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Stadträte vermitteln Vereinbarung zwischen RBC-Fußballern und Anwohnern

Radebeuler Weinbergstadion Stadträte vermitteln Vereinbarung zwischen RBC-Fußballern und Anwohnern

Seit Jahren streiten der Fußballverein RBC und Anwohner über den Spielbetrieb im Weinbergstadion. Nun haben Stadträte eine Vereinbarung zwischen den Kontrahenten vermittelt, die beide Seiten regelmäßig an den Gesprächstisch zwingt. Im Gegenzug drehen die Stadträte zu Kontrollrunden auf dem Kunstrasen an.

Wurzel des Übels: Das schmucke Weinbergstadion liegt mitten in einem idyllischen Wohngebiet.

Quelle: Uwe Hofmann

Radebeul. „Eine Trillerpfeife habe ich mir schon rausgesucht“, sagt Heinz-Jürgen Thiessen und lacht. Mit ihr wird der Stadtrat (Bürgerforum/Grüne) am Sonntag punkt 8.45 Uhr mit seinen Stadtratskollegen Christine Schurig (SPD) und Karsten Strobach (CDU) im Weinbergstadion auftauchen, um für Ruhe zu sorgen. Denn erst ab 9 Uhr dürfen die Fußballer des Radebeuler Ballspiel-Clubs 1908 (RBC) auf den Kunstrasen treten – so will es eine Selbstverpflichtung des Vereins, die an Sonn- und Feiertagen nur zwischen 9 und 13 Uhr einen Spielbetrieb erlaubt. Die drei Stadträte wollen abwechselnd mit Mitarbeitern der städtischen GmbH Stadtbäder- und Freizeitanlagen (SBF) das Einhalten der Regelung überwachen. Das ist Teil einer Vereinbarung, die der Verein mit Anwohnern geschlossen hat, die seit Jahren über den regen Spielbetrieb im Stadion klagen. Seit dem vergangenen Sommer versuchen die drei Stadträte zwischen den Kontrahenten Frieden zu stiften – die am Dienstagabend unterzeichnete Vereinbarung ist nun Ergebnis ihrer Bemühungen.

„Es bleibt problematisch, weil das Weinbergstadion mitten in einem Wohngebiet liegt“, betont Thiessen trotz des Verhandlungserfolgs. Anwohner klagen über Lärm, lange Flutlichtabende und wildes Parken, der RBC weiß im Gegenzug kaum, wie er Spiel- und Trainingsbetrieb für seine 26 Mannschaften und mehr als 450 Mitgliedern organisieren soll. Jede zusätzliche Einschränkung empfindet der Verein, jede zusätzliche Trainingsstunde die Einwohner als Zumutung. Auch wenn Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) vergangenen Herbst nach mehr als zehn Jahren das Ende aller Gerichtsprozesse über das Weinbergstadion verkündete, bleibt der idyllisch gelegene Sportplatz ein Pulverfass. Die Vereinbarung soll in dieser Lage die Reibungsverluste minimieren, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die externe Kontrolle, für die Stadträte und SBF sorgen, ist dabei nur ein wichtiger Bestandteil. Außerdem tagt alle vier Wochen ein „Kontrollausschuss“, in dem Anwohner und Vereinsvertreter sich gegenseitig ihre Meinung sagen können. Das Gremium ist das eigentliche Herzstück der Vereinbarung, dient es doch dazu, beide Seiten im Gespräch zu halten. „Das ist das A und O“, sagt Thiessen, der das Programm der Vereinbarung mit den Schlagworten „Kontrolle und Kommunikation“ beschreibt.

Es war ein schweres Stück Arbeit, Verein und Anwohner an einen Tisch zu bringen. Zu groß war die Skepsis auf beiden Seiten, die der jahrelange Gerichtsmarathon zermürbt hat. So überrascht es nicht, dass ein erster Entwurf über eine Vereinbarung, den die Stadträte im November vorstellten, zwischenzeitlich vor dem Aus stand. Nach langen Verhandlungen hat man ihn entschärfen müssen, um die Sache noch zu retten. So haben die Anwohner die Zusage, nicht mehr gegen den Verein oder die Stadt klagen zu wollen, streichen lassen, auf Vereinswunsch verschwand der Paragraph, der ihm bei Fehlverhalten Konsequenzen androhte. „Die nächsten Wochen werden entscheidend sein, wie man die Vereinbarung mit Leben ausfüllt“, sagt Thiessen. Klappen die Kontrollen? Fassen Verein und Nachbarn bei den Gesprächsabenden Vertrauen zueinander? – um diese Fragen geht es nun. Am Ende des Jahres wird man sich noch einmal zusammensetzen und entscheiden, ob die Vereinbarung so oder in veränderter Form fortgeführt wird.

Im Idealfall sehen sich dann beide Seiten als Gewinner. Einen lachenden Dritten könnte es dann auch geben. Es ist die Stadt, die das Stadion aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr über den SBF wieder ins kommunale Eigentum überführt. Mit diesem Schritt will der finanziell nicht auf Rosen gebettete Verein den Weg für dringend benötigte Investitionen frei machen: Ein neuer Sanitär- und Kabinentrakt wird gebraucht und der Kunstrasen müsste erneuert werden, außerdem sollen eine weitere Schallschutzwand und ein Parkplatz Probleme beseitigen helfen. Diese Investitionen, die laut Vereinbarung eng mit beiden Seiten abgestimmt werden sollen, ließen sich deutlich einfacher verwirklichen, wenn alle Beteiligten zuammen- und nicht gegeneinander arbeiten. Für eine echte Problemlösung braucht es aber mehr, wie Stadtrat Thiessen sagt. „Wir müssen uns für ein drittes Stadion in Radebeul einsetzen, das haben wir uns für unsere Stadtratsarbeit mitgenommen“, sagt er stellvertretend für seine zwei Kollegen. Nur durch eine akzeptable Ausweichadresse könnte zu Kontrolle und Kommunikation auch Entspannung hinzu kommen.

Von Uwe Hofmann

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