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"Raue Furt" in Diera-Zehren vor dem Aus

Gierseilfähre "Raue Furt" in Diera-Zehren vor dem Aus

Sage und schreibe 465 Jahre lang gab es in Diera-Zehren eine Fährverbindung zwischen Kleinzadel und Zehren über die Elbe. Jetzt droht der acht Kilometer hinter Meißen gelegenen Gierseilfähre "Raue Furt" das endgültige Aus.

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Das Wort "vorübergehend" ist überklebt worden.

Quelle: Katrin Richter

Diera-Zehren. Sage und schreibe 465 Jahre lang gab es in Diera-Zehren eine Fährverbindung zwischen Kleinzadel und Zehren über die Elbe. Jetzt droht der acht Kilometer hinter Meißen gelegenen Gierseilfähre "Raue Furt" vor allem mangels Geldes das endgültige Aus.

Hintergrund: Die Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) betreibt drei Fähren im Landkreis Meißen - besagte Gierseilfähre und die beiden Motorfähren, die Diesbar-Seußlitz mit Niederlommatzsch und Gauernitz mit Kötitz verbinden. Eigentümer der Gierseilfähre und der Fähre in Diera-Zehren ist die Gemeinde Diera-Zehren. Die Fähre zwischen Gauernitz und Kötitz gehört der Stadt Coswig. Das Geld für den Betrieb dieser drei Fähren stammt aus den Fahrgeldeinnahmen und Mitteln des Landkreises Meißen. Und da liegt der Hase im Pfeffer: "Die Verträge zwischen den Gemeinden und dem Landkreis laufen Ende des Jahres aus und müssen neu verhandelt werden", berichtet VGM-Geschäftsführer Rolf Baum. Bislang hat die Gemeinde Diera-Zehren für ihre beiden Fährstellen 60 000 Euro, die Stadt Coswig für ihre Fähre aber nur 20 000 Euro pro Jahr vom Landkreis bekommen. Im neuen Vertrag sollen die Gelder gerechter verteilt werden. Das bedeutet, dass Diera-Zehren weniger Mittel erhält und also einen deutlich höheren Eigenanteil zahlen müsste.

"Die Gemeinde ist am Weiterbetrieb der Gierseilfähre unbedingt interessiert", beteuert Hauptamtsleiterin Tina Freytag. Gebraucht würde sie vor allem für die Touristen. Die Fahrradwege beiderseits der Elbe seien gut ausgebaut. Alles hänge aber an der Finanzierung. "Da stecken wir noch in den Verhandlungen mit dem Landratsamt", sagt Freytag. Ende des Monats will die Gemeinde entscheiden, im Dezember dann der Landkreis Meißen.

"Ich bin für den Erhalt der Fähre", meint auch Alexander Keydel, Inhaber der Gaststätte Talhaus Golk in Diera-Zehren. Allein um seinen Sohn in den Kindergarten in Zehren bringen zu können, müsse er sonst den 20 Kilometer langen Umweg über Meißen nehmen, kritisiert er.

"Die Gierseilfähre ist nur von Ostern bis Ende Oktober im Einsatz gewesen, weil sie fast ausschließlich von Touristen genutzt wurde, seit 2013 konnte sie gar nicht mehr fahren", sagt hingegen VGM-Geschäftsführer Baum. Im vergangenen Jahr seien die Schäden beseitigt worden, die das Hochwasser 2013 hinterlassen hat. In diesem Jahr habe die Elbe nicht genug Wasser geführt. "Damit die Fähre übersetzen kann, muss der Pegel mindestens 90 Zentimeter betragen, darf aber 2,40 Meter nicht überschreiten." Dieser Wasserstand würde aber ganz schnell mal erreicht. Das letzte Mal regelmäßig zwischen Kleinzadel und Zehren gependelt sei die Fähre 2011. Damals habe sie 20 000 Personen und 2000 Autos befördert. Eigentlich sollten auf der 1999 mit Fördermitteln neugebauten Gierseilfähre vier Fahrzeuge Platz finden. "Es sind aber immer nur drei gewesen, weil sie sonst in Schieflage geraten wäre", nennt der Geschäftsführer ein weiteres Manko. Eigentlich sei die Fähre eine Fehlkonstruktion.

Das trifft auf die anderen beiden Personenfähren im Landkreis definitiv nicht zu: "Mit der Fähre von Diesbar-Seußlitz nach Niederlommatzsch fahren seit Jahren um die 50 000 Gäste pro Jahr", gibt Baum Auskunft. Diese Motorfähre namens "Stolzenfels", Baujahr 1993, sei das gesamte Jahr über in Betrieb und könne ab 60 Zentimetern bis zu fünf Metern Wasserstand fahren. Genutzt würde sie vor allem von Touristen, insbesondere von Radlern. "Das hängt auch mit den Gaststätten zusammen, die sich auf beiden Elbseiten befinden", erklärt der Geschäftsführer.

Die Coswiger Fähre, Baujahr 1969 und gleichfalls eine Personen-Motorfähre, befördert Baum zufolge gleichfalls 50 000 Fahrgäste pro Jahr. "Mit der ,Kötitz' setzen auch Schüler über, die nach Coswig ins Gymnasium wollen, und ein paar Pendler", sagt er. Ansonsten würde sie vor allem von Touristen genutzt, die in die linkselbischen Täler wollen. Auch die "Kötitz" könne bei einem Elbpegel zwischen 60 Zentimetern und fünf Metern fahren.

"Eigentlich haben wir erwartet, dass die Fähre mit der Eröffnung der Niederwarthaer Brücke Ende 2011 weniger genutzt wird", sagt Baum. Das habe sich aber nicht bestätigt. Man plane an dieser Stelle sogar eine Dampferanlegestelle, damit die Schiffe, die in Richtung Diesbar-Seußlitz und Meißen unterwegs sind, dort anhalten können.

Katrin Richter

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