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Sushi und Geishas in Pirna - Auf der "Schönen Höhe" in Copitz konnte man in der DDR japanisch speisen

Sushi und Geishas in Pirna - Auf der "Schönen Höhe" in Copitz konnte man in der DDR japanisch speisen

Sushi gab es in der DDR nicht nur in Suhl, sondern auch auf der "Schönen Höhe" in Pirna-Copitz. Derzeit läuft in den Kinos die Komödie "Sushi in Suhl" mit Uwe Steimle, die die Geschichte des Gastronoms Rolf Anschütz erzählt, der japanische Küche in die DDR holte.

Pirna.

Was sie nicht erzählt, ist, dass Anschütz der Mentor von Wolfgang Krüger war und durch seine Ratschläge auch die Sächsische Schweiz ihr kleines Japan bekam. Von 1983 bis zur Wende konnte man in Krügers Lokal "Schöne Höhe" auf den Copitzer Sandsteinterrassen im großen Stil fernöstlich speisen.

Angefangen hatte alles mit einem Kongress, den Krüger in Leipzig besuchte. Als man dort über das überplanmäßige Angebot asiatischer Waren klagte, kam dem Gastwirt die Idee, auf Fernost umzuschwenken. Er fuhr zur HO-Gaststätte "Waffenschmied" nach Suhl und holte sich von Anschütz Tipps. Seine Frau absolvierte dort außerdem einen Geisha-Lehrgang und lernte die wichtigsten japanischen Umgangsformen. "Herr Anschütz hatte zu mir gesagt: Wolfgang, wenn du einmal mit Japan anfängst, hörst du nicht mehr auf. Das wird zur Sucht", erzählt der 68-Jährige. Und er hatte recht: Die Inneneinrichtung der "Schönen Höhe" wurde von Jahr zu Jahr japanischer. Der Vorgarten bekam einen Schrein, verwandelte sich in einen Zen-Garten, in dem drei verschiedene Sorten Bambus wuchsen.

"Die Schöne Höhe war eine Institution in Pirna", erinnert sich Ulrike Schleicher von der Touristinfo Pirna, die selbst einmal in den Genuss eines japanischen Abends kam. "Für mich war es total erstaunlich, das erste Mal mit Stäbchen zu essen und diese sogar nach Hause mitnehmen zu dürfen", erzählt Schleicher. Vor dem Essen gebadet wie im Suhler Waffenschmied wurde in Pirna übrigens nicht. Hier wurde stattdessen vor dem Mahl das Oshibori gereicht - ein heißer Lappen. Nach japanischer Sitte wird er dem Gast auf die Stirn gelegt, so dass er sich entspannen und allen Stress von sich abfallen lassen kann.

"Wir hatten ein lustiges Showprogramm", denkt Krüger, der heute Rentner ist, zurück. So gab es unter anderem eine Pullergeisha. Den verblüfften Gästen wurde erklärt, dass diese Geisha speziell den Herren auf der Toilette zur Hand gehe. "Das war natürlich nur ein Gag", erzählt der Pirnaer. Die Bedienung trug im Übrigen echte Kimonos und nicht etwa selbst genähte Versionen aus Dederon. Die Kimonos seien ein Gastgeschenk von Japanern gewesen, die die Kunstseidenfabrik in Pirna mit aufgebaut hatten. Auch musste kein Kohlrabi anstelle von Bambussprossen herhalten. Regelmäßig kamen per Schiff Container mit Dingen wie Sake, Stäbchen, Soja-Sauce und Bambus aus Japan über Rotterdam und Rostock nach Pirna. Es habe wunderbar geklappt, nie habe ein Gramm gefehlt, so Krüger.

Krügers Japan-Restaurant war der Renner. Die "Schöne Höhe" mit ihren hundert Plätzen war immer ein Jahr im Voraus ausgebucht. Nur mit viel Glück oder sehr guten Beziehungen konnte man einen Tisch ergattern. Mit der Wende änderte sich das abrupt. Wegen der vielen asiatischen Restaurants, die in Pirna eröffneten, kochten Krügers bald wieder Deutsch. Im Jahre 2005 schloss das Lokal. Es wurde verkauft und zum Wohnhaus umgebaut. Die japanische Dekoration hat der 68-Jährige noch aufgehoben. Durch den Kinofilm "Sushi in Suhl", den er sich in der Vorpremiere angesehen hatte, wurde für Krüger auch seine Zeit als fernöstliches Original unter den HO-Gastwirten wieder lebendig. Damals, als es in der "Schönen Höhe" Sake, Bambussprossen und Oshibori gab.

Madeleine Arndt

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.10.2012

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