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Tod in der Polizeizelle - Neuer Brandversuch zu Jalloh in Dipps

Donnerstag Tod in der Polizeizelle - Neuer Brandversuch zu Jalloh in Dipps

Vor mehr als elfeinhalb Jahren starb Oury Jalloh bei einem Brand in einer Dessauer Polizeizelle - unklar ist jedoch immer noch, was damals genau geschah. Ein neuer Brandversuch im sächsischen Dippoldiswalde könnte nun bei der Aufklärung helfen.

Teilnehmer einer Demonstration zum zehnten Todestag des Asylbewerbers Oury Jalloh haben sich am 07.01.2015 vor dem Hauptbahnhof in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) versammelt. Der Feuertod des Afrikaners Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle sorgt bis heute für Diskussionen. Nun wird der Brand am 18.08.2016 in Dippoldiswalde-Schmiedeberg nachgestellt.

Quelle: dpa/Archiv

Dippoldiswalde. Vor mehr als elfeinhalb Jahren starb Oury Jalloh bei einem Brand in einer Dessauer Polizeizelle - unklar ist jedoch immer noch, was damals genau geschah. Ein neuer Brandversuch im sächsischen Dippoldiswalde könnte nun bei der Aufklärung helfen. An diesem Donnerstag (18. August) will der Sachverständige Kurt Zollinger vom Forensischen Institut Zürich den Brand nachstellen. Die zentrale Frage ist, ob der an Händen und Füßen gefesselte Asylbewerber aus Sierra Leone das Feuer selbst gelegt haben kann, oder ob jemand anderes Hand anlegte. Jalloh war stark betrunken und hatte Drogen genommen. Er wehrte sich heftig.

In zwei langen Gerichtsprozessen blieb ungeklärt, wie es am 7. Januar 2005 zu dem Brand kam. Während Behörden und Gerichte keine Hinweise auf ein Tötungsdelikt fanden, ruft die „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ seit Jahren die Parole „Oury Jalloh - das war Mord“ aus. Die Aktivisten gaben Gutachten in Auftrag. Der Brandgutachter Maksim Smirnou aus Irland baute die Polizeizelle teilweise nach, zündete Matratzen und Schweinekadaver an und filmte die Ergebnisse. Im November 2013 wurde sein Fazit veröffentlicht: Jalloh konnte das Feuer gar nicht selbst legen, sondern wurde vermutlich mit Benzin übergossen und angezündet. Die Initiative stellte daraufhin Anzeige wegen Mordes gegen Unbekannt.

Im vergangenen Jahr präsentierten die Aktivisten nochmals neue Gutachten, die eine Beteiligung von Polizisten für wahrscheinlich hielten. Es spreche wenig dafür, dass der Brand von Jalloh selbst gelegt worden sei, erklärten die Experten aus England und Kanada.

Dass so viele Spekulationen und Verdachte keimen, liegt auch daran, dass die Polizisten als Zeugen in den Prozessen wenig beitrugen. Viele sagten, sie könnten sich nicht mehr erinnern oder seien sich nicht sicher. Spekulationen über ein rassistisches Umfeld in Dessau machten die Runde.

Mit der exakten Nachstellung der Szene vom 7. Januar 2005 hatten sich von den Gerichten beauftragte Gutachter schwergetan, weil es viele Details zu beachten gilt: Wie war die Belüftung in der Zelle? Wie eng waren die Fesseln? Wo genau könnte das Feuer ausgebrochen sein? Selbst die Art der Matratze war nach Jahren nur noch sehr schwer zu ermitteln. Es war auch nie geklärt worden, wie das Feuerzeug, mit dem der Asylbewerber den Brand gelegt haben soll, in die Zelle gelangt sein könnte.

Der Einzige, der bislang in dem Fall juristisch zur Verantwortung gezogen wurde, ist der damalige Dienstgruppenleiter. Der Polizist hatte zugegeben, mindestens zweimal einen Alarm ausgeschaltet zu haben. Das Landgericht Magdeburg verurteilte den Beamten im Dezember 2012 wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro. Er hätte für eine ständige Überwachung der Zelle sorgen müssen.

dpa

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