Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Google+
Reinhart Franke plädierte in Weinböhla für eine andere Diskussionskultur

Reinhart Franke plädierte in Weinböhla für eine andere Diskussionskultur

Scharfer Appell, Bilanz und ein nach 25 Jahren gelüftetes Geheimnis war die Mischung, die Weinböhlas Bürgermeister Reinhart Franke (CDU) beim gestrigen Neujahrsempfang im Zentralgasthof einen langen Applaus einbrachte.

Voriger Artikel
In Ottendorf-Okrilla sollen Wohnhäuser entstehen: Genossenschaft schließt Baulücke
Nächster Artikel
350 Mitwirkende beim Umzug der Elbeschiffer in Prossen

Etwa 400 Besucher kamen zum Neujahrsempfang von Weinböhlas Bürgermeister Reinhart Franke (CDU) in den Zentralgasthof.

Quelle: Uwe Hofmann

Weinböhla. Der im Sommer altersbedingt aus dem Amt scheidende erste Nachwendebürgermeister der Gemeinde nutzte seine letzte Neujahrsansprache, um mit bemerkenswert deutlichen Worten die aktuelle Diskussionskultur in der Politik zu kritisieren.

Mängel sieht Franke zum einen auf der Seite der Bürger, denen mehr und mehr das Vokabular fehle, um einen auf das Miteinander gerichtete Lösung zu erreichen. Vor allem nahm Franke aber die politische Kaste ins Gebet. "Wir hören sehr gern nicht hin und entwickeln ein Feindbild", sagte er. Das sei zwar in gewisser Weise verständlich, schließlich sei es "schwer, Angst und Beklemmung zu beherrschen", wenn man, wie er selbst es erlebt habe, auf einer Bürgerversammlung mit Pfiffen empfangen werde. Für einen Politiker sei es jedoch wichtig, die Beweggründe hinter einem solchen ablehnenden Verhalten zu hinterfragen. "Wenn der Bürger nicht gehört wird, ballt er die Faust", warnte Franke. "Hier beginnt die Verteidigung der Demokratie."

Diese Worte waren nicht als allgemeine Bemerkung zum Handwerkszeug eines Politikers gemeint, sondern auch auf die in Dresden aufgekommenen Pegida-Demonstrationen gemünzt, auch wenn Franke sie nicht konkret beim Namen nannte. Beispiele aus seiner eigenen Familiengeschichte legen diesen Bezug jedoch nahe. So berichtete Franke von seiner Mutter, die 1914 in Haifa geboren wurde, das damals noch unter osmanischer Herrschaft stand, später zum britischen Protektorat und schließlich zu Israel kam.

Mit Sorge habe der Großvater aufkeimende Konflikte zwischen Juden und Moslems beobachtet und Wichtigkeit einer Suche nach Verständnis und Ausgleich am eigenen Leib erfahren. Dass die Gleichung Muslim gleich Extremist schlicht falsch sei, habe zuletzt Frankes Tochter erlebt. Sie hat seit einem Auslandsjahr in Haifa enge Beziehungen zu ihrer damaligen Gastfamilie. Als die ersten Raketen auf Haifa fielen, habe sich zuerst ihr aus dem Sudan stammender, streng gläubiger Kollege Mohammed bei ihr nach dem Wohl der Familie erkundigt.

Im Anschluss an diese Appell zog Franke vor etwa 400 Besuchern, zu denen auch die Amtskollegen aus Meißen, Radebeul, Coswig und Moritzburg sowie Landrat Arndt Steinbach (CDU) und als Ehrengast Bundesinnenminister Tho- mas de Maizière (CDU) zählten, so etwas wie die Bilanz seiner Amtszeit. Infrastruktur, Kitas, Schulen, Sportanlagen seien in besten Zustand, zählte der scheidende Bürgermeister auf. Dazu könne sich die Gemeinde den "Luxus" leisten, das Elbgaubad, die Bibliothek und den Zentralgasthof zu unterhalten.

Zwischenbeifall gab es für die Bemerkung, dass die Pro-Kopf-Verschuldung in der Gemeinde mit etwa 200 Euro deutlich unter dem Durchschnitt der sächsischen Gemeinden liege. Dass er das als Bürgermeister nur mit vielen Mitstreitern erreichen konnte, setzte Franke als Pointe ans Ende seiner Rede. Er danke seiner Frau Gunhild, "die über die vielen Jahre hinweg diese Reden geschrieben hat", sagte er und bekam dafür laute Lacher und einen warmherzigen Beifall.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.01.2015

Uwe Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

Die Friedensburg gehört als fester Bestandteil zu Radebeul. Soll sie zukünftig wieder als Gaststätte genutzt werden? Und falls ja, wie genau? Sagen Sie uns Ihre Meinung und stimmen Sie ab! mehr