Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Sebastian Ritschels düsterer "Maskenball" an den Landesbühnen

Sebastian Ritschels düsterer "Maskenball" an den Landesbühnen

Der Königsmord passiert hinterrücks, wenn auch nicht ganz unvorhersehbar. An den Landesbühnen Sachsen ist es mit Guiseppe Verdis (1813-1901) Oper "Ein Maskenball" sogar fast ein bisschen wie in Hitchcocks Filmen.

Voriger Artikel
Neuer Bienen-Coach Moos feiert Einstand nach Maß - Pirna gewinnt überraschend
Nächster Artikel
In Ottendorf-Okrilla sollen Wohnhäuser entstehen: Genossenschaft schließt Baulücke

Stephanie Krone gibt in Verdis "Maskenball" eine zerbrechlich-starke Amelia. Sie nutzt die Kunst der Wahrsagerin Ulrika, um mit ihrer heimlichen Liebe zum König umgehen zu können.

Quelle: Hagen König

Da schwirren die Verschwörer am Ende als grausige Totenvögel maskiert über das gesellschaftliche Tanzparkett. Unter ihnen auch Graf Ankarström, eigentlich der beste Vertraute des Schwedenkönigs Gustav. Ausgerechnet dieser Ankarström verübt denn allerdings auch den Mord am Monarchen, weil er zuvor entdeckt hat, wie seine Frau Amelia sich heimlich mit Gustav traf - und damit zumindest hinter eine der vielen Masken schauen durfte.

Verschleierung ist hier Programm

Maskerade ist alles in dieser Oper, Verkleidung und Verschleierung sind Programm. Das gilt sogar für ihre äußere Form, in der sich das Genre des italienischen Melodramas mit dem der frivolen Opéra-comique zu vereinen scheinen. Inhaltlich steht hier die romantische Tragödie der heimlich Liebenden Gustav und Amelia dem politischen Drama um den von der Adelsgesellschaft geplanten Königsmord gegenüber. In Neapel war diese Oper 1858 ein Skandal. Der auf wahren Begebenheiten beruhende Mord am Schwedenkönig Gustav III. missfiel der Zensur, die eigenmächtige Neufassung von Antonio Sommas Libretto durch das Teatro San Carlo führten bis zum Gerichtsprozess (den Verdi gewann). Die Oper konnte erst ein Jahr später in Rom uraufgeführt werden, wo man die Handlung lediglich von Schweden nach Boston verlagerte und aus Gustav den Gouverneur Richard machte.

Von solchen Skandalen kann heute freilich keine Rede mehr sein - folgerichtig inszeniert Sebastian Ritschel Verdis "Maskenball" an den Landesbühnen Sachsen jenseits aller zeitlichen Bezüge und mit einem komödienhaften Augenzwinkern. Es ist eine Welt der aalglatten Anzug- und Schlipsträger, die er im ersten Akt zeigt. Mit Mappen bewaffnet, führen sie ihren Verschwörungsfeldzug gegen den König. Ritschel setzt hier auf klare, reduzierte Bilder, vereint optische Reduktion und sinnliche Farbsymbolik. Das Parkett auf dem später der Maskenball tanzen wird, ist schon zu Beginn ein schräger, aus den Angeln gehobener, aber tiefer Raum (Bühne: Jan Hofmann).

Demgegenüber steht die Mystik der Wahrsagerin Ulrika, deren Stube eine Art Hexenküche mit rot gekleideten Damen ist, die - Hitchcock-Horror lässt grüßen - erstmal ein junges Mädchen opfern. Silke Richter lässt ihren klaren Mezzosopran in der Partie der Ulrika gekonnt zwischen Drama und Geheimnis changieren, wenn sie, ebenfalls hinter Sonnenbrille und dunkler Perücke (Ausstattung: Barbara Blaschke) versteckt, dem König schon früh sein baldiges Ende prophezeit. Das Treffen Gustavs mit Amelia findet schließlich in einem düsteren Gruselwald statt, wo ein Toter vom Himmel baumelt und viele schwarze Raben hämisch auf einem Gerüst hocken, während sich beide ihre Liebe gestehen. Und im dritten Akt werden dann sogar düstere Träume der Figuren in einer Spiegelwand projiziert.

So schön diese Bilder auch anzusehen sind, so wenig findet sich diese optische Prägnanz zur Premiere in der musikalischen Interpretation der Elbland Philharmonie Sachsen wieder. Besonders vor der Pause scheint das Zusammenspiel von Orchester und Sängern (besonders dem Chor) nicht immer ganz ausgereift. Zum einen setzt Christian Voß anfangs enorm auf große Akzente, spielt die dynamischen Spitzen der Partitur sehr weit aus, was in dem kleinen Saal im Radebeuler Stammhaus oft keine glückliche Wirkung hat. Zum anderen macht es die deutsche Übersetzung der ursprünglich ja italienischen Operntexte den Sängern schwer. Herausragend gut - auch gut verständlich - meistert dies allein Paul Gukhoe Song in der Partie des Grafen Ankarström, der mit starkem Ausdruck agiert.

Am Ende fallen alle Masken

Christian S. Malchow gelingt es dagegen nicht immer, die Partie des Königs Gustav auch mit Seele zu erfüllen. Sein Gesang gerät oft allzu plakativ und aufgesetzt. Als berührende Szene bleibt dennoch sein Duett mit Stephanie Krone (Amelia) - das Herzstück der Partitur im zweiten Akt - in Erinnerung. Stephanie Krone zeigt ihre Amelia als starke Frau, die sich nicht nur hinter ihrem Schal, sondern auch hinter ihrer zerbrechlich wirkenden Erscheinung verbirgt. Auch sie gibt ihre Maske fast nie ganz her, versucht am Ende noch den König vor dem Attentat zu warnen. Doch wie in jedem guten Thriller passiert es inmitten der tanzenden Ballgesellschaft natürlich doch - und am Ende fallen sogar die Masken der bösen Raubvögel, lösen sich Missverständnisse in Wohlgefallen auf und hinter aller Komik blitzt plötzlich keck die ihr innewohnende, schwere Tragik hervor.

nächste Aufführungen: 6. März, 19.30 Uhr, Theater Meißen; 7. März , 19.30 Uhr Stammhaus Radebeul; 20. März, 19.30 Uhr, Radebeul, 26. April, 18.00 Uhr Großenhain Schloss, 9. Mai, 19.30 Uhr Radebeul

www.landesbuehnen-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.01.2015

Nicole Czerwinka

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

25.09.2017 - 13:21 Uhr

30 bis 40 "Dynamo-Anhänger" sorgen für erneuten Eklat / Illegale Pyrotechnik sichergestellt

mehr