Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Google+
Rechtsextreme Ausschreitungen in Heidenau: 31 verletzte Polizisten

Rechtsextreme Ausschreitungen in Heidenau: 31 verletzte Polizisten

Bei Ausschreitungen von rechtsextremen Demonstranten gegen Flüchtlinge und die Polizei sind in der Nacht zum Samstag in Heidenau nahe Dresden 31 Polizisten verletzt worden, einer von ihnen schwer, so die Polizei.

Die Anhänger der NPD hatten mit Gewalt versucht, ankommende Busse mit Asylbewerbern aufzuhalten.

Die Randalierer bewarfen Polizisten mit Steinen, Flaschen und Böllern. Außerdem versuchten sie, die Straße mit Bauzäunen zu blockieren. Wie ein Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) am Samstagmorgen sagte, habe das DRK zehn Verletzte versorgt, mehrheitlich Polizisten. Allerdings gab es laut DRK noch mehr Verletzte, diese wurden jedoch von anderen Rettungskräften betreut.

Laut einem Polizeisprecher blieb die Lage dann bis Samstagmorgen ruhig.

Kurz vor ein Uhr in der Nacht erreichte nach Medieninformationen ein erster Bus mit Flüchtlingen die Unterkunft, in der Nacht sollten ingesamt 250 Asylsuchende untergebracht werden.

Am Abend protestierten in Heidenau hunderte Menschen gegen die Aufnahme von Asylbewerbern. Dazu aufgerufen hatte die rechtsextreme NPD. Im Anschluss daran blockierten rund 30 Demonstranten am Freitagabend die Bundesstraße 172 vor einem früheren Baumarkt. Vereinzelt krachten Böller. Die Polizei leitete den Verkehr um. Das teilte die Polizeidirektion Dresden mit.

Am späten Abend errichteten die Rechten erneut Barrikaden aus Bauzäunen. Den Protestieren aus dem NPD-Umfeld stellten sich etwa 20 Gegendemonstranten entgegen. Ein Bus mit Flüchtlingen konnte wegen der angespannten Sicherheitslage nicht bis zum Baumarkt fahren. Die Polizei sperrte die Straßen in beide Richtungen ab, berichtetetn Zeugen vor Ort. Es kam zu Handgreiflichkeiten. Mehrere Beamte und Störer seien verletzt worden. Die Sicherheitskräfte setzten Reizgas ein. Ein Teil der Protestierer wurde von der Polizei eingekesselt, einige wurden festgenommen. Wie es von Teilnehmern der Gegendemonstrationen hieß, sei ein Auto des MDR von den Randalierern beschädigt worden. Erst gegen 0.45 Uhr konnte der erste Bus mit Flüchtlingen zu der Unterkunft gelangen.

Schon an den vorangegangenen Abenden hatte es in dem Ort Demonstrationen gegen die Unterbringung der Flüchtlinge gegeben. Nach Angaben der Landespolizei soll auf dem Gelände der Unterkunft ein Wachdienst für Ordnung und Sicherheit sorgen. Außerhalb werde das Terrain von der Polizei überwacht.

Die Polizei rechnet nach Medienberichten für Samstagabend mit weiteren Protesten der Rechten vor dem Baumarkt. Das Bündnis Dresden Nazifrei ruft zu einer Gegenkundgebung auf. "Am 23. Jahrestag des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen steht die Geschichte kurz davor, sich zu wiederholen. Damit das nicht passiert: Heute alle nach ‪Heidenau‬!", heißt es auf der Facebookseite.

