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Spiel mit Licht und Schatten: Sebnitz würdigt Scherenschnittkünstler Adolf Tannert

Spiel mit Licht und Schatten: Sebnitz würdigt Scherenschnittkünstler Adolf Tannert

Bohnenernte, Gänsemarkt, Pilzsuche: Wenn sich viele Szenen aus dem Alltag des 19. Jahrhunderts in der Region Sebnitz erhalten haben, ist es auch das Verdienst des Schriftsetzers Adolf Tannert (1839-1913).

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Adolf Tannert

Quelle: Archiv

Der eigenwillige Dokumentarist des Lebens der Bauern und Handwerker schnitt Zeit seines Lebens Tausende solcher Motive aus Papier aus. Das Kunstblumen- und Heimatmuseum Sebnitz widmet Tannert, einem der bedeutendsten Scherenschnittkünstler des 19. Jahrhunderts, eine Sonderschau - zum 100. Todestag am 18. Juni.

"Vom Poeten mit der Schere" präsentiert bis Ende September Scherenschnitte, Naturstudien und Schattenspiele des Meisters, der regelrecht besessen gewesen sei, sagt Museumsleiter Robert Rösler. "Er lebte für seine Arbeit und seine Ideen." Dennoch blieb ihm für seine große Leidenschaft im Alltag nur wenig Zeit. Tannert arbeitete in der Woche zwölf Stunden täglich in einer Druckerei, am Samstag zehn Stunden. Bezahlten Urlaub gab es nicht.

Trotz der harten Lebensbedingungen schwingt in vielen seiner Werke Humor mit, manchmal auch Sozialkritik in der Gegenüberstellung von Arm und Reich. "Er hat die Leute in ihrer Zeit porträtiert", sagt Rösler. Neben figürlichen Darstellungen reizten Tannert, der mit seiner Frau und einer Tochter zusammen lebte, die Schönheiten der Natur. In der knappen Freizeit unternahm er alleine Streifzüge in die Umgebung seiner Heimatstadt am Rand der Sächsischen Schweiz. Nach einem Bericht seiner Tochter brachte er dann Kraut, Moose oder Steine mit nach Hause. Es entstanden detailreiche Naturstudien von Pflanzen und Tieren sowie Scherenschnitte.

Museumschef Rösler ist begeistert von den "unglaublich filigranen Darstellungen" und hält diesen Teil der Arbeiten für das bedeutendste Oeuvre. Der in Bad Schandau im Elbsandsteingebirge geborene Tannert galt zwar als zurückgezogen und wortkarg und soll manchmal tagelang kaum gesprochen haben, erhielt aber im Gegensatz zu manch anderem Künstlerkollegen schon zu Lebzeiten Anerkennung.

Seine Begabung traf in der Sebnitzer Region auf die einst verbreitete Weihnachtsvolkskunst der Schattenspiele. Diese veredelte Tannert, beflügelte sie mit seinen Schnitten und fand damit eine Marktlücke. "Sein Talent wurde schnell bekannt und er bekam Aufträge", sagt Hansjörg Hertwig. Der Sebnitzer Ingenieur fertigt als Einziger im Nebenerwerb noch Schattenspiele und hält die nach seinen Worten "weltweit einmalige" Tradition hoch. Dabei nutzt er auch Motive von Tannert.

Zudem hat Hertwig rund 40 historische Exemplare restauriert. Zum Jubiläum des Scherenkünstlers Tannert, dessen Werk untrennbar mit den Schattenspielen in Verbindung steht, brachte er eine Broschüre heraus. Für Hertwig, der sich seit 1979 mit der Tradition beschäftigt, war Tannert ein "Naturtalent". Er habe Kinder auf dem Markt beobachtet, kurzerhand von ihnen Schnitte angefertigt und sie gleich verschenkt, berichtet er.

Die weihnachtlichen Schattenspiele entstanden im 19. Jahrhundert - meist in den Familien. Nach dem Prinzip der Weihnachtspyramide trieben Kerzen oder Öllampen mit ihrer Wärme Flügelräder an. Mit ihnen kreisten Reifen mit Figuren, deren Schatten fielen auf das mit Papier bespannte Gehäuse. Inzwischen funktioniert das aber elektrisch. Die Lichtspiele haben laut Hertwig eine "ungemein beruhigende, fast hypnotische Wirkung".

Die Sebnitzer konnten bei Tannert in verschiedenen Preiskategorien Figuren für ihre Schattenspiele bestellen. Gefragt waren auch zu Weihnachten Szenen aus dem Alltag. Für Hertwig haben die Scherenschnitte damit auch dokumentarischen Charakter. Mit den Bildgeschichten habe Tannert Einzelheiten zu Kleidung, Arbeitsgeräten und zur sozialen Stellung von Menschen überliefert, sagt Hertwig. "Ein einzigartiges Erbe für die Region."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.06.2013

Marius Zippe, dpa

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