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"Schrecken" vom Sonnenstein muss in den Knast

"Schrecken" vom Sonnenstein muss in den Knast

Wie ein Häufchen Unglück saß Oleg W. gestern auf der Anklagebank im Dresdner Landgericht. Der kräftige und sonst eher großspurige Mann sank regelrecht in sich zusammen, als das Urteil gesprochen wurde.

Wegen Raubes, räuberischer Erpressung, vorsätzlicher Körperverletzung, Computerbetrugs, Unterschlagung und Diebstahl muss der Pirnaer vier Jahre und acht Monate ins Gefängnis.

Der 25-jährige Russlanddeutsche Oleg W. war vor elf Jahren nach Deutschland gekommen, hat schnell die Sprache gelernt, die Schule und eine Lehre absolviert und dann bei einer Baufirma gearbeitet. Wegen knapper Auftragslage wurde er im Frühjahr 2011 entlassen. Arbeitslosengeld hat er nicht beantragt. Er wollte nicht vom Staat leben, erklärte er vor Gericht. Das Geld besorgte er sich andersweitig.

Im Sommer vergangenen Jahres hat er auf dem Sonnenstein die Anwohner terrorisiert, Personen bedroht, bestohlen, geschlagen, Geld von ihnen gefordert oder mit fremden Geldkarten Bares abgehoben. Der Angeklagte war nicht wählerisch, wenn er etwas wollte - er nahm es sich einfach oder bedrohte die Leute, bis sie es ihm gaben. "Wenn man ihm begegnete, musste man erst mal die Taschen ausräumen, er nahm sich dann, was er brauchte", sagt einer der Zeugen in dem Prozess.

Und alle hielten still und gaben ihm was er wollte - selbst die Geldkarte und die dazugehörige Pin-Nummer. So rief er zwei junge Männer an, die in Dresden einkaufen waren, forderte von ihnen Geld und beorderte sie nach Pirna. Als sie erschienen, forderte er von jedem noch einmal 150 Euro Strafgeld für das "späte Erscheinen". Die beiden gaben ihm ihre Geldkarten. "Wenn ihr zur Polizei geht, passiert euren Familien was", drohte er ihnen. Sie gingen nicht zur Polizei. Oleg W. hatte einen gewissen Ruf auf dem Sonnenstein - er galt als gewalttätiger Schläger.

Laut Anklage hat er zwar Ohrfeigen verteilt und auch mal einer Frau in den Hintern getreten, aber nie jemanden richtig zusammengeschlagen. Und doch hatten alle Angst vor ihm. Soviel Angst, dass keiner Anzeige erstattete. Das tat erst die Mutter eines Opfers - so kam der Fall ins Rollen.

"Das war für uns ein sehr schwieriges Verfahren", sagte Richter Birger Magnussen. "Viele Zeugen erschienen nicht oder mussten, und das sehr häufig, vorgeführt werden und machten sehr widersprüchliche Angaben. Einige Zeugen war selbst Täter. Aber alle hatten Angst oder zumindest großen Respekt vor dem Angeklagten". Es war wirklich ein seltsamer Prozess. Keiner schaute Oleg W. direkt an, viele Zeugen wiegelten ab, machten andere Angaben als bei der Polizei und versuchten, ihn möglichst wenig zu belasten. Selbst die Opfer verharmlosten zum Teil die Taten des Angeklagten.

Oleg W. hatte die Vorwürfe zum großen Teil bestritten. "Ich weiß nicht, warum man mir so etwas vorwirft, ich habe doch den Anderen immer nur helfen wollen".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.10.2012

ml

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