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Riboxx setzt auf den Schwarm - Radebeuler Pharmafirma will ein Krebs-Medikament mit Crowdfunding finanzieren

Riboxx setzt auf den Schwarm - Radebeuler Pharmafirma will ein Krebs-Medikament mit Crowdfunding finanzieren

Bei rund 250 000 Euro steht der Zähler derzeit. "Das ist für uns ein Super-Ergebnis", sagt Jacques Rohayem. Gleichwohl will der Chef des Radebeuler Pharmaunternehmens Riboxx mehr. Eine Million Euro möchte er in den nächsten 43 Tagen über die Schwarmfinanzierung einwerben, um klinische Studien für das Krebsmedikament Riboxxim zu finanzieren.

Radebeul.

Ein in Deutschland bisher einmaliger Schritt. "Wir sind die ersten, die ein Medikament über Crowdfunding finanzieren wollen", sagt Rohayem.

219 Menschen hatten sich bis gestern von ihm für ein Investment überzeugen lassen. Die eingezahlten Beträge variieren zwischen 250 und 10 000 Euro, der Obergrenze auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch. Die Motive der Mikroinvestoren sind vielfältig, immer wieder liest man auf dem Portal allerdings von der Hoffnung, dass das Medikament einmal Krebspatienten helfen könne. Dabei macht Rohayem keinen Hehl daraus, dass sich der Erfolg der Studie keineswegs kalkulieren lässt. Denn genau das ist ja der Sinn einer solchen Untersuchung: Nicht nur herauszufinden, ob eine Substanz nach Verabreichung im Körper wirkt, sondern auch, ob sie für den Menschen verträglich ist. Vom Totalverlust des Investments bis zu einer Rendite von 400 Prozent ist laut Riboxx-Chef alles möglich. "Ich bin aber optimistisch", sagt er.

Bei Riboxx handelt es sich um eine Ausgründung aus der TU Dresden, wo Rohayem lange Jahre als Virologe gearbeitet hat. Anfang 2010 zog er nach Radebeul, heute sind dort 15 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die erforschen und entwickeln Wirkstoffe, die gegen Krebs, Infektionen und degenerative Erkrankungen eingesetzt werden können. Mit Erfolg, wie Rohayem bekräftigt: 16 Patente gingen auf Riboxx zurück, mit fünf Pharmariesen habe man bisher gemeinsame Projekte angeschoben.

Jetzt also der Versuch mit der Schwarmfinanzierung. Die hat einen entscheidenden Vorteil: Riboxx behält länger die Kontrolle über seinen Wirkstoff, für den es sonst schon früh eine Kooperation mit einem großen Pharmaunternehmen anstreben müsste. Im Erfolgsfall ist Riboxxim durch die klinische Studie gestärkt und damit viel wertvoller als vor der langwierigen Untersuchung, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr in Zusammenarbeit mit der Uniklinik Dresden begonnen wird. Das hohe Renditeversprechen liegt in diesem Umstand begründet.

"Außerdem können wir auf diese Weise besser Einfluss darauf nehmen, dass aus Riboxxim auch wirklich ein Medikament wird", sagt Rohayem. Denn es geht zunächst nur um die ersten klinischen Studien, für die weitaus teureren nächsten Schritte müsste ein großer Pharmakonzern als Partner gefunden werden. Dem könnte man bei einem aussichtsreichen Stoff aber in die Verträge schreiben, dass die Entwicklung innerhalb eines bestimmten Zeitraums bis zur nächsten Etappe gebracht werden muss. So ließe sich die berüchtigte Schublade, in der so manche Entwicklung lande, vermeiden.

Rohayem ist nicht nur als Mediziner und Unternehmer am Erfolg der Studie gelegen. Er hat seine Mutter durch Lungenkrebs verloren. Der Krebs war eigentlich verheilt, ehe es einen Rückschlag gab. Genau diese Rückkehr von Krebserkrankungen soll das neue Medikament verhindern, indem es das Immunsystem von Patienten nach der kräftezehrenden Behandlung stärkt. Damit stößt das Medikament in ein Segment der Krebstherapie, das bisher noch nicht so gut versorgt ist, meint der Riboxx-Chef. Es könnte eine lukrative Nische sein und gleichzeitig ein Segen für all jene Patienten, "über denen jahrelang das Damoklesschwert eines Rückfalls schwebt", fasst Rohayem seine Erfahrungen zusammen.

Für Riboxx bedeutet das Crowdfunding-Projekt eine gehörige Umstellung des bisherigen Betriebsablaufs. "Wir leben im 21. Jahrhundert, dem Zeitalter der digitalen Revolution", kommentiert das Rohayem. Er will mit weitgehender Transparenz für sein Medikament werben, meldet sich regelmäßig im Investorenchat auf einem eigenen Youtube-Kanal. Auf Facebook und Twitter ist man selbstredend ebenfalls vertreten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.08.2014

Uwe Hofmann

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