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Taubblindendienst feierte in Radeberg 20 Jahre Storchennest

Taubblindendienst feierte in Radeberg 20 Jahre Storchennest

Taubblindheit hat etwas Monströses.Das Einfachste wird unmöglich, ohne Assistenz geht es nicht, kann das Leben dunkel und einsam werden, so Oberkirchenrat Dr. Erhard Berneburg.

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"Ich bin wieder Mensch geworden.": Die taubblinde Irma Schelling dankte dem Taubblindendienst mit bewegenden Worten.

Quelle: Bernd Lichtenberger

Wenn deshalb gehörlose und blinde Menschen auf ihre Weise von einer Raupe aus Unsicherheit, Angst, Langeweile, Sorge, Hilflosigkeit und Isolation erzählen, aber auch davon, dass diese Raupe durch die engagierte Arbeit des Taubblindendienstes Flügel bekommen hat und zu einem Schmetterling wurde, dann ist das schon ein starkes Bild. Vor allem, wenn dieser Schmetterling für neue Aufgaben, Glück, Arbeit, Duft, Frieden und Freude steht. An solcher Symbolik mangelte es auf der Festveranstaltung "20 Jahre Storchennest" am vergangenen Sonntag in Radeberg nicht.

Hatte der Taubblindendienst für die am 12. September 1993 nach vierjähriger Bauzeit eingeweihte Begegnungsstätte an der Pillnitzer Straße die Bezeichnung "Storchennest" in Erinnerung an die frühere Geburtsklinik übernommen, so steht dieser Name heute für viel mehr. Das machte nicht nur Oberkirchenrat Christian Schönfeld, Direktor der Diakonie Sachsen, in seinem Grußwort deutlich. Wie es die Störche beim Nestbau tun, habe der Taubblindendienst unter seiner Geschäftsführerin Ruth Zacharias von Anfang gegen Ecken und Kanten etwas Rundes und Abgehobenes geschaffen, betonte er.

Und wie die Störche unablässig bauen, komme auch im Radeberger Storchennest immer etwas Neues hinzu. 1996 war es der Blindengarten, aus dem im Laufe der Jahre der einzige Botanische Blindengarten im deutschsprachigen Raum wurde. Derzeit ist es der Spatzenhof, die Begegnungsstätte, die das 2008 gestartete ambulant betreute Wohnen für taubblinde Menschen mit seinen Angeboten für Arbeit und Freizeit erst richtig rund machen soll. Die Bauarbeiten an dem einstigen Wirtschaftsgebäude, um das jahrelang juristisch gerungen wurde, sind in vollem Gange. Im Frühjahr soll das Haus fertig sein. Es wird die Leuchtkraft des Storchennestes, von der Ruth Zacharias in ihrem Festvortrag sprach, noch verstärken.

Auch Sozialministerin Christine Clauß (CDU) ging auf die Storchensymbolik ein. Als ganz besonderer Vogel stehe der Storch nicht nur für das Leben und für Engagement. Als "sprachloser" Vogel habe er sich das Klappern zu eigen gemacht, so wie Taubblinde statt mit der Stimme mit dem Lormen, einer speziellen Tastsprache, mit ihrer Umwelt kommunizieren. Aber auch das lautstarke Klappern gehört zum Radeberger Storchennest. Nur so gelang es dem Taubblindendienst, vom Freistaat Fördermittel für seine Projekte zu bekommen.

Mit dem Merkzeichen TBL für taubblinde Menschen im Schwerbehindertenausweis tun sich die Politiker in Deutschland dagegen schwer, obwohl das EU-Parlament schon im März 2004 alle Mitgliedsstaaten aufgefordert hatte, Taubblindheit als Behinderung eigener Art anzuerkennen und den Rechten taubblinder Menschen Geltung zu verschaffen. Nun hat zwar in Deutschland die Arbeits- und Sozialministerkonferenz im vergangenen Jahr endlich beschlossen, das Merkzeichen einzuführen. Aber auf die konkrete Umsetzung warten die Taubblinden noch immer. Immerhin versprach Clauß am Sonntag: "Wir bleiben dran."

Ruth Zacharias wird sie daran erinnern. Sie war es maßgeblich, die vor 50 Jahren unter dem Dach der evangelischen Kirche den Taubblindendienst aus der Taufe hob. An Widerständen und Widrigkeiten hat es nie gefehlt. "Manchmal hat mich das tägliche Geschäftsleben geschüttelt und gerüttelt", bekannte sie in ihrem Festvortrag.

Dass es ihr dennoch gelang, zum Wohle der Taubblinden Außergewöhnliches zu schaffen, führt die Pastorin auf ihren tiefen christlichen Glauben zurück. Kraft gibt der heute 73-Jährigen aber wohl auch die große Dankbarkeit, die sie und ihre Mitarbeiter täglich erfahren. Deutlich machte das die taubblinde Irma Schelling mit den Worten: "Ich bin wieder Mensch geworden!"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.09.2013

Bernd Lichtenberger

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