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Schostakowitsch-Tage in Gohrisch beginnen mit dem Pianisten Igor Levit

Schostakowitsch-Tage in Gohrisch beginnen mit dem Pianisten Igor Levit

Der Pianist Igor Levit, Stammgast der 2010 gegründeten Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch, wird auch diesmal dabei sein, wenn man des großen Komponisten gedenken wird.

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Der Pianist Igor Levit ist bei den Schostakowitsch Tagen in der Kammermatinee und im Aufführungsabend am Sonntag zu erleben.

Quelle: Matthias Creutziger

Neben Schostakowitsch stehen Weggefährten wie Benjamin Britten und Krzysztof Meyer zentral im Programm. Igor Levit, 1987 in Gorki (heute Nischni Nowgorod) geboren und seit 1995 in Deutschland zu Hause, zählt zu den bedeutendsten Pianisten seiner Generation. Im DNN-Gespräch gestand der Künstler seine Liebe zu Schostakowitsch, Britten und Beethoven.

Frage: Sie sind als Solist in aller Welt unterwegs und gefragt. Was verbindet Sie mit Gohrisch?

Igor Levit: Wahnsinnig viel. Wo soll ich da anfangen? Selbstverständlich beim Repertoire. Es ist kein Geheimnis, dass Schostakowitsch neben Beethoven und Bach für mich die wichtigste Komponistenpersönlichkeit ist. Das hat sicherlich auch biografische Gründe. Dann gab es einen Anruf von meinem Freund Isang Enders, der mir vom Projekt Gohrisch erzählte und fragte, ob ich da mitmachen würde. Als der Name Schostakowitsch fiel , war ich schon gekauft, bevor ich ja gesagt hatte.

Es ist vor allem die Haltung all der Leute bei diesem besonderen Festi- val, das ja ein Solitär ist - die Mitwirkenden, die Verantwortlichen, das Publikum, die Art und Weise, wie man dieses Programm gestaltet. Niemand kommt aus Zufall nach Goh- risch, da steckt stets Absicht hinter. Von dieser Haltungsfrage ist das Festival geprägt. Ein zusätzlicher Aspekt für mich ist, seit ich in Gohrisch da- bei bin, habe ich in Dresden mehrere sehr freundschaftliche Beziehungen aufgebaut. Die Summe dieses Puzzles ist es.

Da Sie Schostakowitsch so betonen: Hat Ihre Liebe zu ihm mit Ihrer Herkunft zu tun?

Nein, Schostakowitsch war mir immer schon wichtig, das hat primär gar nichts mit Herkunft zu tun. Sein Werk ist eine ungeheure Bekenntnismusik, da gehört jedes Detail, jede Aussage, jede Emotion seiner Musik auf die Goldwaage gelegt, man muss behutsam umgehen damit. Auf Schostakowitsch trifft zu, was auch für Beethoven gilt - diese Musik erzwingt einen Standpunkt, man kann nicht einfach nur zuhören, das muss absichtsvoll erfolgen! Ich spiele sie, fühle sie, führe sie auf, lese sie; ich liebe einfach jeden einzelnen Ton. Ohne Beethoven und Schostako- witsch wäre es echt grau. Das gilt weiß Gott nicht nur für die Klaviermusik.

Nach Ihrem unvergesslichen Solo mit Frederic Rzewskis 36 Variationen "The People United Will Never Be Defeated" vom vorigen Jahr steht diesmal neben Schostakowitsch auch Britten für Sie auf dem Programm?

Ja, Brittens "Young Apoll", ein relativ kurzes Werk für Klavier, Streichquartett und Streichorchester, das ist ein ganz toller Wurf. Ich habe es vor ein paar Jahren schon mal aufgeführt und finde es sehr stark. Natürlich liebe ich seine Opern, wer nicht? Als Jugendlicher bekam ich mal eine Aufnahme mit Brittens Violinkonzert unter seiner Leitung geschenkt, so etwas vergisst man nicht. Jetzt hätte ich auch gern sein Klavierkonzert gespielt, aber das passt von der Besetzung her nicht nach Gohrisch. Auch darin ist er ein genialer Komponist! Ich würde mich freuen, wenn es mehr Klaviermusik von ihm gäbe.

Vor wenigen Wochen haben Sie Ihre erste CD präsentiert, mit Beethovens späten Sonaten gleich Meilensteine der Klaviermusik. Auf den Konzertpodien sind Sie längst anerkannt, warum kommt die CD erst jetzt?

Warum nicht? Das war kein taktisches Warten nach dem Motto, ich schau mal, bis ganz viele fragen und dann bring ich eine CD raus. Es war ein Warten, weil es sich so ergab. Weil ich vorher einfach noch nicht bereit war dafür. Dazu kommt, diese späten Sonaten macht man nicht ad hoc.

Andersherum gefragt, warum starten Sie ausgerechnet mit Beethovens Spätwerk?

Nochmal eine Gegenfrage: Was verbietet es? Viele gehen da erst mit 40 Jahren oder mehr ran. Ich bezweifle, dass insbesondere die Hammerklaviersonate von ihren rein psychischen Anforderungen gut zu machen ist. Dagegen ist Rzewski gar nichts. Für mich ist das ein Primärrepertoire, vor allen Dingen die späten Sonaten, aber auch Beethoven generell. Ich liebe diese Stücke, das ist gewiss kein Vorzug für sich, am Ende ist das mein Leben, meine Entscheidung, und dazu stehe ich. Das gibt es keinerlei Taktik. Wenn es diese Werke nicht gäbe, könnte ich meinen Beruf gar nicht ausüben. Mir jedenfalls so ein Glück darin nicht vorstellen.

Ist nach dem Beethoven-Erfolg schon eine neue CD geplant? Zum Beispiel mit Rzewski?

Solche Pläne hüte ich noch schön als Geheimnis. Was Rzewski betrifft, ich finde, das muss live sein, nicht im Studio, seine Musik lebt vom Erlebnis. Ich liebe ihn sehr, er ist mir so wichtig, dass ich unbedingt etwas Neues von ihm spielen möchte. Das ging ganz rasch und er hat zugesagt, ein Solo für mich zu schreiben.

iCD-Tipp: Igor Levit - The Late Beethoven Piano Sonatas, Sony Classical

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.09.2013

Michael Ernst

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