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Schloss Wackerbarth in Radebeul bei Dresden bringt den Geheimen Rat ans Licht

Schloss Wackerbarth in Radebeul bei Dresden bringt den Geheimen Rat ans Licht

Im Allgemeinen ist ein Geheimer Rat nicht so geheim, dass auch seine Taten geheim bleiben. Man denke nur an Goethe. Doch manchmal deckt sich dieser Titel mit dem, was die Nachwelt über seinen Träger erfährt - nämlich nichts oder zumindest nicht viel.

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Ein Nachbildung der Anordnung des Gouverneurs Wackerbarth zum Straßenverkehr in Dresden vom 24. September 1723 in der Sonderausstellung auf Schloss Wackerbarth in Radebeul.

Quelle: dpa

Bei August Christoph Graf von Wackerbarth (1662-1734) trifft das mehr oder weniger zu. Als Geheimer Rat bei August dem Starken war er auch Minister, Gouverneur, Festungskommandant, Chef des kurfürstlich-sächsischen Bauwesens und Generalfeldmarschall. Doch in den Rückblicken auf sächsische Geschichte spielte er bis heute nur eine untergeordnete Rolle.

Das soll sich nun ändern. Das Sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul rückt seinen Namensgeber zum 350. Geburtstag in diesem Jahr ins Scheinwerferlicht und hebt gewissermaßen das Glas auf den großen Unbekannten. Im Neubau des Unternehmens ist seit Donnerstag eine kleine Ausstellung über jenen Mann zu sehen, der bisher nur bei Insidern im Ruf universeller Gelehrtheit steht. „Wackerbarth ist eher eine unterbelichtete Figur, die ein Schattendasein führt", bedauert PR-Chefin Ulrike Schröter. Gäste des Weingutes würden bei Wackerbarth zuerst an Wein und Sekt denken.

Dabei war der Graf nun wahrlich kein uninteressanter Mensch. Die Kunsthistorikerin Susann Krüger ist in sein Leben eingetaucht und fündig geworden. „Er muss einen unheimlich beweglichen Geist besessen haben und kannte sich auf vielen Gebieten aus", sagt die Expertin. Selbst im damaligen Dresdner Straßenverkehr sorgte Wackerbarth für Ordnung. In seinem Amt als Gouverneur war er für Feuerschutz, Handel, Post und Straßen zuständig. 1723 verbot Wackerbarth Kutschern und Reitern das „Jagen und Rennen" ausdrücklich und nicht ohne Grund - in der barocken Rush Hour waren in Dresden bereits Frauen und Kinder zu Schaden gekommen.

Das mag aus heutigem Blickwinkel auch daran gelegen haben, dass es seinerzeit weder eine Promille-Grenze noch Messgeräte dafür gab. Ihr Maßstab wäre wohl ohnehin ein anderer als der heutige gewesen. Angeblich soll August der Starke pro Tag sieben Flaschen Wein getrunken haben. Schröter macht geltend, dass der Traubensaft im Barock nicht von heute üblicher Stärke war. Auch Wackerbarth galt als Genussmensch. In den 1720er Jahren wurde im Keller seines Dresdner Stadtpalais die „Gesellschaft zur Bekämpfung der Nüchternheit" gegründet, der ab 1728 auch Preußens Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. angehörte.

Die Gesellschaft verkörperte keine Runde fröhlicher Zecher im heutigen Sinne, sondern einen Geheimbund mit festen Regeln. Hier war gute Laune verordnet. Sorgen, Raufhändel oder Eifersucht galten als unverzeihlich, alle Gespräche unterlagen der Geheimhaltung. In der Tischplatte befand sich eine Intarsie in Form einer Rose und das Wort „sub" - „sub rosa" bedeutete „unter dem Siegel der Verschwiegenheit". Noch heute darf darüber spekuliert werden, ob gerade diese Tischsitten den Frieden zwischen Sachsen und Preußen so lange stabil hielten und heute zur Nachahmung empfohlen werden könnten.

Wer die Schautafeln der Ausstellung liest, wird viele Geschichten über Wackerbarth finden. Er fädelte nicht nur die Verbindung zwischen Kurprinz Friedrich August und Kaisertochter Maria Josepha ein, sondern inszenierte auch deren opulente Hochzeit im Jahr 1719. Damals wurde noch vier Wochen lang gefeiert. Als Generalfeldmarschall koordinierte er 1730 die grandiose Heerschau „Zeithainer Lustlager" und versüßte den Herrschaften das Lagerleben mit einem sieben Meter langen Riesenstollen - eine Nachbildung des monumentalen und kalorienschweren Weihnachtsgebäck wird alle Jahre wieder gebacken.

In einem Punkt allerdings blieb Wackerbarth erfolglos: Leibliche Nachkommen bescherte ihm das Leben nicht. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass sein Alterssitz - das heutige Schloss Wackerbarth - mehr als zwanzigmal den Besitzer wechselte. 1928 übernahm es die damalige Sächsische Staatsbank. Die heutige Verwendung als Staatsweingut dürfte ganz im Sinne des Namensgebers ein. Immerhin wurde der Genießer für damalige Verhältnisse beachtliche 72 Jahre alt.

Jörg Schurig, dpa

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