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Sörnewitzer Winzer Matthias Schuh: Chef mit 28

Familienbetrieb Sörnewitzer Winzer Matthias Schuh: Chef mit 28

Winzer Matthias Schuh verantwortet die Produktion im Familienbetrieb in Sörnewitz bei Meißen. Bei den Rebflächen muss der Weinbauingenieur 30 Jahre im Voraus planen. Sein Ziel ist klar: Er will das Weingut will zu einem Spitzenbetrieb in Sachsen aufbauen.

Matthias Schuh ist 28 und beispielgebend für den Generationswechsel im sächsischen Weinbau.

Quelle: Lars Müller

Sörnewitz. Wenn Winzer Matthias Schuh ein Glas Wein ausschenkt, dann spürt der Gast die Leidenschaft des 28-Jährigen für sein Produkt. Egal, wie lange der Arbeitstag im Keller, in der Steillage oder im Büro auch war, der Weinfreund wird davon nichts merken. Perfektionist Schuh brennt für seinen Job.

Seit Anfang Juli ist Matthias Schuh gemeinsam mit seiner Schwester Katharina Pollmer und seiner Mutter Martina Schuh Teilhaber des Familienbetriebs in Sörnewitz bei Meißen. Der Winzer und Weinbautechniker verantwortet die gesamte Produktion vom Rebschnitt im Weinberg bis zum fertigen Wein in der Kellerei. Seit sich sein Vater Walter Schuh in den Ruhestand beziehungsweise die gutseigene Vinothek zurückgezogen hat, gilt Matthias Schuh als Vorreiter des Generationenwechsels im sächsischen Weinbau. Der Verantwortung stelle er sich gern, sagt er. Drei Jahre hat sich der selbstbewusste Winzer in den Familienbetrieb einarbeiten können, in dem er schon groß geworden ist. Zuvor hat er in Franken Winzer gelernt, Auslandserfahrung in Neuseeland und Frankreich gesammelt und schließlich seine Weiterbildung zum Techniker in Württemberg absolviert.

Schuh meidet die Formulierung, in die Fußstapfen seines Vaters treten zu wollen. Er will vielmehr eine Familientradition in die Zukunft führen, auf Bewährtem aufbauen und dabei deutlich eigene Akzente setzen. Immerhin betreiben die Schuhs Weinbau in vierter Generation, wechselten vor 25 Jahren von der Mosel an die Elbe und bauten das Weingut neu auf, das seit Jahren längst eine feste Größe in Sachsen ist. Dabei bewirtschaftet der Betrieb selbst nur fünf Hektar ausschließlich in Steillage. Daneben kaufen die Schuhs Trauben von drei ausgewählten Erzeugern zu, sodass durchschnittlich 65 000 Flaschen sächsischer Wein von jedem Jahrgang gefüllt werden. Zwei Hektar mehr eigene Rebfläche hätte der Jungwinzer schon gerne, gibt er zu. Da müsse aber alles passen: Gute Lagen und nicht zu weit weg vom Weingut. Über Langeweile kann der Jungwinzer auch jetzt schon nicht klagen: Gemeinsam mit dem langjährigen Winzermeister Holger Horter und dem Azubi Stefan Przismabor, den der Jungwinzer seit Februar ausbildet, steht er derzeit jeden Tag im Berg, um optimale Trauben zu erhalten. In Spitzenzeiten beschäftigt der Familienbetrieb noch einige Aushilfen. Mindestlohn war dabei nie ein Thema. Die Schuhs haben schon Jahre vor der gesetzlichen Regelung ihren Helfern 8,50 Euro je Stunde gezahlt. Auf billige ausländische Hilfskräfte verzichtet Matthias Schuh bis heute. Das würde nicht ins nachhaltige Konzept des Weinguts passen, sagt er.

Nach Schuhs Auffassung haben sich die Bedingungen, die einen Betrieb attraktiv für Arbeitnehmer machen, stark geändert. „Einige Menschen entscheiden sich heute für mehr Lebensqualität, statt 200 Euro mehr im Portemonnaie.“ Gute Mitarbeiter müssten sich im Betrieb selbst entfalten können, ohne zu stark vom Chef gelenkt zu werden. Heutzutage zählten gutes Arbeitsklima, Freiheit und Flexibilität noch viel mehr als früher, sagt der junge Chef. „Die wichtigste Grundlage für ein erfolgreiches Unternehmen sind Mitarbeiter, die sich mit ihrer Arbeit identifizieren und hierfür alles geben.“ In diesem Zusammenhang kritisiert Schuh, dass in Deutschland zu sehr auf Papiere und Abschlüsse geschaut werde und weniger auf Persönlichkeit.

