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Seit 2013 hat Radebeul keinen Couragepreisträger mehr gekürt

Pause für angesehenen politischen Preis Seit 2013 hat Radebeul keinen Couragepreisträger mehr gekürt

Alle zwei Jahre wird der angesehene und mit 5000 Euro dotierte Couragepreis in Radebeul an osteuropäische Bürgerrechtler vergeben. Eigentlich. Denn nach Olga Karatch (2010) und Johannes Halmen (2013) gab es keine weiteren Preisträger. Deswegen steht nun der Vereins-Chef in der Kritik, Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos).

Vor dem Rathaus werdend die Couragepreisträger mit eigens angefertigten Pflastersteinen geehrt.

Quelle: Uwe Hofmann

Radebeul. Man muss schon genau hinsehen, damit man das schmale Pflasterband vor dem Eingang des Radebeuler Rathauses nicht übersieht. Wer aufmerksam ist, kann dort die Namen der internationalen Aktivisten lesen, denen ein Verein seit 2004 den Couragepreis verliehen hat. Das passiert laut Satzung alle zwei Jahre am 27. August, dem Jahrestag des Waffenstillstands von Kötzschenbroda von 1645. Der Ort soll andeuten, als wie wichtig die Stadt die Preisverleihung einordnet, zumal Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) gleichzeitig als Vereins-Chef agiert. Was die Steine aber noch verraten: Nach der Preisverleihung an die weißrussische Bürgerrechtlerin Olga Karatch ist die Vereinsarbeit ins Stocken geraten. 2013, also mit einem Jahr Verspätung, wurde der Couragepreis an den rumänischen Dekan Johannes Halmen verliehen, seither gab es keine neuen Preisträger, obwohl turnusmäßig schon 2015 eine neue Würdigung angestanden hätte. Ist Radebeul die Courage ausgegangen?

Darauf ist aus dem Rathaus ein deutliches „Nein“ zu hören. Der „radebeuler couragepreis e.V.“, 2012 seinerseits von der Landeszentrale für politische Bildung als „politischer Ort“ gewürdigt, sei nach wie vor aktiv, wie Oberbürgermeister Wendsche sagt. So habe man 2015 eine Jury gewählt, die die Preisträger in der mit 5000 Euro dotierten internationalen wie auch der regionalen Kategorie bestimmen sollte. Seine Arbeit habe das achtköpfige Gremium aber nicht aufnehmen können, weil viele Vereinsmitglieder mit der Bewältigung der Flüchtlingskrise und all ihrer Implikationen vor Ort schlicht ausgelastet gewesen seien. 2017 wolle man nach vier Jahren Pause wieder Preisträger bestimmen.

Die in der Vergangenheit festgefrorene Homepage des etwa 40-köpfigen Vereins soll dagegen bereits in den nächsten Wochen in die Gegenwart geholt werden. Derzeit kann man unter www.couragepreis.de noch nicht einmal erfahren, dass 2013 ein Couragepreis ins siebenbürgische Sighisoara (Schäßburg) an den Pfarrer Halmen ging. Schon diese Wahl war umstritten. Der vor allem für seine Jugendarbeit gewürdigte Halmen hatte sich negativ über Homosexualität geäußert. Es gehöre auch Toleranz dazu, wenn man Preise an Länder in Ost- und Südosteuropa vergebe, meint der OB dazu. Auch wenn er selbst eine entschieden andere Meinung vertrete, könne er das nicht von anderen voraussetzen.

Darum gehe es nicht, sagt Ulfrid Kleinert, einer der Kritiker, die sich über das schwindende Auftreten des Vereins in der Öffentlichkeit wundern. Er war vor Wendsche Vorsitzender des Vereins und trat aus, als der OB die Vereinsführung übernahm. „Man kann andere Meinungen selbstverständlich tolerieren, aber man muss sie doch nicht auszeichnen“, sagt er. Ein Preisträger müsse jemand sein, „der Mut aufbringt“ und für seinen Einsatz auch Widrigkeiten in Kauf nehme. Mit Olga Karatch habe man so jemanden gefunden, in Halmen nicht.

Die Debatte ist hochpolitisch. Kleinert hat im letzten OB-Wahlkampf ausdrücklich Wendsches Gegenkandidatin Eva Oehmichen unterstützt. Im Verein selbst sitzt mit Thomas Gey (SPD) ein Stadtrat als Vorstand für Osteuropa-Kontakte an entscheidender Stelle, der sogar schon vor Gericht Sträuße mit dem OB ausgefochten hat. Einer Preisvergabe 2017 muss das nicht im Wege stehen, einfacher wird es dadurch aber nicht. Nichtsdestotrotz: Eine weitere Pause kann sich der Verein kaum leisten, wenn sein Ansehen nicht ernsten Schaden nehmen soll.

Von Uwe Hofmann

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