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Streit um Millionenzuschüsse für die staatliche Porzellanmanufaktur Meissen

Streit um Millionenzuschüsse für die staatliche Porzellanmanufaktur Meissen

Meißen/Dresden. Der Streit um die die Zukunft Manufaktur Meissen spitzt sich zu. In Dresdner Regierungskreisen wächst der Unmut über den Kurs des 300 Jahre alten Staatsbetriebs, der dringend Geld braucht (DNN berichteten).

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Alte Meissenmuster auf neuer Haute Couture: Um den Umbau der Porzellanmanufaktur zum Luxuskonzern gibt es Streit. Der Freistaat zaudert mit neuen Millionenhilfen.

Quelle: Porzellanmanufaktur Meissen

Aufsichtsratschef Kurt Biedenkopf hüllt sich in Schweigen. Vor der heutigen Gesellschaftersitzung will er nichts sagen. Derweil gehen Gerüchte um über einen Streit zwischen dem Alt-Ministerpräsident und dem Amtsinhaber Stanislaw Tillich (CDU) über die Causa Meissen. Streitpunkt ist, ob und wieviel Geld der Freistaat noch in das Staatsunternehmen Manufaktur Meissen stecken will, das zwar wie kein anderes für Sachsens Glanz und Kunsthandwerk steht, das aber deutlich mehr kostet als es einbringt.

Sorge vor Fass ohne Boden

Kurz vor der Sitzung geht Meissen-Geschäftsführer Christian Kurtzke in die Offensive: Die Manufaktur müsse edle Dinge herstellen, damit sich das Porzellan verkaufe. Der 45-Jährige Kurtzke, der seit 2008 das Traditionshaus leitet, verteidigt die Markenstrategie als unumgänglich. "Wie kommt es", fragt er, "dass eine Gruppe von Jugendlichen hochwertig von Hand dekorierte Teller und Figuren von Meissen als ,Kitsch für die Oma' bezeichnet und ebenso opulent gestaltete Produkte von Dior als ,traumhaft schön'?". Er wolle eine international bedeutende Luxusgruppe aufbauen. "Es ist unserer Weg, die Traditionen und die traditionellen Arbeitsplätze auch in einer veränderten Gegenwart von Luxuskonsumenten für die Zukunft zu erhalten."

Nach DNN-Informationen braucht die staatliche Manufaktur dringend eine Finanzspritze vom Land. Von einem zweistelligen Millionenbetrag ist die Rede. Allerdings macht sich längst die Sorge breit, der 300 Jahre alte Staatsbetrieb könnte zum Fass ohne Boden werden. Der Linken-Finanzexperte im Dresdner Landtag, Sebastian Scheel, spricht von einem "wilden Pferd, das durchgeht, ohne dass noch jemand die Zügel hält". Meißens FDP-Kreischef Jan Mücke sieht die Manufaktur auf einem "gefährlichen Weg". Es könne nicht sein, sagt Mücke, dass Kurtzke "mit Staatsknete in Mailand den großen Auftritt hinlegt, ohne dass damit Geld verdient wird".

Die Befürchtung macht sich breit, dass es mit einem einmaligen Zuschuss auf Dauer nicht getan sein könnte. Mehr noch: Dass dem Land mit dem noblen Porzellanladen das Desaster um die Landesbank wiederholen könnte. Für deren Pleite im Jahr 2007 zahlt Sachsen jedes Quartal um die 30 Millionen Euro.

Diese Sorge scheint sich auch bei Finanzminister Georg Unland (CDU) einzustellen. Gefragt nach möglichen Geldproblemen der Manufaktur hält der sich bedeckt. Schriftlich lässt der für eiserne Sparsamkeit bekannte Unland wissen, der Freistaat unterstütze "im Rahmen seiner gesetzlichen Möglichkeiten" die Meissener Wachstumsstrategie.

Dazu gehören nicht nur neue Produktreihen, sondern auch Läden in Mailand oder London. All das ist teuer - und es kostet bei einem Staatsunternehmen nun mal Steuergeld. Unland hält es deshalb für geboten, sich von der "Plausibilität des Unternehmenskonzeptes zu überzeugen". Die sei indes bereits durch einen externen Gutachter bestätigt worden. Auch der Landesrechnungshof hat im Auftrag des Landtags die Bücher der Manufaktur geprüft. Der Bericht liegt offiziell noch nicht vor - internen Gerüchten zufolge enthält er nichts Gutes. Zwar ist jedem Beteiligten klar, dass das Haus allein mit Herstellung und Verkauf von Porzellan auf Dauer nicht bestehen kann. Doch sieht kaum ein Finanzpolitiker ein, warum die Manufaktur nun auch noch in Mode machen muss. Mit seinen exklusiven Abendroben hat sich der 2008 von Biedenkopf verpflichtete Geschäftsführer Kurtzke in einen weiteren hochriskanten Markt gewagt.

Haute Couture entstaubt das Image

Kurtzke hält die Modelinie "Meissen Couture" indes für unverzichtbar. Es gehe darum, "mit zeitgemäßen, edlen, begehrenswerten und stilvollen Kreationen" das Image des Hauses zu entstauben. Kurtzke verweist auf erste Erfolge. Ein Großteil der Stammkundschaft folge der Markenerweiterung auf Lifestyle-Artikel durchaus. "Ein substanzieller Anteil des bisherigen Schmuck-, Tuch- und Krawattenumsatzes ist durch bestehende Porzellankunden realisiert worden", lässt der Geschäftsführer auf Anfrage wissen. "Die Anzahl neuer Kunden, der Erstkäufer von Meissen, nimmt gleichsam spürbar zu."

Kurtzke appelliert mit Blick auf dieses kleinen Erfolge an die schwarz-gelbe Staatsregierung, "diesen Weg konsequent weiterzugehen und in die Zukunft zu investieren".

Christine Keilholz

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