Entsetzen über die Vorfälle äußerten am Samstag die Parteien. „Wir verurteilen die rechtsmotivierten Ausschreitungen am gestrigen Abend in Heidenau auf das schärfste. Attacken auch gegen Polizisten und Journalisten sind genauso wenig zu akzeptieren wie rassistische `Ausländer Raus´-Rufe. Ich danke den Polizistinnen und Polizisten für den schwierigen und gefährlichen Einsatz gestern und wünsche den verletzten Beamten gute Besserung“, erklärt Henning Homann, der am Freitagabend in Heidenau vor Ort war. „Es war erschreckend, mit welchem Hass und welcher skrupellosen Aggressivität die offenbar von Neonazis angeführte Gruppe von bis zu 1.000 Menschen in Heidenau aufgetreten ist. Die NPD, die zu der Demonstration gegen die Erstaufnahmeeinrichtung aufgerufen hatte, versucht in Heidenau, die Situation politisch zu missbrauchen und zu eskalieren. Neben einer konsequenten Strafverfolgung von rechten Gewalttätern brauchen wir nun eine klare gesellschaftliche Reaktion. Wer mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik auf Polizisten losgeht ist kein ´besorgter Bürger´, sondern ein rechter Straftäter. Da darf nichts relativiert werden“, so der Abgeordnete.

Bundesjustizminister Heiko Maas äußerte sich auf seiner Facebook-Seite. „Es war erschreckend, mit welchem Hass und welcher skrupellosen Aggressivität die offenbar von Neonazis angeführte Gruppe von bis zu 1.000 Menschen in Heidenau aufgetreten ist. Die NPD, die zu der Demonstration gegen die Erstaufnahmeeinrichtung aufgerufen hatte, versucht in Heidenau, die Situation politisch zu missbrauchen und zu eskalieren".

"Neben einer konsequenten Strafverfolgung von rechten Gewalttätern brauchen wir nun eine klare gesellschaftliche Reaktion. Wer mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik auf Polizisten losgeht ist kein ´besorgter Bürger´, sondern ein rechter Straftäter. Da darf nichts relativiert werden", fordert der Minister.

Kritik an der Polizei kommt vom Grünen-Landtagsabgeordneten Valentin Lippmann. "Es ist unbegreiflich, dass die Polizei – obwohl die Blockaden vor dem Objekt angekündigt waren – offenbar nicht mit ausreichend Beamten vor Ort war und die Lage nur schwer unter Kontrolle bekommen hat. Dass es nach den Ereignissen in Freital und Dresden erneut zu so einer solchen Situation kommen konnte, ist beschämend." Lippmann sieht den Innenminister in der Pflicht. "Wenn es der Polizeiführung offenbar zum wiederholten Male nicht

gelingt, die notwendigen Polizeikräfte bereit zu stellen, um zu verhindern, dass der braune Mob das Gewaltmonopol des Staates

diskreditieren, erwarte ich, dass der Innenminister endlich durchgreift oder die notwendigen persönlichen Konsequenzen gezogen werden."

Auch Linken-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel kritisiert die Polizei. "Es ist unverständlich dass die Polizei die Situation in Heidenau derart unterschätzt hat. Alles deutete darauf hin, dass es an diesem Freitag Abend zu einer aufgeheizten Stimmung kommen wird. Bereits am Vorabend hatten sich am zukünftigen Erstaufnahme-Interim Menschen zusammengerottet, um sich gegen die künftige Zufluchtsstätte für Asylsuchende zu artikulieren."

Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange zeigte sich entsetzt von den Vorfällen in Heidenau und fürchtet um Sachsens Image. "Während Tausende Menschen in Sachsen in den letzten Wochen mit Spenden, Hilfsdienst, Sprachkursen und vielen menschlichen Gesten den Flüchtlingen in Sachsen helfen, werden zunehmend rechtsextreme Asylgegner nicht müde, ihren Hass auf die Straße zu bringen. Hasstiraden wie jetzt wieder in Heidenau vor der Ankunft der Flüchtlinge sind abscheulich und schaden dem Ansehen von Sachsen. Ausländerfeindliche Aktionen dieser Art schrecken nicht nur Flüchtlinge ab, sondern auch Wissenschaftler und Künstler. Soweit denken aber offenbar die Hetzer und Krawallmacher nicht.

dpa/jv

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

Die Friedensburg gehört als fester Bestandteil zu Radebeul. Soll sie zukünftig wieder als Gaststätte genutzt werden? Und falls ja, wie genau? Sagen Sie uns Ihre Meinung und stimmen Sie ab! mehr