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Tourismus-chefin: "Die Bilder vom Hochwasser müssen aus den Köpfen"

Tourismus-chefin: "Die Bilder vom Hochwasser müssen aus den Köpfen"

Zwei Monate sind seit der diesjährigen Elbeflut vergangen, noch immer sind die Folgen spürbar. Inwieweit hat die Tourismusbranche immer noch mit dem Hochwasser und seinen Folgen zu kämpfen? - Das wollten die DNN von Tourismusverbands-Chefin Maria Pushkareva wissen.

Frage: Wie hoch waren denn die Einbußen der Tourismusbranche durch die Flut?

Maria Pushkareva: Mittlerweile spricht man davon, dass die Einbußen im Juni je nach Unternehmen bei 30 bis 50 Prozent liegen. Da, wo Buchungen und Gruppenbuchungen schon getätigt waren, kamen die Gruppen trotzdem, viele sogar während des Hochwassers und haben dann die Porzellanmanufaktur oder die Weingüter besucht. Diejenigen, die stark von den Einnahmen aus dem Tagesgeschäft abhängen, mussten jedoch hohe Einbußen hinnehmen. Das ist eine Einschätzung, die konkreten Zahlen für den Monat Juni liegen Ende August vor.

Also haben vor allem spontan Reisende gefehlt?

Das Hauptproblem, das hat uns das Hochwasser sehr deutlich gezeigt, ist, dass der Elberadweg die wichtigste touristische Ader in der Region ist. Solange der Radweg betroffen war, haben hier in der Region sehr viele Spontangäste gefehlt. Die steigen hier sonst abends aus dem Sattel und suchen nach einer Unterkunft. Das bessert sich mittlerweile.

Wie sah denn der Juli aus?

Da kann man vielleicht von 10 bis 20 Prozent Einbußen sprechen im Vergleich zum Vorjahr. Wir als Verband hatten im Juli die gleiche Zahl Anfragen wie im vorigen Jahr. Das Interesse der Gäste ist da. Zu den Weinfesten etwa ist so gut wie keine Unterkunft mehr frei. Wir hoffen auf die Monate August, September und Oktober, die für die Region sehr wichtig sind. Wir wissen alle miteinander, dass auch die Herbstmonate nicht wettmachen werden, was im Juni geschehen ist, aber zumindest haben wir dann wieder Gäste in der Region, die ihren Freunden und Verwandten sagen können, dass bei uns alles in Ordnung ist.

Welche zusätzlichen Aufgaben haben sich für den Tourismusverband aus dem Hochwasser ergeben?

Wir hatten bereits in der Woche, in der das passiert ist, sehr viele Anfragen von den Gästen, die in den nächsten Tagen kommen wollten und wissen wollten, ob sie das können, ob der Elberadweg oder ihre Unterkunft erreichbar ist. Was sich dabei sehr stark gezeigt hat, ist die Bedeutung der sozialen Netzwerke und des Internets.

Und haben Sie zusätzliche Kampagnen gestartet?

Wir haben uns natürlich beim Wirtschaftsministerium gemeldet und sind dort auf offene Ohren gestoßen, dass wir zur Beseitigung des Imageschadens zusätzliche Gelder benötigen. Die Budgets in der Tourismusbranche sind ja immer recht knapp gestrickt. Bis die Anträge und die Gelder bewilligt waren, hatten wir aber auch schon Anfang / Mitte Juli. Es ist vergangenen Woche eine Tourismusbeilage erschienen in einer Auflage von 105 000 Exemplaren. Davon ging die Hälfte nach Ostsachsen. Eigentlich bekommen wir Maßnahmen nur außerhalb Sachsens gefördert. Weil viele unserer Tagesgäste aus dem Freistaat kommen, wurde uns aber diese Ausnahme gestattet. Die andere Hälfte ging nach Berlin in ausgewählte Bezirke.

