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Sie retten Leben: In Radeberg werden Dialysatoren für die Blutreinigung hergestellt

Sie retten Leben: In Radeberg werden Dialysatoren für die Blutreinigung hergestellt

"Eigentlich machen wir hier Nanotechnologie", sagt Bernd Heinrich und deutet auf den durchsichtigen Zylinder, den er im Technikum des Radeberger Unternehmens B.

Radeberg.

Braun Avitum Saxonia GmbH zu Demonstrationszwecken in die Hand genommen hat. An beiden Enden des Zylinders hängen viele dünne Fäden heraus, was auf den ersten Blick wenig Eindruck macht. Und doch handelt es sich dabei um eine Produktionsstufe für einen Dialysator, das Herzstück eines Dialysegeräts. Die Plastikröhre funktioniert dabei wie ein Filter, der einen Teil des Bluts - die dort gelösten Schadstoffe - hindurch lässt und den übrigen Teil zurückbehält. Darauf sind an Nierenversagen leidende Patienten angewiesen, deren Blut nur noch mit künstlicher Hilfe gereinigt werden kann. Entsprechend sind in dem Zylinder auch keine dünn gesponnenen Fäden gebündelt, sondern "Hohlfasern", wie Heinrich sagt, der in Radeberg die Technologie- und Entwicklungsabteilung leitet. Sie kann man sich als extrem schmale Röhren vorstellen, die in ihrer Wand winzige Öffnungen haben. "Diese dürfen auf keinen Fall so groß sein, dass Eiweiß aus dem Blut heraus gespült wird", sagt Heinrich, der seit 1984 am Standort tätig ist. Sie sind also in jedem Fall kleiner als 4,6 Nanometer - Nanotechnologie eben.

Dabei herrscht in der Bierstadt eine ganz andere Meinung vor, was in den Hallen an der Juri-Gagarin-Straße sieben Tage die Woche in drei Tagesschichten hergestellt wird. Da sei zumeist von der "künstlichen Niere" die Rede, sagt Geschäftsführer Bertram König. Der flapsige Ausdruck zeigt an, dass die Produktion in Radeberg Tradition hat. Seit 1978 werden im damaligen VEB Keradenta Hohlfaserdialysatoren hergestellt.

B. Braun, ein 1893 in Melsungen gegründetes Unternehmen, in dem heute rund 50 000 Mitarbeiter in etwa 60 Ländern rund 120 000 verschiedene Produkte im Medizinsektor herstellen, stieg vor zehn Jahren in Radeberg ein. Rund 70 Millionen Euro habe das Unternehmen investiert und dabei 50 neue Arbeitsplätze geschaffen, sagt König. Vor allem die Produktivität habe sich enorm erhöht. Rund 13 Millionen Dialysatoren werden jährlich in Radeberg hergestellt. Insgesamt arbeiten dort rund 500 Mitarbeiter, 200 weitere sind am Zweitstandort in Berggießhübel beschäftigt, wo die Hohlfasern gesponnen werden.

In Radeberg entstehen daraus in einem rasch erklärten, aber in der Praxis sehr komplizierten Prozess, die Dialysatoren. Dabei werden zuerst bis zu 14 000 der Hohlfasern in die Plastikröhren gesteckt. Was daraus hervorlugt, wird verschmolzen. Anschließend werden die beiden Enden der Röhren von innen mit dem Kunstharz Polyurethan verklebt, so dass die Fasern nicht mehr verrutschen können. Daraufhin werden die verschmolzenen Enden glatt aufgeschnitten, so dass wieder eine Flüssigkeit - Blut - hindurch fließen kann. Auch durch den Plastikzylinder kann etwas fließen; bei der Dialyse wird dort das reinigende Wasser hindurchgeleitet. Wichtig ist, dass beide Flüssigkeiten sich nirgends vermischen, sondern lediglich Stoffe an den wenige Nanometer großen Löchern der Hohlfasern austauschen können. Entsprechend muss jeder Dialysator sehr genau auf seine Dichtigkeit untersucht werden, bevor er steril verpackt wird. Diese Kontrollen machen etwa die Hälfte des Produktionsprozesses aus.

Ein großer Aufwand also, aber auch ein zukunftsträchtiges Geschäft. "Rund 65 000 bis 70 000 Dialyse-Patienten gibt es in Deutschland", rechnet König vor. Und es werden wegen der älter werdenden Gesellschaft mehr. Allerdings ist weniger Deutschland, sondern der Weltmarkt das eigentliche Ziel der Radeberger, gehen 90 Prozent der Dialysatoren in den Export. Zwar liege der Anteil am Welthandel noch bei etwa fünf Prozent, was aber eine enorme Steigerung gegenüber dem Stand von 2004 bedeutet. Da habe der Anteil noch bei lediglich 0,3 Prozent gelegen, sagt König.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.07.2014

Hofmann, Uwe

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