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Schäfer bekommen mehr Hilfen - Freistaat möchte künftig Landschaftspflege durch Schafherden besser honorieren

Schäfer bekommen mehr Hilfen - Freistaat möchte künftig Landschaftspflege durch Schafherden besser honorieren

Friedlich grast eine Schafherde auf der Elbaue im Pirnaer Ortsteils Pratzschwitz. Das saftige Grün lassen sich die Tiere von Schäfer Detlef Rohrmann aus Liebethal sichtlich schmecken.

Pirna.

Doch die Idylle trügt. Sachsens Schafzüchter haben mit Problemen zu kämpfen. Deshalb hat die Landesregierung nun ein Hilfspaket geschnürt, um die Schafhaltung im Freistaat zu sichern.

1990 hat sich der heute 56 Jahre alte Rohrmann selbstständig gemacht. "Ich komme aus einer alten Schäferfamilie und bin nach der Wende Schäfer geblieben", sagt er. Zwei Ställe baute er damals für seine heute 750 Tiere in Liebe- thal. Unter ihnen sind 600 Deutsche Schwarzköpfige Fleischschafe, 50 Merinofleischschafe sowie Jungtiere von beiden Rassen. 400 Hektar Weideland hatte er anfangs rund um Pirna und bis in die Sächsische Schweiz hinein gepachtet. Heute ist die Fläche auf zirka 250 Hektar geschrumpft, weil entweder die Verpächter das Land anderweitig nutzten oder Grünland für den Bau der Ortsumfahrung Bonnewitz draufging. Und der Landverlust geht weiter. Auch für den nächsten Abschnitt beim Ausbau der S177 bei Wünschendorf sowie für den Kiesabbau weichen Rohrmanns Flächen.

Ausreichend Weideland zu finden, ist ein Problem für die Schäfer. Um geeignete Flächen stehen sie im Wettbewerb mit Agrarbetrieben. Und Grünlandbewirtschaftung ist nicht so lukrativ wie Landwirtschaft. Schafzucht ist in Sachsen primär das Geschäft von Familienbetrieben, von denen es noch über 100 Haupterwerbsbetriebe gibt. War zu DDR-Zeiten die Wolle die Haupteinnahmequelle, spielt sie inzwischen bei Kilopreisen zwischen 60 Cent und einem Euro keine wirtschaftliche Rolle mehr. "Heute leben die Schäferfamilien vom Verkauf von Qualitätslammfleisch und der Landschaftspflege", berichtet Regina Walther, Sprecherin des Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes. Das Verhältnis macht etwa 50:50 aus. Bislang haben die Einnahmen zum Leben gereicht. "Es wurde noch keine Herde aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben", so Walther. Höfe sterben allerdings, weil es kaum noch junge Schäfer gibt, die einen Betrieb weiterführen wollen.

Heute grasen noch 75 000 Schafe in Sachsen. Ihre Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast halbiert. "Wir benötigen Schafe und Schäfer, nicht nur weil ich gern Lammfleisch esse", meint Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU). Rund ein Kilo Lamm verputzt ein Deutscher im Schnitt pro Jahr. Im Vergleich zu anderen Fleischsorten ist dies sehr wenig. Bei der Zukunftssicherung der Schafhaltung hat der Minister weniger die Fleischtöpfe der Nation als vielmehr den Landschafts- und Hochwasserschutz im Blick. "Schäfer leisten wichtige Arbeit für die Gesellschaft. Insbesondere für die Pflege unserer Kulturlandschaft, aber auch von Hochwasserschutzdeichen sind ihre Leistungen unverzichtbar", so Kupfer. Damit Deiche, Brachflächen und Schutzgebiete nicht verwildern, sind sachsenweit rund 23 000 Schafe im Jahr erforderlich. Gefragt ist vor allem ihr "goldener Tritt". Sie halten nicht nur das Gras kurz, sondern verdichten mit ihren Hufen auch den Boden.

Um die wirtschaftliche Lage der Schäfer zu verbessern, möchte das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium vor allem bei der Landschaftspflege als Einnahmequelle ansetzen. So sollen sie künftig auf mehr Fläche als bisher Prämien für sogenannte Agrarumweltmaßnahmen erhalten. Bei Zuschüssen für Investitionen genießen sie künftig Priorität. Die Beweidung von Deichen wird mehr auf die Bedürfnisse der Schäfer zugeschnitten und die Fläche von jetzt 536 auf 776 Hektar erweitert. Außerdem erhalten sie künftig mehr Unterstützung beim Schutz vor Wolfsangriffen. An den Kosten für die Anschaffung von Wolfsschutzzäunen wird sich das Land nicht mehr nur mit 60, sondern mit 80 Prozent beteiligen. Des Weiteren soll eine in Auftrag gegebene Studie den Schäfern weitere Einnahmequellen aufzeigen.

"Die Ankündigungen sind gut", sagt Rohrmann, der Vorsitzender des Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes ist. Werden sie so umgesetzt, "helfen sie uns auf jeden Fall", meint der Schäfer.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.07.2014

Silvio Kuhnert

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