Wir sind außerdem aktuell beim Filmdreh. Wir haben uns entschlossen, in Zusammenarbeit mit Meißen-Fernsehen und dem Meißner Künstler Kay Leonhardt vier kurze Filme zu drehen. Wir haben uns zwei seiner Vögel als Akteure gewünscht: Leo und die Lotte aus Berlin. Die gehen im Film auf eine Reise ins Elbland und besuchen Radebeul, Meißen, Torgau und die Elbweindörfer wie Sörnewitz und Dießbar-Seußlitz. Die Filme sollen Gäste mit authentischen Geschichten ins Elbland einladen. Wir hoffen, dass wir Ende August den ersten Film haben und über die sozialen Netzwerke verbreiten können.

Wir hätten uns gewünscht, dass wir viel viel mehr hätten machen können. Aber wenn man mehr Schlagkraft haben möchte, muss man auch entsprechendes Geld in die Hand nehmen.

Was haben Sie vom Wirtschaftsministerium bekommen?

Das waren 20 000 Euro. Aber die Industrie- und Handelskammer Dresden hat uns auch Mittel zur Verfügung gestellt. 50 000 Euro für alle betroffenen Regionen. Das war für uns sehr überraschend und hilfreich, gerade weil es auch mit keinerlei Auflagen verbunden war.

Und bei dieser Tourismuswerbung geht es darum, die Region mit anderen Themen als dem Hochwasser in Verbindung zu bringen?

Wir haben gesagt, dass genug Hochwasserbilder verbreitet wurden. Diese Bilder müssen wir aus den Köpfen unserer Gäste wegbekommen. Es war aber auch klar, dass man unmittelbar nach dem Hochwasser das nicht kommunizieren kann, ohne unglaubwürdig zu wirken. Aber jetzt ist es höchste Zeit um zu sagen, dass die Folgen zu 97 oder 98 Prozent beseitigt sind.

Auf welche 2002 gemachten Erfahrungen können Sie zurückgreifen?

Einige Betriebe, die auch 2002 betroffen waren, wissen, dass viele Gäste sagen: Verschoben ist nicht aufgehoben. Deswegen sind auch viele Betriebe optimistisch und hoffen, dass sie das, was ihnen dieses Jahr entgeht, im nächsten Jahr obendrauf kriegen. Mitarbeiter der Touristinformationen, die das Hochwasser 2002 erlebt haben, sagen, dass es dadurch, dass das Land in diesem Krisenjahr mehr Marketing betrieben hat, der Tourismus in den darauf folgenden Jahren auch einen leichten Aufschwung erlebt hatte. Deswegen habe ich Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr dann wirklich einen Gästezuwachs haben.

Also raten Sie den touristischen Unternehmen durchzuhalten?

Die Unternehmen sind in unterschiedlicher Lage. Einige können ihre Einbußen noch mit diversen Mitteln ausgleichen. Bei anderen sieht man, dass es für sie sehr schwierig oder gar nicht machbar ist. Das betrifft insbesondere Gastronomen oder den Einzelhandel. Wir sagen aber ganz eindeutig: Wir müssen damit rechnen und wir müssen damit umgehen lernen, dass es nicht das letzte Mal war. Und dass das nächste Jahr jetzt auch nicht erst in 100 Jahren kommt. Dass heißt für die Unternehmen jetzt einfach die Zähne zusammenbeißen, versuchen über eigene Kanäle und Netzwerke, Gäste aus der näheren Umgebung zu gewinnen und sich vielleicht auch mit anderen zusammenzuschließen.

Welche Reaktionen haben Sie von Gästen registriert, die nach der Flut hierhergekommen sind?

Die meisten Gäste zeigen ein vernünftiges menschliches Verständnis dafür, was hier passiert ist. Sie verstehen, dass manche Dinge noch nicht erreichbar oder begehbar sind. Es gibt sogar Gäste, die bei uns angefragt haben, ob sie helfen können. Die wollten ihren Urlaub dafür verwenden, hier irgendwo mit anzupacken. Es gibt aber auch welche, die sehr wenig Verständnis zeigen, die nach einem Tag wieder abgereist sind. Aber deren Zahl ist überschaubar, das sind einzelne.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.08.2013

Uwe Hofmann

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