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Sachsenwein: Suche nach der Giftquelle

Weinbauverband verurteilt laschen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln Sachsenwein: Suche nach der Giftquelle

Auf der Suche nach im Weinbau nicht zugelassenen Pflanzenschutzmitteln haben die Experten des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) nun direkt an Rebstöcken gekratzt. Die Rindenproben sollen Aufschluss über die Insektizide im Wein bringen.

Nun suchen Experten des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie direkt an den Rebstöcken, ob sie der Quelle für die Insektizide im Wein näherkommen können.
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Meißen/Dresden.  Auf der Suche nach dem Einsatz im Weinbau nicht zugelassener Pflanzenschutzmittel haben die Experten des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) nun direkt an Rebstöcken gekratzt. Untersuchungen von Rindenproben sollen neue Erkenntnisse bringen, sagte eine Sprecherin des LfULG. Mit Ergebnissen sei jedoch frühestens nach Ostern zu rechnen, hieß es. Im Fokus stünden mehrere „Traubenerzeuger, die in den vergangenen Jahren dimethoathaltige Pflanzenschutzmittel erworben hatten oder wegen anderer, außerhalb des Weinbaues festgestellter Verstöße gegen das Pflanzenschutzrecht in der Vergangenheit auffällig geworden sind“. Bisher sind belastete Weine nach Angaben des Landratsamtes Meißen in drei Kellereien aufgetaucht. Die sind zwar nicht gesundheitsschädlich, dürfen wegen Rückständen des im Wein verbotenen Nervengiftes Dimethoat jedoch nicht verkauft werden. Bei einem Privatweingut in Diesbar-Seußlitz und bei der Winzergenossenschaft haben die Behörden zwei mutmaßliche Verursacher im Visier, die belastete Trauben angeliefert haben. Die Untersuchungen dauern jedoch auch in diesen Fällen noch an. Interessant wird nun die Frage, ob im Fall des dritten Betriebs dieselben Traubenerzeuger für die Belastung verantwortlich sind oder ob der Lieferant dieser Trauben gar nicht im Zusammenhang mit den bisher bekannten Anwendern des Pflanzenschutzmittel steht. Die belasteten Weine des dritten Betriebes sind nicht in die Handel gelangt, weshalb zum Ärger aller nicht betroffenen Winzer die Behörden den Namen der Kellerei nicht nennen wollen.

Am Rande der weltgrößten Weinfachmesse ProWein in Düsseldorf, die am Dienstag zu Ende ging, verurteilte der Weinbauverband Sachsen die „Einzelfälle, in denen Traubenerzeuger gegen gesetzliche Vorschriften zum Pflanzenschutz verstoßen haben“. Man distanziere sich von solchem Verhalten. Die Verursacher müssten sanktioniert und die Vorfälle lückenlos aufgeklärt werden, forderte Verbandschef Christoph Reiner. „Die Einhaltung der Vorschriften ist eine Selbstverständlichkeit“. Die Winzer in Sachsen mit 850-jähriger Weinbautradition seien zu einem besonderen Verantwortungsbewusstsein gegenüber Verbrauchern und der Kulturlandschaft verpflichtet. Der Weinbauverband wolle seinen Mitgliedern Schulungen und Weiterbildungen anbieten, insbesondere zu naturschonendem Pflanzenschutz und nachhaltigem Weinbau, so Reiner. „Der Weinbauverband spricht sich zudem für weitere Investitionen in die Qualitätssicherung der betroffenen Weinerzeuger aus.“ Insbesondere die Genossenschaft war in den vergangenen Wochen kritisiert worden, weil trotz rund 1500 Traubenlieferanten kein Qualitätsmanager beschäftigt wird, der die Hobbywinzer beraten und deren Arbeit in den Weinbergen überwachen könnte.

Die sächsischen Grünen haben unterdessen die aus ihrer Sicht zu spärlichen Kontrollen bemängelt. Innerhalb der vergangenen 15 Jahre – von 2000 bis 2015 – habe es gerade einmal 34 Kontrollen sächsischer Weine auf Pestizidrückstände gegeben. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen an die Landesregierung hervor. „Diese geringe Kontrolldichte verträgt sich nicht mit dem Qualitäts- und Preisanspruch des sächsischen Weins. Herausragende Produkte müssen auch herausragende Produkteigenschaften nachweisen können“, erklärte Wolfram Günther, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion. Weiter erklärte er, wenn ein Traubenerzeuger das im Weinbau nicht zugelassene Insektizid in seinen Kulturen eingesetzt hat, sei dies „entweder vorsätzlich kriminell oder ein Indiz dafür, dass die für den Einsatz von Pestiziden geforderten Sachkundenachweise das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen“. Problematisch sehen die Grünen auch die Gefahr von unbeabsichtigter Abdrift dimethoathaltiger Mittel auf Rebflächen. „In unmittelbarer Nähe zu Rebflächen finden sich in Sachsen 54 Flächen, auf denen der Wirkstoff Dimethoat eingesetzt werden darf.“ In einigen landwirtschaftlichen Kulturen ist das Mittel generell, in wenigen Obstkulturen mit Ausnahmen erlaubt. Im Weinbau macht es nach Ansicht erfahrener Winzer jedoch überhaupt keinen Sinn. Zwar spricht bisher wenig für die Abdrift-These in den bisher bekannten Fällen. Allerdings können die Untersuchungsbehörden derzeit auch nicht zweifelfrei einen direkten Einsatz auf den Rebflächen nachweisen. Die gemessenen Belastungen und Untersuchungen des Insektizid-Herstellers legen dies jedoch nah, hieß es mehrfach. Der Anwender will Brombeeren neben den Rebflächen behandelt haben. Auch das wäre verboten.

Von Lars Müller

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