Seine gut 30 000 nach ökologischen Grundsätzen kultivierten Rebstöcke in den Lagen Klausen- und Kapitelberg kennt er in- und auswendig, sieht mit geschultem Blick sofort, wie es den Reben geht und ob Düngung oder Pflanzenschutz notwendig sind. „Gelernt ist gelernt“, sagt er und schmunzelt selbstbewusst.

Dabei weiß er aus eigener Erfahrung, dass er nicht alles beeinflussen kann: Ausfälle durch Spätfröste oder Hagelschlag müsse ein gesund wirtschaftender Betrieb aber verkraften können, betont Matthias Schuh. Konkret auf Finanzen, etwa die angestrebten Erlöse pro Flasche Wein, angesprochen, gibt sich der eloquente Winzer deutlich einsilbiger. „Es ist klar, dass wir an einer Flasche Grauburgunder für 12,50 Euro keine 12,50 Euro verdienen.“ Und wer einmal bei 35 Grad Celsius in der Steillage geschwitzt oder bei Null Grad und strammem Wind gefroren hat, der fragt auch nicht weiter nach. Flaschen, Korken, Etiketten, die Technik im Keller – Schuh könnte viele Kostenfaktoren aufzählen, spricht aber eigentlich lieber über seine Weine. Der Winzer bedauert, „dass man hierzulande teilweise keine große Wertschätzung für gute regionale Lebensmittel hat, sondern andere materielle Dinge wichtiger sind, statt ein gutes Stück Fleisch auf dem Teller“.

Allein die Umgestaltung von Rebflächen schlage mit 35 000 Euro pro Hektar zu Buche und rechne sich oft erst nach 15 Jahren. Erste wirtschaftliche Erträge bringen Junganlagen im dritten Jahr und nach 30 Jahren werden alte Rebstöcke zu Liebhaberstücken, aus deren Trauben sich zwar individuelle und ausdrucksstarke Weine keltern lassen, deren Menge sich aber betriebswirtschaftlich dann kaum noch darstellen lässt. Zudem ergänzt Schuh: „Ich muss jetzt schon wissen, welche Rebsorten in fünf oder zehn Jahren ‚in‘ sein werden.“ Was er demnächst das erste Mal ausbauen wird, weiß er: Scheurebe. Diese bukettreiche Sorte ist eine Herzensangelegenheit für ihn. Spätestens 2017 steht die neue Fläche mit der „Scheu“ voll im Ertrag.

Seinen Premiumweinen gibt der bestens vernetzte Jungwinzer seit einigen Jahren deutlich mehr Zeit zu reifen, lässt sie länger auf der Hefe liegen. „Ich will das Optimum aus jedem Jahrgang herausholen.“ Burgunder und Riesling liegen ihm besonders am Herzen. Auf der anderen Seite muss er aber – gerade in Sachsen – auch typisch junge und frische Weine anbieten. Goldriesling und Rotling werden nicht selten schon Ende November gefüllt. Dann ist der vorhergehende Jahrgang ausverkauft und die Stammkundschaft verlangt Nachschub. Mehr als 80 Prozent der Produktion vermarktet das Weingut Schuh direkt. Der Rest wird über die Gastronomie und Fachvinotheken vertrieben. In Supermärkten sucht man vergeblich nach Schuh-Weinen. Stolz ist Matthias Schuh darauf, dass er über persönliche Beziehung inzwischen eine stetig steigende Menge seiner Weine nach Dänemark exportieren kann.

Gespräche mit den Kunden schätzt der junge Winzer besonders: Bei nahezu jeder Gelegenheit, die sich bietet, präsentiert Matthias Schuh selbst nach einem harte Arbeitstag oder an Wochenenden höchstpersönlich und gut gelaunt seine Weine und fachsimpelt mit Weinfreunden. Als Europas bester Jungwinzer im Berufswettbewerb der Weinbauschulen 2012 in Italien hat sich Schuh die Messlatte selbst ziemlich hoch gelegt. Es ist nur allzu natürlich, dass Weinkenner und Winzerkollegen nun auch Top-Weine von ihm erwarten. Diesen Druck nimmt er allerdings sportlich, krempelt die Ärmel hoch und setzt sich weitere Ziele: In zehn Jahren soll das Familienweingut zu den Spitzenbetrieben im Anbaugebiet gehören. Branchenkenner, die die Entwicklung des Betriebs beobachten, zweifeln nicht, dass dieses Vorhaben gelingen kann.

Zum Weinskandal, der in Sachsen noch immer für einige Verunsicherung gesorgt hat, hat Matthias Schuh übrigens eine klare Meinung: Wer verbotene Pflanzenschutzmittel einsetzt, handelt dumm und verantwortungslos, muss öffentlich genannt und zur Rechenschaft gezogen werden. Aber eigentlich will der Winzer von diesem Thema gar nichts mehr wissen, stellt er ziemlich deutlich klar.

Von Lars Müller

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