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Tod einer Gymnasiastin - Prozess im Fall Anneli beginnt

Erpresserischer Menschenraub und Mord Tod einer Gymnasiastin - Prozess im Fall Anneli beginnt

Zwei Männer entführen eine Unternehmertochter beim Abendspaziergang mit dem Hund. Sie wollen Lösegeld erpressen, sind aber schlecht vorbereitet. Das bezahlt die 17-Jährige mit ihrem Leben.

Blumen und Kerzen liegen am 19.08.2015 in Lampersdorf (Sachsen) an der Einfahrt des Bauernhofes, in dem die Polizei die entführte und ermordete 17-jährige Anneli gefunden hat.

Quelle: dpa

Sora. Grüne Wiesen, sanfte Hügel, gelbe Rapsfelder: Die Dächer schmucker Einfamilienhäuser und Gehöfte auf dem Plateau südlich von Meißen leuchten in der Sonne. Die blonde Frau ganz in Schwarz auf dem Friedhof aber hat keine Augen für das Idyll. Sie bepflanzt in der Frühlingssonne eine Schale auf der Familiengruft, in der seit neun Monaten auch ihre jüngste Tochter Anneli-Marie ruht. Die Entführung und Ermordung der 17-Jährigen schockte nicht nur die Zehntausend-Seelen-Gemeinde Klipphausen, zu der 43 meist kleine Orte gehören. Am Landgericht Dresden beginnt am Montag (30.5.) der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter wegen erpresserischen Menschenraubs - und in einem Fall auch wegen Mordes. 

„Bei mir ist das noch gar nicht angekommen“, sagt ihre Mutter Ramona R. - Anneli-Marie war am 13. August 2015 auf einem Feldweg mit dem Hund spazieren, als sie in Sichtweite ihres Elternhauses in ein Auto gezerrt und verschleppt wurde. Kurz darauf verlangten die beiden Männer in einem Anruf mit Annelis Handy 1,2 Millionen Euro Lösegeld von deren Vater, einem erfolgreichen Unternehmer.

„Ich denke immer, sie muss doch gleich kommen“, sagt Annelis Mutter und schaut auf das überdimensionale Holzkreuz mit dem Namen ihrer Tochter auf dem Deckel der Gruft. Von einem Bild lacht fröhlich ein sehr hübsches Mädchen, überall stehen betende und ruhende Engel, Leuchten und Gestecke. Vom Friedhof aus ist der Hof in Lampersdorf zu sehen, wo die Jugendliche grausam starb - laut Anklage „zur Verdeckung einer anderen Straftat“.

Nach fünf Tagen erfolgloser Suche war dort die Leiche des Mädchens gefunden worden. Ihre Eltern und große Schwester sind Nebenkläger im Prozess gegen die zuletzt arbeitslosen und verschuldeten 62 und 40 Jahre alten Tatverdächtigen. Der Jüngere soll Anneli-Marie am Tag nach der Entführung getötet haben - trotz der Bereitschaft ihres Vaters, zu zahlen, und ohne Billigung seines Komplizen.

Anneli-Maries Eltern fordern die Höchststrafe

Sie musste sterben, weil sich zwei verschuldete Männer bereichern wollten und als Erpresser „verbrecherisch dilettantisch“ waren, hatte Dresdens Polizeichef Dieter Kroll deren Handeln nach der Verhaftung beschrieben. Der Mietkoch und der Kaufmann wollten das Lösegeld per Online-Banking überwiesen haben - in dieser Höhe eine Sache der Unmöglichkeit. Eine Alternative hatten sie nicht.

Laut Anklage hat der Koch dem Mädchen eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt und sie mit Kabelbinder und Spanngurt erstickt. Der wenig später in Dresden festgenommene ältere Verdächtige gab den Ermittlern den Hinweis auf den Fundort der Leiche und legte ein Teilgeständnis ab. Danach war der Hauptangeklagte in einem Ort nahe Bamberg (Bayern) gefasst worden.

Auf die Spur der Erpresser waren die Ermittler auch durch DNA-Material des 40-Jährigen am Fahrrad von Anneli-Marie gekommen. Der gebürtige Schwabe hat sich bisher nicht zur Sache geäußert. Er hatte bis kurz vor der Tat mit Frau und zwei Kindern in dem Dreiseithof mit Fachwerk gelebt, in dem er und sein Komplize dann Anneli-Marie versteckten.

Das Verbrechen ist noch immer präsent in Klipphausen. „Wir erleben an vielen Stellen, dass Menschen die Trauer mittragen und betroffen sind“, berichtete der Meißner Pfarrer Bernd Oehler. Anneli-Maries Andenken werde sehr gepflegt. Dort, wo die 17-Jährige verschwand, wächst eine Trauerbirke, die Familie hat eine nach ihr benannte Stiftung gegründet. „Das lässt Eltern nie los und Orte der Erinnerung sind eine Form der Trauer, eines unzumutbaren Abschieds.“

Mit dem Prozess im Fall Anneli ist das Unfassbare wieder stärker präsent. Die Strafkammer hat 15 Verhandlungstage bis Ende August geplant, 21 Zeugen sowie drei Sachverständige geladen. „Eine gerechte Strafe wird es für solche Kindermörder - Monster in unseren Augen - kaum geben“, schrieben Anneli-Maries Eltern auf der Internet-Gedenkseite. Sie wollen die Höchststrafe, sonst nichts, wie Ramona R. sagt. „Wir haben lebenslang.“

Chronologie: Der Entführungsfall Anneli

dpa

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