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Sodanns DDR-Sammlung: Viele Bücher, wenig Besucher

Sodanns DDR-Sammlung: Viele Bücher, wenig Besucher

Im kleinen Dörfchen Staucha im Landkreis Meißen hat sich der Schauspieler und Ex-Bundespräsidenten-Kandidat der Linken, Peter Sodann, sein goethesches Refugium aufgebaut.

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Peter Sodann in der Bibliothek: Trotz der mäßigen Nachfrage nach der Sammlung erwartet der 77-Jährige wissenschaftliches Interesse an den Büchern.

Quelle: Christine Keilholz

Seit drei Jahren lebt der heute 77-Jährige dort zwischen Kühen, Eingeborenen und Hunderttausenden ausgemusterten DDR-Büchern recht still vor sich hin.

Er jagt keine Mörder mehr als Kommissar Ehrlicher im "Tatort", er sammelt jetzt Bücher. Eigentlich eher unfreiwillig, er hat nämlich schon genug. Wie viele, keine Ahnung. 500 000 oder 600 000. Trotzdem kommen immer noch Leute zu der gelb gestrichenen Gutsscheune, an der Peter-Sodann-Bibliothek steht, und bringen Einkaufsbeutel voller Bücher, mit denen sie sonst nichts mehr anfangen können.

Der Herr der Scheune, der 77-jährige Schauspieler und Ex-Theater-Intendant Sodann, nimmt inzwischen lieber Geld an als Bücher. Trotzdem findet in Staucha gegenwärtig noch der abgegriffenste Aufbau-Band Asyl. Außerdem gehen täglich Bestellungen ein. Gerade hat jemand online Lenin geordert, vier Bände für 19,95 Euro. "Da sieht man, dass die Welt noch nicht so am Boden liegt, dass nichts mehr bestellt wird", bemerkt der Chef der DDR-Bücher-Sammlung. Angesprochen auf die Menschen, die ihm Bücher bringen, klagt Sodann über eine "Arroganz der Niederen. Die wissen gar nicht, was ein Buch ist." Gerade hier auf dem Dorf. Mit seiner Frau lebt er gleich neben der Bibliothek, in einem Häuschen auf einem Gut. Fachkräfte sucht er dringend für sein Projekt, einen Pressechef und einen ordentlichen Buchhändler, der den Bibliotheksladen zum Laufen bringt. Aber: "In der neuen Zeit scheitert es ja meistens am Geld." Dabei floss schon viel an öffentlichem Geld in Sodanns umstrittene Kulturinsel. 2010 bewilligte der Kreis Meißen 163 000 Euro Fördermittel, die Gemeinde Stauchitz gab 137 000 Euro dazu.

Seit drei Jahren weiß die Region nicht so recht, wie sie das Projekt finden soll. Damals suchte Sodann ein Heim für seine umfangreiche Sammlung von DDR-Büchern, die er nach der Wende zusammengetragen hatte. Von 500 000 Bänden war die Rede, die er vor dem Müll gerettet hatte. Marx, Seghers, Wolf, die Dienstvorschriften der Nationalen Volksarmee, die Werke des Zirkels schreibender Arbeiter und tonnenweise Lenin.

Mehreren Städten bot Sodann seine Bibliothek an, keiner allerdings wollte sie haben. Bis auf Peter Geißler, den findigen Bürgermeister der kleinen ­Gemeinde Stauchitz in der Nähe von Riesa. Geißler setzte auf den Promi­faktor Sodanns und bot ihm die ­Scheune auf dem Gut Staucha als Heimstatt der neuen Peter-Sodann-Bibliothek an. Im Herbst 2010 flog das Gerümpel vom Dachboden über der Gutshalle, wo einmal im Monat Gemüse und Eier verkauft werden. Platz musste her für Drehregale und einen Lesesaal.

Die Eröffnung schob sich dann noch bis zum Frühjahr 2012 hin. Doch der Hype um die Eröffnung des Wissenshorts auf dem Kuhdorf ebbte bald ab. Einzig Sodanns Heimatpartei, die Linke, unterstützte die Bibliothek ihres früheren Bundespräsidenten-Kandidaten mit Spenden. Insgesamt 850 Leute spendeten bislang. Eineinhalb Jahre nach Eröffnung läuft die Peter-Sodann-Bibliothek als Ein-Personen-Unternehmen. Drei Freiwillige und gelegentlich Praktikanten arbeiten im Archiv, nehmen Bestellungen entgegen und katalogisieren. Dabei gibt es viel zu tun.

Drüben in Oschatz im ehemaligen DHL-Lager hat er noch drei Millionen Bücher liegen, sagt er. Oben auf dem Speicher liegen 11 000 Schallplatten. Er braucht Raum für seine Pläne. "Ich fange jetzt mit Theater an." Einen Spielplan hat er schon, für diesen August und für September. Im Erdgeschoss soll es dann zwischen Bücherkisten Vorstellungen für 200 Leute geben. Um mehr Leute zu erreichen, setzt der Intendant auf Bewährtes. Um den Das-kenn-ich-noch-von-früher-Effekt der Bücher zu verstärken, hat er jetzt über den Regalen DDR-Lampen aufgehängt. In diesem Ambiente wird am 4. September sein Kollege, der Kabarettist Dieter Hildebrand, "Über den Unsinn der Welt" referieren.

Christine Keilholz

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