Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 13 ° Regen

Navigation:
Google+
Städtische Kunstsammlung Radebeul - Ausstellung zum 20-Jährigen in der Stadtgalerie

Städtische Kunstsammlung Radebeul - Ausstellung zum 20-Jährigen in der Stadtgalerie

Der erste Kunstankauf durch die 1992 gegründete Städtische Kunstsammlung Radebeul war das Gemälde "Meine Umgebung" aus dem künstlerischen Nachlass des Radebeuler Malers und Grafikers Heinz Drache (1929-1989).

Nun ist in einer Ausstellung zum 20. Jubiläum auch dieses Werk zusammen mit zehn Prozent der aus fast 2000 Kunstwerken bestehenden Sammlung in der Stadtgalerie Radebeul zu sehen: Kein für Radebeul typisches Motiv mit lieblichen Lößnitzhängen, eher eine Industrielandschaft in auffallend kraftvoller Farbigkeit mit rauchenden Schornsteinen, über die roten und grauen Dächer hinweg aufgenommen. Die Ausstellung wird von einem traditionellen Realismus dominiert, weist aber auch Werke mit experimentellen Zügen auf, die sich an Moderne und Postmoderne orientieren. Zu den ältesten in der Sammlung vertretenen Künstlern, die kaum noch jemand kennt und deren Werke jetzt seit langem wieder zu sehen sind, zählen zum Beispiel die beiden Naturalisten Alfred Noether und Robert Erbe (das älteste Stück der Ausstellung, ein Aquarell von 1881).

In dieser Ausstellung ist ein Großteil Radebeuler Künstler (47) mit 100 Arbeiten vertreten, inklusive solche Künstler, deren Lebensweg hier begann. Die Sichtbarmachung künstlerischer Wurzeln der Radebeuler Malerei ist das Verdienst dieser ersten Ausstellung, deren Weiterführung im November geplant ist. Stilistisch wird hier ein Bogen vom Naturalismus bis heute gespannt. Werke solcher Künstlergrößen wie Karl Kröner, Paul Wilhelm, Karl Sinkwitz und Theodor Rosenhauer, die die Kunstgeschichte zur Dresdner Malkultur zählt, sowie Gussy und Erhard Hippold als Vertreter der Neuen Sachlichkeit, präsentieren den hochkultivierten Kern Radebeuler Kunst von Rang und Namen. Wie viele andere Künstler, die hier gelebt und sich im Austausch mit dem Kunstschmelztiegel Dresden befunden haben, leisteten sie schließlich einen wesentlichen Beitrag für die Dresdner Kunst. In dieser Tradition stehen Künstler wie Werner Wittig und Gunter Herrmann, die Wesentliches im Bereich der Grafik geleistet haben und häufig als "malerische Grafiker" bezeichnet wurden.

Es stellt sich die Frage, ob die Sammlung für die Vielfalt der Radebeuler Kunst repräsentativ ist. Gezielte Ankäufe und zufällige Schenkungen erzeugen eher ein unvollständiges Bild. Hinzu kommt die Beschränkung auf wenige Arbeiten in der aktuellen Ausstellung, die sicher etwas Wesentliches über den Bestand der Sammlung aussagen mögen, aber in ihrer unterschiedlichen Werkdichte Divergenzen aufzeigen. Durch die möglich-machbare Auswahl entstanden, können sie erst durch künftige Ausstellungen ausgeglichen werden. In diesem Zusammenhang muss die Galeristin, Sammlungsleiterin und Kuratorin der Ausstellung Karin Gerhardt genannt werden, die mit großem Engagement seit 1992 die Städtische Kunstsammlung betreut und sich schon seit 1984 für die Radebeuler Kunst verdient gemacht hat. Für den Ankauf von Kunst steht ihr jährlich ein Budget von 2000 Euro zur Verfügung. Partielle Unterstützung erfährt sie durch den Förderkreis der Stadtgalerie Radebeul.

Unter dem Ausstellungstitel "Sammlung statt Sammelsurium" wird ein Weg deutlich gemacht, der vor 20 Jahren beschritten wurde und in den nächsten Jahren eine konsequente Fortsetzung finden soll: die Repräsentanz der Sammlung für die Radebeuler Kunst zu erhöhen. Wie sich ihre Zukunft gestalten wird, ist nicht vorauszusehen. Wichtig dabei wird das Vertrauen der Künstler zur Stadt und ihrer Kunstarbeit sein, im guten Bewusstsein, von ihr unterstützt und vertreten zu werden. Damit werden weitere Schenkungen erst möglich.

Neben der Tradition verpflichteten Malern Radebeuls, unter ihnen zum Beispiel Günter Schmitz, Lieselotte Finke-Poser, Georg Richter-Lößnitz und Johannes Thaut, der in der Ausstellung mit einer großen Anzahl von Arbeiten, darunter einem altmeisterlichen Kinderbildnis ("Gabriele im Schnee", Aquarell, 1976), vertreten ist, machen die Jüngeren auf sich aufmerksam. Von den Unangepassten muss man Ingo Kuczera nennen, dessen "Trinker" (2003) im Treppenaufgang zu sehen ist. In einer Vitrine mit skurrilen Plastiken findet sich auch eine Collage mit der Abbildung von Joseph Beuys, eine der wenigen Bezugnahmen auf die postmoderne Kunst innerhalb der Radebeuler Szene. Der Unruhegeist Kuczera, der sich 2004 das Leben nahm, ist einer der wenigen geblieben, der verzweifelt mit sich rang und kritisch Kunst und Zeit hinterfragte, wobei er immer wieder seine Ideen in den städtischen Außenraum getragen hat ("Entwicklung Straßenbäume, Bahnhofstraße", ABM-Projekt). Peter PIT Müller nähert sich wieder realistisch mit dem erfrischend wirkenden Blatt "Allee zur Hoflößnitz" der heimischen Landschaft. Seine aktive systemkritische Einmischung in das kulturpolitische Leben der DDR durch Gruppen-Kunstprojekte und experimentelle Lösungen seien nicht vergessen. Der Maler Klaus Liebscher, Künstleroriginal und wacher Zeitgenosse, zeigt zwei kleinere konstruktiv-informelle Arbeiten, die auf dem Blatt frei improvisierend nach Musik erst während der Arbeit Gestalt annahmen. Das Flair der Radebeuler Landschaft mit ihrem ganz eigenen Rhythmus, dem südlichen Licht und die besonderen Musikalität der Lößnitz ist für viele hier lebende Künstler von großer kreativer Anregung. Sie erzeugt ein eher harmonisches Lebensgefühl, in dem sich Ferne und Nähe verbinden, wie in den Bildern der jungen Malerin Friederike Curlin-Aust ("Garten"). Heinz Draches geheime Sehnsucht nach Ferne, die sich in dem Ölbild "Harlekin" ausdrückt, wird durch die jungen Maler eingelöst, die sich auf den Weg in die Welt machen, dabei aber immer die hier gewachsene Tradition im "Hinterkopf" haben. Wurzeln sind ihnen wichtiger als Trends auf dem Kunstmarkt. Heinz Weißflog

bis 21. Oktober. Stadtgalerie Radebeul, Altkötzschenbroda 21, Kontakt: Tel. 0351/ 8311 626, galerie@radebeul.de, geöffnet Di, Mi, Do & So 14-18 Uhr

2. Teil der Ausstellung vom 18. November bis 16. Dezember

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.10.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr