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Sachsens Winzer ziehen gemischte Bilanz

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Das Weinlaub sieht zersaust aus, eine Frostnacht hat die Blätter welken lassen. Nebel scheint sich regelrecht in den Rebzeilen verfangen zu haben. Im Weingut Matyas in Coswig ist die Lese dieses Jahres beendet.

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Winzer Matthias Schuh prüft kritisch die geernteten Spätburgunder-Trauben. Hagelschäden sorgten für Fäulnis, die nicht in den Keller soll.

Quelle: Lars Müller

Coswig/Diesbar-Seußlitz. "Wir hatten eine wirklich gute Ernte", sagt Seniorchefin Ingeborg Probocskai erleichtert. Über alle Rebsorten gesehen seien durchschnittlich 50 Hektoliter je Hektar geerntet worden, deutlich mehr als im vergangenen Jahr. Lediglich beim Goldriesling und beim Bacchus hat Sonnenbrand auf den Trauben für durchschnittlich 20 Prozent Ertragseinbußen gesorgt. In einem schlecht durchlüfteten Areal waren die Temperaturen im Hochsommer teilweise auf 42 Grad Celsius geklettert. "Die betroffenen Beeren sind dann regelrecht verkocht", sagt die Winzerin. Matyas-Kellermeister Hendrik Weber ist froh, dass die beiden Rebsorten in der ersten September-Hälfte noch vor der einsetzenden Fäulnis gelesen werden konnten. Besonders zufrieden ist der Winzer und studierte Oenologe mit den Burgundern. Die Weißburgunder-Trauben seien perfekt gereift, und auch der Grauburgunder könne sich sehen lassen. Ein Teil vom Grauburgunder wird wieder im Holz ausgebaut, der Most gärt bereits im Barrique. Erstmals will der 28-Jährige auch eine Grauburgunder-Spätlese von sogenannten Alten Reben vergären. "Wenn alles klappt", fügt er bescheiden hinzu. Die etwa 700 Liter Wein sollen länger reifen und bis zur Füllung auf der Vollhefe liegen. Die Rebstöcke seien 33 Jahre alt, die Trauben von ihnen hätten in diesem Jahr mit einem Mostgewicht von knapp 100 Grad Oechsle das Zeug für einen besonders aromatischen und hochwertigen Liebhabertropfen.

Doch nicht alle Winzer in Sachsen können unbeschwert auf den Jahrgang 2015 blicken. Matthias Schuh vom Weingut Walter Schuh in Sörnewitz bei Coswig wird den 1. September dieses Jahres so schnell nicht vergessen. Am Vormittag hat er noch gesunde Trauben für Federweißer gelesen, am späten Nachmittag zog ein Gewitter über die beiden Rebflächen des Familienbetriebes im Meißner Spaargebirge. Kirschgroße Eiskörner prasselten auf die Trauben. Schuh war schnell klar: "Das ist der schwerste Hagelschaden in der 25-jährigen Betriebsgeschichte." Das drücke zwar schon auf die Stimmung, allerdings ist der Winzer und Weinbautechniker keiner, der über Wetterunbilden klagt. "Ich denke, wir haben das beste aus der Situation machen können", sagt der 27-Jährige als er vor wenigen Tagen den letzten Hänger voller Riesling mit dem Traktor vor die Kellerei rangierte, die Trauben aus den roten Kisten in die Presse kippte. Zwar waren die Beeren von Hagel gezeichnet, allerdings war auch Kalk auf den Schalen sichtbar. Den hat der Angestellte im elterlichen Betrieb nach dem Unwetter aufwendig gespritzt. Der Löschkalk habe sich zwar nicht als Allheilmittel erwiesen. Aber es sei ein Baustein gewesen, der offenbar schlimmere Fäulnis verhinderte und keinerlei Auswirkungen auf den späteren Wein haben wird. Sofortige Notlese nach dem Unwetter war außer beim Goldriesling gar nicht möglich, weil die Trauben einfach noch nicht reif waren für Qualitätsweine. Unterm Strich prognostiziert der Jungwinzer Ernteeinbußen von etwa 30 Prozent, da auch einer seiner beiden großen Traubenlieferanten erhebliche Hagelschäden zu verkraften hatte.

Auch im Weingut Jan Ulrich in Diesbar-Seußlitz soll noch in diesem Jahr der erste Jungwein gefüllt werden. Goldriesling, Müller-Thurgau und Schieler des Jahrgangs 2015 werde noch vor Weihnachten zu haben sein, kündigt Kellermeister Ronny Koch an. "Wir hatten eine überdurchnittliche Ernte mit gesundem Lesegut." Bei frühreifenden Sorten sei die Säure zwar sehr schnell abgefallen, die mittleren und später Sorten seien aber optimal gereift. Nachsäuern müsse er wohl auch beim 2015er Sachsenwein nicht, meint Koch, der ein Novum in Sachsen bemerkt hat: Nach seiner Kenntnis hat mindestens ein Weingut versucht, eine größere Menge Grauburgunder zu verkaufen. Das habe es bisher so nicht gegeben. Bekanntlich klagen die meisten Winzer hierzulande stets über zu wenige Trauben. Gestern wurden von einem Traubenerzeuger die letzten Spätlesen Scheurebe und Weißburgunder in der Kellerei des Weinguts Jan Ulrich angeliefert. Die Ernte 2015 ist damit auch dort Geschichte.

Im Weingut Schloss Proschwitz hingegen hängen auf knapp neun der insgesamt 90 im Ertrag stehenden Hektar noch Trauben. "Wir hoffen, die Lese in dieser Woche abschließen zu können", sagte Unternehmenssprecherin Alexandra zur Lippe. "Die Erträge sind in diesem Jahr etwas überdurchschnittlich." Einzig der Traminer war in der Blüte doch etwas verrieselt, so dass sich nicht alle Beeren in der Traube entwickelten, was die Ausbeute schmälert. Beim Hagel sei man "mit einem blauen Auge davon gekommen", so zur Lippe.

Lars Müller

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