch ist das Weinbergidyll von Radebeul ungestört. Auf der Spitzhaustreppe, die durch den Hang führt, zupfen zwei Männer Unkraut. Eine Mutter spaziert mit ihrem Kind nach oben.

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Zwei Stufen auf einmal: Treppenlaufen ist im Winter ein gutes Training.

Quelle: dpa

Am Samstagnachmittag übernehmen Extremsportler die Szenerie. Auf dem Platz oberhalb der Treppe stehen schon die Dixiklos. 24 Stunden lang werden gut 60 Einzelläufer und mehrere Staffel-Teams die 397 Stufen hoch- und runterrennen. Sieger ist, wer durchhält und dabei die meisten Runden läuft. Eine Medaille bekommt jeder, der 100 Runden schafft. Denn damit ist ein Höhenunterschied von 8848 Metern erreicht - was der Höhe des Mount Everests entspricht.

Der Lauf sei etwas für Sportler, „die einen gewissen Hang zum Verrückten haben“, sagt Ulf Kühne, der die Veranstaltung organisiert. Kühne selbst ist bisher fast jedes Mal mitgelaufen. Ein Stadtmarathon ist dem 44-Jährigen zu langweilig. Neben seiner Hausstrecke im Radebeuler Weinberg reizen ihn lange 100-Kilometer-Läufe in den Alpen.

„Die meisten Extremsportler haben eine starke Verbindung zur Natur“, sagt die Sportsoziologin Antje Dresen von der Universität Mainz. „Sie machen sich ihre Umwelt zu eigen. Das Wasser, die Berge, aber auch hohe Gebäude.“ Der Radebeuler Treppenlauf ist einer der wenigen, die in der freien Natur stattfinden. In Österreich und in der Schweiz gebe es jeweils noch einen, sagt Harald Krauß von der Deutschen Ultramarathon Vereinigung. Häufiger geht es das Treppenhaus eines Wolkenkratzers hoch - etwa in Hannover oder im Empire State Building in New York. Und dann auch nur einmal.

Hochhausläufer kämen im Radebeuler Weinberg nicht weit, sagt Kühne. Er selbst hat noch nie bei einem Hochhaus-Lauf mitgemacht. „Das wäre mir zu kurz.“ „Treppenläufer sind die Exoten unter den Exoten“, sagt Krauß. Das Ambiente sei besonders. Die meisten Ultra-Marathons - also Läufe, die länger sind als die üblichen 42 Kilometer - fänden eher auf längeren Strecken etwa im Gebirge statt. Treppe rauf, Treppe runter - diese Art der Belastung sei ungewöhnlich. Was Menschen dazu treibt? Extremsportarten seien ein Spiel mit dem Scheitern, sagt die Sportsoziologin Dresen. Ein Ausloten von Grenzen und Ängsten. Das löse Glückshormone aus, weshalb die Sportler es immer wieder tun würden. Hinzu komme eine starke Körperorientierung, sagt Dresen. Die Sportler wollen schwitzen, fallen oder frieren. Ihren Kopf schalteten sie dabei aus. Dieses auf Wagnis und Abenteuer ausgelegte Sportmodell sei ein Gegensatz zu unserer kopflastigen und körperfernen Gesellschaft, sagt Dresen. An körperliche Grenzen zu gehen, das fehle im beruflichen Alltag.

Gelaufen wird in Radebeul auch bei Regen. Und: Gegessen wird im Laufen. Ein Teller Nudeln, ein Stück Banane. Zumindest wer auf Angriff laufe, mache keine Pause im Verpflegungszelt, sagt Kühne. In den Tagen vor dem Lauf trainierten die meisten Teilnehmer nicht mehr, sondern schonten ihre Muskeln, sagt der 44-Jährige. Zwei Läufer, die jetzt auf der Treppe unterwegs sind, starten am Wochenende nicht. „So verrückt bin ich nicht“, sagt der eine.

Claudia Kornmeier, dpa

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