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Rückenwind für Karl-May-Museum: Tagung zu Umgang mit menschlichen Überresten

Rückenwind für Karl-May-Museum: Tagung zu Umgang mit menschlichen Überresten

Keine einfache Lösung gibt es für den Umgang mit menschlichen Überresten in musealen Sammlungen. Das ist das Ergebnis einer Tagung mit 80 Fachleuten, die das Karl-May-Museum Radebeul ausgerichtet hat.

So forderte die Professorin Wiebke Ahrndt in ihrem Vortrag, dass von Fall zu Fall individuell entschieden und abgewogen werden müsse, ob und unter welcher konservatorischen Pflege die Exponate, ob Skalp oder Schrumpfkopf, in den Sammlungen verbleiben können. Ein möglicher Unrechtskontext bei der Entstehung und dem Erwerb der betreffenden Objekte müsse bei Rückforderungen berücksichtigt werden. Das bekräftigt letztlich das Vorgehen des Karl-May-Museums, das umstrittene Skalpe seiner Sammlung ohne eine Überprüfung ihrer Herkunft nicht einfach zur Bestattung nach indianischem Ritus freigeben will. Das hatte ein Vertreter der Ojibwa vor etwa einem Jahr gefordert, weil einer der bisher in der Villa Bärenfett ausgestellten Skalpe angeblich von einem Häuptling der Ojibwa stammt. Erwiesen ist das noch nicht. Derzeit forschen Museum und die nordamerikanischen Ureinwohner gemeinsam die Geschichte des Skalps aus.

Unabhängig vom Ergebnis hat die Frage eine ethische Dimension, der man sich stellen muss, sagte Professorin Ahrndt in ihrem Vortrag. Es handelt sich schließlich um menschliche Überreste, mit denen äußerst sensibel umgegangen werden müsse. Sollten die fraglichen Skalpe im Besitz des Museums bleiben, wirft das gleich die nächste Frage auf: Kann man die Kopfhäute je wieder ausstellen, wenn man sich einem ethischen Umgang mit ihnen verpflichtet sieht?

Um besser mit Forderungen nach der Rückgabe von Exponaten mit menschlichen Überresten umgehen zu können und vielleicht auch zu einer einheitlichen Linie zu finden, regten die versammelten Experten zudem eine bessere Vernetzung der Museen an. Vor allem völkerkundliche Sammlungen sehen sich in letzter Zeit immer häufiger mit Rückforderungsansprüchen indigener Gruppen an Sammlungsgütern menschlicher Art wie Kopf- und Schädeltrophäen konfrontiert. Das Problem betrifft aber auch Museen, die archäologische Knochenfunde oder anatomische Präparate besitzen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.03.2015

Uwe Hofmann

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