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Schleckerfrauen aus Pirna drücken wieder die Schulbank

Schleckerfrauen aus Pirna drücken wieder die Schulbank

Pirna.Schlecker war für Margitta Krischke und Martina Heese fast zwei Jahrzehnte ihr Leben. Tagein und tagaus arbeiteten die beiden Frauen in der Filiale der Drogeriemarktkette am Marktplatz und zuletzt an der Dippser Straße in Pirna.

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Margitta Krischke und Martina Heese arbeiteten 17 Jahre für die Drogeriemarktkette Schlecker - zuletzt in der Filiale an der Dippoldiswalder Straße.

Quelle: Hauke Heuer

Von hauke heuer

Pirna. Schlecker war für Margitta Krischke und Martina Heese fast zwei Jahrzehnte ihr Leben. Tagein und tagaus arbeiteten die beiden Frauen in der Filiale der Drogeriemarktkette am Marktplatz und zuletzt an der Dippser Straße in Pirna. Bis heute haben die ehemaligen Betriebsratsmitglieder noch keine neue Arbeit gefunden und füh- len sich von der Politik und ihrem ehemaligen Arbeitgeber im Stich gelassen. "17 Jahre lang habe ich für Schlecker gearbeitet. Zum Schluss war ich sogar Filialleiterin", berichtet Krischke. Sie würde gerne weiter arbeiten. "Aber in meinem Alter finde ich bei einem anderen Discounter keine Anstellung mehr", ist sich die 60-Jährige sicher.

Doch nicht nur, dass sie keinen Job findet, wurmt die agile Frau. Die Schlecker-Insolvenz kostet sie bares Geld und ihren vorzeitigen Ruhestand. Mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber hatte sich Krischke auf Altersteilzeit geeinigt. Die vergangenen drei Jahre ging sie Vollzeit arbeiten und wurde nur wie eine Teilzeitkraft bezahlt, um in den kommenden drei Jahren mit einem Teilzeit-Gehalt den Vorruhestand genießen zu können. "Diese Regelung ist jetzt hinfällig", sagt Krischke. Ob sie Rechtsmittel gegen "diese Ungerechtigkeit" einlegen will, weiß sie noch nicht. "In einem Insolvenzverfahren sind derartige Vertragsbrüche zulässig", meint Krischke. Von den 1196 ehemaligen Schlecker-Verkäuferinnen, die sich im Freistaat bis Mitte Juli arbeitslos gemeldet haben, fanden bis jetzt nur 175 eine neue Stelle. Dies entspricht einem Anteil von 14,6 Prozent. Als im Frühjahr die erste Schließungswelle bei Schlecker voll im Gange war, zeigte sich Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) noch sehr optimistisch. Es werde gelingen, mehr als 80 Prozent der betroffenen Mitarbeiterinnen in Sachsen binnen eines halben Jahres wieder in eine neue Arbeit zu vermitteln, prognostizierte er damals im Landtag. Die Betroffenen brauchten neue Jobs und keine Transfergesellschaften.

Von der ersten Kündigungswelle blieben Krischke und ihre Kollegin Martina Heese noch verschont. Als allerdings Anfang Juni der Gläubigerausschuss die Zerschlagung der insolventen Drogeriemarktkette beschloss, erhielten beide mit bundesweit rund 22 000 Beschäftigten den Blauen Brief. Für die "Schleckerfrauen" wurde im Arbeitsamt extra eine Mitarbeiterin abgestellt. Statt in Lohn und Brot finden sie sich nun auf der Schulbank wieder. Am 17. September beginnt im Bildungszentrum des sächsischen Handels eine Weiterbildung, die durch die Arbeitsagentur finanziert wird. Hier bekommen die Frauen Unterricht im Umgang mit modernen EDV-Systemen, um mit den neuartigen computergestützten Kassensystemen, die es bei Schlecker nicht gab, umgehen zu können. Auch Englisch wird gelehrt.

Dass ihnen die Weiterbildung bei der Jobsuche viel bringen wird, bezweifeln Krischke und Heese. 15 bis 20 Bewerbungen haben die beiden bereits abgeschickt und bis jetzt nur Absagen erhalten. "Das Versprechen von vielen Politikern, dass wir schnell bei anderen großen Discountern Arbeit finden werden, kann nicht eingehalten werden. Die jungen Mitarbeiter bekommen sicher einen neuen Job. Wir älteren werden es da wesentlich schwerer haben", blickt Martina Heese pessimistisch in die Zukunft. Ein Umzug kommt für die 53-Jährige nicht mehr infrage: "Ich ziehe zusammen mit meinem Mann unser Enkelkind auf. Wir haben in Pirna ein Haus gebaut und sind hier seit Jahrzehnten verwurzelt."

Ihrer schwierigen Lage können die beiden Frauen dennoch etwas Positives abgewinnen. "Bei Schlecker gab es nie Weiterbildungen. Jetzt habe ich die Chance, endlich Englisch zu lernen", freut sich Krischke auf die neue Herausforderung, die auf sie zukommt.

Alleininhaber Anton Schlecker reichte am 23. Januar dieses Jahres einen Insolvenzantrag für die Firma Anton Schlecker e.K. sowie die Tochtergesellschaften Schlecker XL GmbH und Schlecker Home Shopping ein. Das Insolvenzverfahren wurde am 28. März eröffnet. Gleichzeitig schlossen rund 2200 Schlecker-Filialen. Am 1. Juni beschloss der Gläubigerausschuss die Zerschlagung der Drogeriemarktkette. Sämtliche Filialen (rund 2800) schlossen Ende Juni. Zur gleichen Zeit wurde das Aus der Schlecker XL GmbH verkündet. Der Ausverkauf in den Filialen der Tochtergesellschaft "IhrPlatz" begann am 26. Juli. Gegen Firmengründer Anton Schlecker und 13 weitere Personen läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue und Insolvenzverschleppung.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.08.2012

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