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Steffen Richter, AKuBiZ-Chef: "Ehrenamt braucht Vertrauen"

Steffen Richter, AKuBiZ-Chef: "Ehrenamt braucht Vertrauen"

Wie ist das Alternative Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz, der AKuBiZ e. V.Steffen Richter: Der Verein war anfangs ein Zusammenschluss von Betroffenen rechter Gewalt.

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Steffen Richter, Vereinschef von AKuBiZ in Pirna

Quelle: Carloa Fritzsche

Wie ist das Alternative Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz, der AKuBiZ e. V. also, entstanden?

Steffen Richter: Der Verein war anfangs ein Zusammenschluss von Betroffenen rechter Gewalt. Später wurden die Mitglieder aktiver und begannen mit Aktionen. Wir starteten Jugendaustauschprojekte, kleine Konzerte, Wanderungen und Informationsveranstaltungen. So entstand der heutige Verein AKuBiZ e. V., den es nun mehr als zwölf Jahre gibt.

Was sind die Vereinsziele?

Wir wollen Gesellschaft mitgestalten. Dabei geht es auch darum, Missstände anzusprechen, aufzuzeigen und zu verändern. Im Fokus liegt derzeit die Geschichtsaufarbeitung. Wir haben ehemalige Konzentrationslager im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge aber auch den Widerstand gegen die Nationalsozialisten aus der Vergessenheit geholt. Bei unseren Recherchen sind wir nach Italien, Griechenland und Spanien gereist. Wir haben Kontakte zu lokalen Gruppen geknüpft und halten diese zum Teil seit fast zehn Jahren.

Als sich AKuBiZ gründete, brachten kriminelle Rechtsradikale Pirna in Verruf. Wie sieht es heute in der Region aus?

Aktuell gibt es wieder einige Probleme. Ein skandinavischer Neonazi hat ein Haus gekauft, das von lokalen NPD-Mitgliedern ausgebaut wird. Außerdem häufen sich rassistisch motivierte Übergriffe - wie vor wenigen Tagen auf einen Asylsuchenden in Schmiedeberg. Ich denke aber nicht, dass diese spezifisch für die Region sind. Die Opferberatung der RAA Sachsen spricht davon, dass in Sachsen jeden dritten Tag ein rechter Übergriff geschieht. Es ist wichtig eine Atmosphäre zu gestalten, in denen sich Menschen wohl fühlen können, weil sie auf humanistischen Grundgedanken basiert.

Welche aktuellen Projekte laufen gerade?

Wir arbeiten an einem Info-Flyer über ein ehemaliges Konzentrationslager in Königstein. Vor wenigen Wochen erschienen Flyer über ehemalige Lager in Pirna und Hohnstein. Wir planen außerdem die Umgestaltung unserer Ausstellung "Rechts rockt Sachsen" und eine Neuauflage des Comics "Jetzt reichts in Sachsnitz". Im nächsten Jahr werden wieder unsere traditionellen Projekte wie die "Rote Bergsteiger-Wanderung" und der "Antirassistische Fußball-Cup" stattfinden. Außerdem haben wir einen kleinen Laden am Pirnaer Markt - die K2-Kulturkiste.

Sie organisieren alles ehrenamtlich. Wie schaffen Sie das?

Das fragen wir uns manchmal selbst. Die Mitglieder arbeiten, studieren und gehen natürlich noch anderen Hobbys nach. Ich denke, die Arbeit im AKuBiZ ist zwar auch anstrengend, aber oft belohnt sie mit erfolgreichen Projekten. Das antirassistische Fußball-Turnier hat mittlerweile über 250 Gäste.

Sie kritisieren die 2010 eingeführte Extremismusklausel, die Vereine unterzeichnen müssen, die Bundesfördermittel wollen?

Politisches Engagement braucht Vertrauen und Kontinuität. Es braucht die Chance, sich kritisch äußern zu dürfen und unkomplizierte Förderung. Die Extremismusklausel widerspricht allen demokratischen Gedanken. Sie stellt Initiativen gegen Rechts unter Generalverdacht, fordert sie auf, ihre Partner zu bespitzeln und verlangt ein unkritisches Bekenntnis zum Staat. Aber gerade Teilhabe und Streitkultur machen eine reflektierte Gesellschaft aus. Dass dies wichtig ist, zeigen die Verstrickungen des Verfassungsschutzes mit dem Nationalsozialistischen Untergrund und der Umgang mit Asylsuchenden in vielen Gemeinden und Landkreisen.

Ihre Klage gegen die Formulierung der Extremismusklausel hatte Erfolg. Reicht Ihnen das?

Die Extremismusklausel wurde durch das Amtsgericht Dresden für rechtswidrig erklärt. Dieser Schritt war notwendig, da der starke gesellschaftliche Druck (auch durch Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände) kein Einlenken erzielen konnte. Das Bundesfamilienministerin änderte dann die Klausel etwas ab - nichtsdestotrotz bleibt unsere Kritik bestehen.

Sie haben erneut gegen die Extremismusklausel geklagt...

Aus formaljuristischen Gründen konnten wir unsere erste Klage nicht weiterführen und waren gezwungen, einen neuen Prozess anzustreben. Vielmehr hätten wir uns aber gewünscht, ein politisches Einsehen erlangen zu können. Ehrenamt braucht Anerkennung, Vertrauen und die Unterstützung der politisch Verantwortlichen.

Die Gespräche führte Madeleine Arndt

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.08.2013

Madeleine Arndt

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