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"Stunde Null" mit 59 Jahren: Die Elbeflut hat Bernd Hempel aus Pirna alles Hab und Gut genommen

"Stunde Null" mit 59 Jahren: Die Elbeflut hat Bernd Hempel aus Pirna alles Hab und Gut genommen

das hat die Elbeflut Bernd Hempel gelassen. Alles andere ist wie die Wohnung des 59 Jahre alten Pirnaers durch das Hochwasser zerstört.

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Völlig durchweicht und nicht mehr zu gebrauchen: Die Elbe hat die Wohnung von Bernd Hempel völlig zerstört.

Quelle: Daniel Förster

Ein Koffer und ein Laptop. Nur das Nötigste hat er vor der Evakuierung noch einpacken können. Als er neun Tage später in das Altstadthaus am Steinplatz zurückkehren konnte, wollte er seinen Augen nicht trauen. "Es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen", berichtet Hempel.

Obwohl er im ersten Obergeschoss wohnte, kannte die Elbe kein Erbarmen. "1,20 Meter hoch stand das Wasser in meiner Wohnung", sagt er. Die Möbel schwammen. Als die braune Brühe weg war, lag alles kreuz und quer in den Zimmern. "Es ist ganz schön deprimierend", meint Hempel. Er steht vor dem Nichts. Denn von der Einrichtung über Elektrogeräte, Geschirr und Besteck bis hin zu Bekleidung ist nichts mehr zu gebrauchen. Entweder haben sich seine Habseligkeiten mit Wasser voll gesaugt und gehen nun aus dem Leim, oder sie sind durch Schlamm und eine Ölschicht kontaminiert. So sind nicht nur seine Anziehsachen futsch, sondern auch seine fast 1000 Bücher umfassende Bibliothek. "Wer das Gute will genießen, den darf das Schlechte nicht verdrießen", zitiert Hempel einen alten Spruch seiner Oma und versucht sich selbst Mut zu machen.

Als er nach der Flut das Chaos in seiner Wohnung sah, war sein erster Gedanke: "Nur weg hier!" Drei Mal Hochwasser in nur elf Jahren geht auf keine Kuhhaut. Dieses hat es ihn existenziell besonders getroffen. 2002 war zwar seine Erdgeschosswohnung, die im gleichen Haus lag, auch komplett zerstört. Aber damals konnte er für den Wiederanfang noch auf eine alte DDR-Hausratsversicherung zurückgreifen. Und der gesamte Schaden wurde übernommen. Doch kurze Zeit später kam die Kündigung. Die Suche nach einer neuen Versicherung blieb ohne Erfolg, auch als bzw. obwohl er ein Stock höher gezogen war.

Beim Hochwasser 2006 waren es nur "lächerliche sieben Meter", sagt der Promoter für Bücher und die Dresdner Neuesten Nachrichten mit Galgenhumor. Der Hausflur und die Garage standen "nur" unter Wasser. "Alles kein Problem im Vergleich zu heute", so Hempel.

Bei Freunden hat er derzeit Unterschlupf bekommen. Hier muss er nun erst einmal abwarten, bis das Haus in den nächsten drei Monaten so weit getrocknet ist, dass eine Entscheidung über seine weitere Zukunft darin getroffen werden kann. "Ich möchte gern hier bleiben, aber nicht mehr in dieser Wohnung", sagt Hempel. Er möchte ein Stockwerk höher ziehen. Wenn es nicht klappt, sucht er sich eine neue Wohnung in der Pirnaer Altstadt. Über jede noch seine kleine Geste ist Hempel dankbar. Hilfe bekam er auch aus Schalke. Zwei Gelsenkirchener und zwei Fans aus Berlin packten beim Aufräumen in seiner Wohnung mit an. Seit DDR-Zeiten ist Hempel ein Königsblauer. Vor der Wende zahlte Karl-Heinz "Charly" Neumann - der einstige Mannschaftsbetreuer ist noch heute eine Legende auf Schalke - die Mitgliedsbeiträge für den Pirnaer und drei weitere Sachsen. Nach dem Motto "Einmal Schalke, immer Schalke", wollen die beiden Fluthelfer aus Gelsenkirchen für Hempel beim nächsten Spiel der Knappen sammeln.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.06.2013

Kuhnert, Silvio

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