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Tierpark Siebeneichen in Meißen kann nicht mehr absaufen

Tierpark Siebeneichen in Meißen kann nicht mehr absaufen

Meißen. Enten schnattern, Papageien krächzen, Ziegen meckern und immer wieder klingelt das Telefon von Heiko Drechsler. Der 49-Jährige Tierpfleger ist nur am Rotieren.

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Der Dresdner Heiko Drechsler füttert eine der Känguru-Mamas im Tierpark Siebeneichen. Das Baby ist rund fünf Monate alt, das dritte in diesem Jahr. Auf der Anlage leben nahezu 500 Tiere von 85 verschiedenen Arten.

Quelle: Stephan Klingbeil

Von Stephan Klingbeil

Alle wollen etwas von ihm, hier im Meißner Tierpark Siebeneichen: die Tiere ihr Futter, die Menschen hoffen auf Hilfe bei vermeintlichen Problemen. Der eine hat eine Schwalbe gefunden und will sie zu ihm bringen. Ein anderer möchte wissen, was zu tun ist, wenn das hauseigene Schaf eine Beule am Kopf hat. "Manche rufen sogar noch abends um halb elf an", sagt der Dresdner. Doch er scheint die Ruhe selbst zu sein.

Nicht einmal der morsche Ast, der am Montagabend vom alten Apfelbaum ins Pferdegehege gekracht war, bringt ihn aus der Fassung. "Moment, ich muss jetzt erst einmal die Pferde einsperren", sagt er. Der Ast trägt noch etliche Äpfel. Bestimmt lecker, aber zu viel für die Pferde. Das würden sie nicht vertragen. Nun ist der Ast zersägt, zuvor alle Äpfel abgepflückt. In dem Tierpark gibt es aber immer etwas zu tun.

Ein großes Problem hat sich aber in dieser Woche gelöst. Die Anlage an der Bundesstraße 6 hat ein neues Entwässerungssystem. Die von der Stadt Meißen beauftragte Firma "Melioration GmbH" hat jetzt die Kanalbauarbeiten abgeschlossen. Das Regenwasser kann nun ins öffentliche Kanalisationsnetz abgeleitet werden. Etwa 20 000 Euro haben die Arbeiten gekostet, heißt es aus dem Rathaus.

Das Geld sei gut angelegt. Zwei- bis dreimal pro Jahr hatte der Tierpark mit Überschwemmungen nach Regenfällen zu kämpfen. Oft rauschte dann der Schotterschlamm die bewaldeten Hänge hinab in Richtung B 6 und verteilte sich in Teilen der Gehege. Reste früherer Überschwemmungen kann man dort noch heute sichten. "Wir sind hier regelmäßig abgesoffen", sagt Drechsler, der den Tierpark mit einem Mitarbeiter und mit Hilfe der Familie betreibt.

2004 hat er die heruntergewirtschaftete Anlage wiedereröffnet. In den 1970er-Jahren hatte ein Förster den Park angelegt, mit Damwild, Rehen und Schafen bestückt. Später hat die Stadt Meißen das Areal übernommen. Dann folgte ein Verein, der den Tierpark aber verkommen ließ. Behörden schritten ein. 2003 war dort Schluss. "Alles sollte abgerissen werden", erklärt Drechsler. Dann habe er das Areal übernommen.

Seither sind die Besucherzahlen von anfangs kaum 2000 jedes Jahr immer wieder angestiegen. Nun liegen sie sogar schon im fünfstelligen Bereich. Schulklassen kommen hierher, aber auch Vogelkundler. Vor allem über den Eintritt, ein paar Spenden und private Zuschüsse von Drechsler konnte der Park bis heute am Laufen gehalten werden. Tierpaten werden darüber hinaus jederzeit gesucht. Drechsler sagt, er konnte das jährliche Minus von bis zu 14 000 Euro stets ausgleichen.

Fördermittel, die er anfangs beantragt hätte, flossen nicht. Die Stadt kommt nach eigenen Angaben zumindest ihren Pflichten als Grundstückseigentümer nach. Der Tierpark sei jedoch eine privatwirtschaftliche Einrichtung. "Der Vertrag entspricht der Antragstellung des jetzigen Betreibers", heißt es aus dem Rathaus. "Eine Förderung wurde nicht vereinbart." Das Areal soll aber erhalten bleiben. Maßnahmen wie die jüngsten Ausbauarbeiten für den Regenwasserschutz sollen helfen.

"Der Tierpark ist begehrtes Ausflugsziel für Familien und Wanderer", betont man im Rathaus und lobt ferner "die Fachkompetenz" des Betreibers. "Im Zusammenhang mit dem Schloss und Park Siebeneichen wird der Stadtteil durch den Tierpark bereichert."

Derzeit leben im Park fast 500 Tiere auf über 25 000 Quadratmetern. Vom kleinsten Hühnervogel der Welt, über die drolligen Bennett-Kängurus bis hin zum Roten Wollschwein oder Uhu Fritz, dem 24-jährigen Maskottchen des Tierparks, gibt es dort einiges zu sehen. An seinem Konzept, Besuchern je zur Hälfte exotische Tierarten sowie Haustiere zu zeigen, will Drechsler festhalten. Noch in diesem Jahr soll ein Gehege für Schleichkatzen aus Afrika gebaut werden. Er hat zudem Pläne, ein Waldstück auf dem Tierparkgelände für die Wildhaltung auszubauen.

- Der Tierpark Siebeneichen erstreckt sich über ein rund 40 000 Quadratmeter großes Areal mit Wald und Wiesen. Auf zwei Dritteln der Fläche leben 85 Arten.

- Die Anlage befindet sich an der B 6 am Ortsausgang von Meißen hinter dem alten Wasserwerk. Von dort aus sind es noch wenige Meter aufwärts zu gehen.

- Es gibt mehrere Parkplätze. Von März bis Oktober ist der Tierpark in der Woche von 9 bis 18.30 Uhr geöffnet, am Wochenende 10 bis 19 Uhr. wetterbedingte Änderungen sind möglich.

- Der Eintritt kostet für Erwachsene vier Euro, für Kinder über drei Jahre 1,50. Jüngere Kinder haben freien Eintritt. Es gibt Gruppenvergünstigungen, Tickets für Familie kosten zehn, die teuersten Jahreskarten 25 Euro. Skl

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.08.2012

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