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Streit im Weinberg – Retzschgutbewohner wehren sich gegen Neubau

Radebeul Streit im Weinberg – Retzschgutbewohner wehren sich gegen Neubau

Weil direkt neben dem Retzschgut ein Neubau entstehen will, geht Michael Tichatschke auf die Barrikaden. Er vermietet im denkmalgeschützten und idyllisch an der Weinbergstraße gelegenen Retzschaus Ferienwohnungen und sieht durch den Neubau das Stadtbild und seine Geschäftsgrundlage gefährdet.


Quelle: Uwe Hofmann

Radebeul. Wenn das Stadtweingut Hoflößnitz so etwas wie das weinbauliche Herz Radebeuls ist, dann muss man die nahebei beginnende Weinbergstraße als die Hauptschlagader begreifen. Es reihen sich denkmalgeschützte Häuser wie das „Haus in der Sonne“ oder das Ensemble Weinbergstraße 48/48a an rege Weingüter wie Drei Herren oder Karl Friedrich Aust. Und mittendrin liegt das Retzschgut, denkmalgeschützt und nach sorgfältiger Sanierung 2009 mit dem Bauherrenpreis ausgezeichnet. Und genau in dieser Weinbauidylle gibt es nun Zoff.

Grund dafür ist ein „Betonklotz, 12,30 Meter hoch und 15 Meter lang“, wie Michael Tichatschke sagt. Er vermietet mit seiner Gattin Ferienwohnungen im Retzschhaus und wehrt sich gegen die Pläne einer in Plauen lebenden Ärztin, ein mehrstöckiges Gebäude auf einen schmalen Geländestreifen direkt neben dem Retzschgut zu errichten. Ihr Baugrund – das Gartengrundstück hinter dem Pressenhaus des Retzschguts – ist herrlich gelegen, ermöglicht die freie Sicht auf das Spitzhaus und Weinbergsterrassen der Prestigelage Goldener Wagen. Nur ist es auch sehr schmal, weshalb die Eigentümerin die gewünschten rund 400 Quadratmeter Wohnfläche nur schaffen kann, wenn sie sie auf mehrere Etagen verteilt. Für Tichatschke ein Unding.

„Das ist ein ganz normaler Neubau, der sich in die Umgebung einfügt“, hält Bauaufsichtsamtsleiter Ulrich Schröder dagegen. Seine Behörde hat im vergangenen Jahr die Baugenehmigung erteilt. Dort ist Anfang Dezember auch Tichatschkes Widerspruch eingegangen. Er bemängelt darin, dass die Abstände des geplanten Gebäudes zu seinem Grundstück zu gering seien. Statt drei Metern Platz seien sechs Meter nötig. Problem: Ein Bau wäre dann kaum denkbar. „Natürlich muss der Eigentümer mit den Abständen aufpassen, so schmal wie das Grundstück ist“, sagt Schröder. Man halte aber weder den Abstandsplan noch die Gebäudehöhe für problematisch. Es sei ein Gebäude mit Satteldach geplant, so wie es im Umfeld mehrere andere gebe. Um das denkmalgeschützte Pressenhaus an der Straße zu erhalten, werde dieser Bau ein Stück zurückgesetzt errichtet. Im Pressenhaus wird dann übrigens – vom Denkmalschutz abgenickt – ein breites Tor eingebaut, das künftig als Grundstückszufahrt dient.

Vororttermin im Garten Tichatschkes: „Der Mast da ist sechs Meter hoch“, sagt er und zeigt auf einen schmalen Holzmast. „Jetzt stellen sie sich mal ein Gebäude mit der doppelten Höhe vor – das passt doch nicht“, sagt er. Seine Bedenken haben nicht allein ästhetische Gründe. Tichatschke fürchtet um die Belegungszahlen in seinen Ferienwohnungen und um die Gäste, die die Straußwirtschaft des Retzschguts besuchen. „Wenn das gebaut wird, werden sich unsere Gäste sicher wundern. Da sei der Schattenwurf auf seinen Garten, den der mächtige Bau in unmittelbarer Nachbarschaft verursachen wird, noch das kleinste Übel.

Mit seiner Meinung ist Tichatschke nicht allein. Er weiß von wenigstens zwei Nachbarn, die bei der Stadtverwaltung Kritik an dem Bauvorhaben geäußert haben. In Widerspruch gegangen ist aber er allein. Viel Hoffnung, dass das etwas ändert, hat Tichatschke nicht. „Sogar der Denkmalschutz hat keine Bedenken“, wundert er sich. Tatsächlich hält nicht einmal sein Widerspruch, der von der Landesdirektion entschieden werden muss, den Bau auf. Wenn sie will, kann die Eigentümerin trotzdem bauen, geht dann aber das Risiko ein, dass sie bei für sie nachteiliger Entscheidung der Behörde Änderungen vornehmen oder gar abreißen muss. „Wir denken aber nicht davon aus, dass gegen die Baugenehmigung entschieden wird“, sagt der Radebeuler Amtsleiter Schröder. Erfahrungsgemäß würde es ein halbes Jahr dauern, bis ein solches Verfahren entschieden ist.

Pikant an der Sache: 2011 hat Radebeul einen Bebauungsplan erlassen, der Neubauten oberhalb der Weinbergstraße nahezu kategorisch untersagt. Allerdings endet er an der Weberstraße, ein paar Hausnummern vor dem Retzschgut. „Es gibt Dinge, die man bewahren möchte“, hatte Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) mit Blick auf die denkmalgeschützten Häuser an der Straße und die oberhalb davon liegende Weinberglandschaft damals gesagt. Tichatschke fragt sich, warum das nicht auch für das stadtgeschichtlich bedeutende Retzschgut gilt.

Das trägt seinen Namen nach dem Maler und Radierer Moritz Retzsch, dessen Lithografie eines Winzerzugs von 1840 Vorlage für die von der Hoflößnitz organisierte Wiederbelebung der Umzugstradition war. Nach ihm hatte das vermutlich im 17. Jahrhundert erbaute Haus wechselnde Besitzer. Laut Tichatschke wurde das Grundstück in den 60er Jahren auf die drei Kinder der damaligen Besitzerin aufgeteilt. Dabei entstand der schmale Gartenstreifen hinter dem Pressenhaus, das seinem Besitzer lange Jahre als eine Art Datsche diente und nun zur Toreinfahrt und Garage umfunktioniert werden soll.

Von Uwe Hofmann

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