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Stahlrohre sollen Sturzbach zähmen - Pirna möchte mit neuem Abflusskanal Erdrutsche an der Blutpfütze verhindern

Stahlrohre sollen Sturzbach zähmen - Pirna möchte mit neuem Abflusskanal Erdrutsche an der Blutpfütze verhindern

Bei Starkregen klingeln im Pirnaer Rathaus die Alarmglocken. Und die Bewohner an der Postaer Straße sind unruhig. Die idyllische Lage am Elbhang birgt Gefahren, vor allem unterhalb des ehemaligen Steinbruchs Blutpfütze.

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Bauamtsleiter Uwe Schädlich zeigt auf die Felswand in der Blutpfütze, von der bei Starkregen Wassermassen den Elbhang hinunterstürzen.

Quelle: Silvio Kuhnert

Pirna. Von Silvio Kuhnert

Pirna . Bei Starkregen klingeln im Pirnaer Rathaus die Alarmglocken. Und die Bewohner an der Postaer Straße sind unruhig. Die idyllische Lage am Elbhang birgt Gefahren, vor allem unterhalb des ehemaligen Steinbruchs Blutpfütze. Von der Elbe und der Straße aus ist nichts zu sehen. Eine grüne Wand vom Laub der Bäume verdeckt ein Kerbtal, das sich tief in den Hang schneidet. "Früher konnte man hier noch entlanggehen", sagt Pirnas Bauamtsleiter Uwe Schädlich, als er am Abgrund steht und auf die gegenüberliegende Seite zeigt.

Regenwasser hat sich tief in den Abhang gegraben. "Die Blutpfütze ist ein Gewässer 2. Ordnung", erklärt Schädlich. Es fließt nicht immer, aber bei Starkregen springt es an. Und durch die Wucht, mit der es abrupt ins Elbtal saust, ist es einer, wenn nicht gar der gefährlichste sporadische Wasserlauf im Pirnaer Stadtgebiet. 1987 bekamen die Anwohner die zerstörerische Kraft besonders zu spüren. Eine Lawine aus Schlamm und Geröll löste sich. "Der Erdrutsch türmte sich bis zur Unterkante des Türsturzes im Erdgeschoss", berichtet Schädlich. Auch zum Jahreswechsel 2002/2003 lösten sich wieder mehrere Kubikmeter Erdreich. Und nach einem Gewitterguss in diesem Sommer mussten etliche Tonnen weggeschaufelt werden. Dieses Mal war es "bloß" Sand.

Die Topographie der Blutpfütze macht sie so gefährlich. Oberhalb des Steinbruches sammelt sich in einer Senke das Regenwasser. "Das Einzugsgebiet erstreckt sich zwischen Wehlener Straße und Elbhangkante", informiert Schädlich. Ist die Senke vollgelaufen, stürzt das Wasser rund 15 Meter die Felswand hinunter und sammelt sich auf einem Plateau. "Das war einst die Arbeitsfläche des Steinbruchs", führt Schädlich aus.

Woher der Name Blutpfütze kommt, weiß der Bauamtsleiter nicht. Er vermutet, dass er von den Steinbrechern stammt. Die hauten bis vor rund 100 Jahren Sandstein aus dem Fels. Den nicht benötigten Schutt kippten sie den Elbhang hinab. Und genau durch diese Aufschüttungen sucht sich der Wasserlauf seinen Weg, wenn er das Plateau durchflossen hat.

Bereits die alten Steinbrecher haben einen Abflusskanal geschaffen. Quasi als Fundament diente eine Steinrutsche, auf der einst der Sandstein zu den Booten an der Elbe runtergelassen wurde. Über die Rutsche legten sie einfach Sandsteinplatten und schütteten weiter den Abbruch darüber ab. "Im Jahr 2003 haben wir ihn notdürftig saniert", erinnert sich Schädlich. Doch sieben Jahre später lief er erneut über. Nach dem Augusthochwasser 2010 hat das Bauamt den Kanal untersucht. Dessen Chef kroch selbst durch den 80 Zentimeter breiten und nur rund 40 Zentimeter hohen Schacht. "In der Mitte ist der Schacht zerbrochen", sagt Schädlich. Bei jedem Starkregen droht das Wasser noch mehr als früher überzulaufen und Geröllmasse in Richtung Postaer Straße mitzureißen. Schädlich spricht von Supergau, sollte der Hang als Mure in Richtung Wohnhäuser abgehen.

Einen fetten Ordner füllen die Pläne, die dies verhindern sollen. Eine erneute Sanierung des jetzigen Kanals kommt nicht mehr infrage. "Er ist zu klein", sagt Schädlich. Ein neuer Kanal aus Stahlrohr von einem Meter Durchmesser soll künftig Schlammlawinen verhindern. Über ein Jahr wartete die Stadt Pirna auf die Fördermittelzusage vom Freistaat. Das Land übernimmt 846 000 Euro des knapp eine Million Euro teuren Vorhabens. Weil es sich bei dem Bau der Rohrleitung um eine Gewässerneuverlegung handelt, ist eine Planfeststellung notwendig. Seit Juli befinden sich die Unterlagen in der Landesdirektion. Schädlich hofft, dass das Planfeststellungsverfahren noch in diesem Monat eröffnet wird. "Wenn alles geschmeidig verläuft, besteht im Frühjahr Baurecht", zeigt sich Schädlich zuverlässig. Im Herbst 2013 soll dann der Bau des neuen Abflusses, der rund 35 Höhenmeter überwindet, beginnen. Für die Bauzeit sind rund sechs Monate veranschlagt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.09.2012

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