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Schnittiges aus Radeberg: Bernd Nömer produziert hochklassige Sportwagen einfach selbst

Schnittiges aus Radeberg: Bernd Nömer produziert hochklassige Sportwagen einfach selbst

Bernd Nömer mag Autos. Schnell müssen sie sein und ein klassisches, aber rassiges Aussehen haben. Sportwagen, wie sie in den 60er Jahren in den Gran Turismo (GT) genannten Rennserien unterwegs waren, am liebsten solche aus italienischer Produktion.

Radeberg.

"Mit denen konnte man ganz normal im Straßenverkehr zur Rennstrecke gelangen, dort sein Rennen fahren und abends wieder nach Hause", schwärmt Nömer, Baujahr 1957. Nur schade, dass solche Flitzer heute nicht mehr hergestellt werden, findet er. Das heißt, mit einer Ausnahme: Der Sportwagen-Enthusiast Nömer ist unter die Produzenten gegangen, hat in Radeberg seine Automarke Vspeed Automotive gegründet. Erstes Projekt: Der V77 Gran Turismo, ein schneller und flacher Zweisitzer, der dennoch alltagstauglich sein soll.

Mit ihm macht der Unternehmer so ziemlich alles anders, was ihn an der Sportwagenwelt derzeit stört. So hält Nömer das Design heutiger Autos für austauschbar und wenig ansprechend. Aufpreislisten sind für ihn ein Unwort. Außerdem fehlt ihm die Individualität im Angebot. Viele klassische Sportwagen-Produzenten gehörten heute zu großen Konzernen, Lamborghini und Bugatti etwa zum Volkswagen-Konzern, Ferrari und Maserati zu Fiat. In der Folge würden heute kaum noch exklusive Kleinserien hergestellt. "Ich möchte aber nicht dasselbe Auto fahren wie der Nachbar", sagt er. Für ihn, im früheren Leben Architekt und Bauingenieur, Grund genug, eben alles anders zu machen.

So erklärt sich die Erstkreation V77 Gran Turismo. Das Auto kostet 177 000 Euro, einen Aufpreis gibt es nicht, weil Sonderausstattung schlicht nicht angeboten wird. Hergestellt werden genau zwölf Stück, dann werde man die nächste Kleinserie in der Automanufaktur zusammenschrauben, die Nömer in einem Gebäudeteil des ehemaligen Coca-Cola-Werks eingerichtet hat. Dort beschäftigt er einen Mitarbeiter, Andreas Schubert, den er von der Technischen Universität Dresden abgeworben hat. Die Nähe zur TU war für Nömer auch ein Grund, aus Hessen nach Radeberg zu ziehen. Außerdem gibt es hier weiteres Know-how: So hat Sepp Melkus am V77 Gran Turismo mitgearbeitet und Kontakte zu Zulieferern vermittelt. Zudem findet Nömer die Unterbringung

auf dem Coca-Cola-Gelände ideal. "Es ist bewacht und kein Firmenschild weist auf uns hin", begründet er. Auch einen Showroom, in dem Hersteller üblicherweise ihre Fahrzeuge präsentieren, lehnt er ab. Echte Kaufinteressenten lotst er gerne in die Werkstatt, für alles andere fehlt ihm schlicht die Zeit. Denn egal ob Marketing, Verkaufsgespräche, das Schrauben am Auto oder die Entwicklung neuer Modelle - Nömer hat in seiner Firma genügend Aufgaben.

Dabei ist er es noch relativ vorsich- tig angegangen, wollte sich nicht übernehmen. Sein V77 Gran Turismo ba- siert auf der Corvette C6, die General Motors zwischen 2005 und 2013 bauen ließ. "Das ist ein an sich sehr gutes Auto, das wir jedoch entscheidend verbessert haben", sagt Nömer. Am auffälligsten wird das an der neuen Karosserie, die aus Kohlefaser besteht und in Zusammenarbeit mit Studio FT entwickelt wurde. Die Felgen sind eine Sonderanfertigung von ATS, die Abgasanlage stammt von M&M Exhaust, einem Zulieferer, der in Annaberg-Buchholz sitzt. Die Bremsanlage kommt vom italienischen Hersteller Brembo, die Reifen von Pirelli. Wichtig seien für Nömer die Tests im Windkanal der TU Dresden gewesen, nach denen man die Karosserie noch einmal überarbeitet habe. Jetzt sei das Auto perfekt ausbalanciert, viel schneller und leichter als die Corvette, schwärmt Nömer.

320 Stundenkilometer erreicht der Erstling von V77 Automotive, das nächste Modell, dessen Prototyp in etwa einem Jahr fertig sein wird, soll es auf etwa 360 km/h bringen. Wichtiger aber noch: Dann sollen auch das Fahrwerk und Teile des Antriebs bei V77 hergestellt sein. Mit jeder Kleinserie will sich Nömer hintasten zum Ziel: einem komplett in Radeberg ersonnenen und gebauten Sportwagen.

Vorher muss aber noch die aktuelle Kleinserie an den Mann gebracht werden. Dabei werde es keine Probleme geben, meint Nömer. Zumal er ein Modell schon verkauft hat und ein weiteres vorbestellt ist. Für die übrigen zehn werden sich rasch Käufer finden, die ähnlich gepolt sind wie er, ist er überzeugt: "Kleinserien werden immer gekauft."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.08.2014

Uwe Hofmann

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