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Sachsens größte Bau- und Denkmalpflegefirma Fuchs+Girke ist von Berlin bis Dresden unterwegs

Sachsens größte Bau- und Denkmalpflegefirma Fuchs+Girke ist von Berlin bis Dresden unterwegs

Monarchen, Gra­zien, Rösser, Drachen - Sachsens größte Denkmalpflegefirma Fuchs und Girke beherbergt in der Regel schillernde Gäste.

Ottendorf-Okrilla.

Wenn die wieder abreisen, haben sie für gewöhnlich die berühmte Schönheitskur hinter sich.

"Hier standen bis zum Herbst noch die 200 Kilogramm schweren Grazien, die auf der Kuppelspitze des Neuen Pa­lais in Potsdam die Krone halten", sagt Ralph Günther und weist auf einen gänzlich unspektakulären Flecken des Firmenge­ländes am Ortsrand von Ottendorf-Okril­la. Der Technische Leiter des Unterneh­mens eilt weiter zu zwei bronzenen Pos­tamenten, die seit Mai letzten Jahres am Neustädter Markt in Dresden fehlen und nun in den blauen Ottendorfer Winter­himmel ragen. Vielleicht werden sie hier demnächst mit einem neuen Innenle­ben versehen, wenn der neue Dresdner Haushalt das hergibt und der Auftrag er­teilt wird.

Amboss in Aktion

Leere Flächen außen, so Günther, bedeu­ten nur, dass die Lager aus allen Nähten platzen, nicht, dass drinnen in den weitläufigen Hallen wenig passiert. Im Gegenteil. In der Schmiede spritzen die Funken durch den ganzen Raum. Machtvoll holt Klaus Zeidler aus, schlägt wieder und wieder auf den glühenden Stahl ein, hält ihn erneut ins Feuer, schlägt wieder zu. Ganz allmählich formt sich auf dem Amboss, was später als Vo­lute das hessische Schloss Schwetzingen zieren soll. Etliche der stählernen Pergo­la-Teile liegen schon in Reih und Glied auf einem großen Tisch. Nicht alle sind neu, manche ergänzen nur die Originale aus dem 17. Jahrhundert. Ein anspruchs­voller Job, der Klaus Zeidler aber nicht aus der Ruhe bringt. Der Meister, der für die Schlosserei den Hut aufhat, hat schon ganz andere Sachen geschaukelt. "Das ist immer wieder neu spannend, weil man ausprobieren muss, welches Material sich eignet, um zum Ziel zu kommen", sagt er. Fuchs und Girke lebt von Männern wie Klaus Zeidler, von zupacken­den Handwerksmeistern mit dem Sinn fürs Besondere, mit dem Willen, sehr spezielle Probleme zu lö­sen und dem Wissen, das dazu nötig ist.

Wie in einer Manufaktur

Zu denen gehört auch Malermeister Ulrich Schnei­der. Die Brille vorn auf die Nase geschoben, vergoldet er mit beneidenswerter Ruhe gut erhaltene alte und pas­send dazu angefertigte neue Buchstaben des sowjetischen Ehrenmals in Berlin Tiergar­ten. "Es gibt unendlich viele Sorten von Blattgold, doch nur wenige Hersteller bieten Qualität und Vielfalt, wie wir sie brauchen", sagt er, ehe sich das nächste hauchdünne Blatt dank seiner Fingerfertigkeit um ein "F" schmiegt.

Schmiede, Maler, Bildhauer, Tischler, Stuckateure: Wenn man durch die Werkstätten bei Fuchs und Girke streift und all die Spezialisten am Werk sieht, fällt einem immer wieder das Wort "Manu­faktur" ein. Hier entsteht fast alles in Handarbeit. Es gibt wahre Ungetüme von Maschinen, die bis zu 70 Jahren auf dem Buckel haben, aber genau die Diens­te tun, die für eine bestimm­te Biegung im Stahl oder für eine besondere Wölbung im Holz notwendig sind.

Natürlich gibt es auch ul­tramoderne Technik: Restau­rierte Fassaden und Fenster wie am Potsdamer Stadt­schloss, gewagte Decken­strukturen wie das schwe­bende Depot im Dresdner Albertinum, ein neues In­nenleben für jahrhunderteal­te stählerne Konstruktionen - all das muss schließlich auch modernsten An­forderungen an Sicherheit, Funktionali­tät und Langlebigkeit Rechnung tragen.

"Uns geht's gut, weil wir durch Quali­tät überzeugen", zeigt sich Fuchs-und-Girke-Geschäftsführer Enrico Böttcher optimistisch, was die Zukunft der Firma angeht. Natürlich gebe es jede Menge auch wirklich gute Konkurrenz. Doch: "Wir sind ein Unikum", sagt er und meint, dass es in Deutschland kaum ein zweites Denkmalpflege-Unter­nehmen gibt, das so vie­le so hochklassig arbeitende Gewerke unter einem Dach vereint. Mit seinen 150 Mitarbeitern sei Fuchs und Girke entlang einer Achse Dresden-Potsdam-Berlin gut unterwegs. Auch Hessen ist ein wichtiger Markt. Dort, in Fulda, hat die Werner-Gruppe ihren Sitz, zu der Fuchs und Girke seit 2001 gehört. Böttcher ist fast ohne Unterlass am Wirbeln, um Ausschreibungen zu sichten und mit potenziellen Auftraggebern zu verhan­deln. Sein Umsatzziel auch im neuen Jahr: "9 bis 10 Millionen Euro". Zu seinen Kunden gehören die öffentliche Hand ebenso wie Stiftungen, Kirchen und Privatkunden. Fuchs und Girke empfahl sich zuletzt wieder neu durch Arbeiten für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, bewährte sich aber auch im Barockgarten Großsedlitz, auf der Festung Königstein, im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau.

"Die mit dem Goldenen Reiter"

In Dresden löst der Firmenname dagegen fast so etwas wie einen Reflex aus: "Das sind doch die, die immer den Gol­denen Reiter vergolden." Richtig. Für den haben die Profis schließlich einen Wartungsauftrag der Stadt, wie auch für Luther und Friedrich August II am Neumarkt, für Friedrich August I am Schlossplatz, für Theodor Körner an der Bürgerwiese und für die zwei Pferde vor der Carolabrücke am Rathenauplatz.

An Renommee also fehlt es nicht. An Aufträgen, so Böttcher ohne Zahlen zu nennen, auch nicht. An Nachwuchs allerdings schon. Bei Klempnern und Stuckateuren hapere es am meisten, die Gefahr, dass traditionelle Handwerke aussterben, hält Böttcher für greifbar nah. Das ist ein Problem, denn sein Unternehmen will im neuen Jahr weiter einstellen. Zumal die Rente mit 63 ordentlich zuschlage und der Firma vorzeitig Top-Leute abziehe. "Das wird eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre", so Böttcher.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.01.2015

BarbaraBarbara Stock

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