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Rail.One in Coswig: Zehn Millionen Betonschwellen in 20 Jahren

Rail.One in Coswig: Zehn Millionen Betonschwellen in 20 Jahren

Der Himmel über Coswig war gestern so grau wie die Betonschwellen der Rail.One GmbH. Trotzdem kamen zum 20-jährigen Standortjubiläum der Betonspezialisten zahlreiche Festgäste in das Werk am Mühlenweg im Gewerbegebiet "Industriestraße".

Coswig.

Von Stephan Klingbeil

Kunden von der Deutschen Bahn oder den Dresdner Verkehrsbetrieben waren dort, aber auch einige Coswiger, die einen Blick in die sonst unzugänglichen Hallen von Rail.One erhaschen wollten.

Das Unternehmen ist weltweit einer der führenden Hersteller von Gleis- und Weichenschwellen. An den zwölf Standorten in Europa und Asien erzielte es Jahresumsätze von 130 Millionen Euro. Dabei ist der Standort in Coswig der größte der Firma in Deutschland. Von dort aus sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten über zehn Millionen Betonschwellen in über 20 Länder geliefert worden. Das entspricht einer Gleislänge von 6000 Kilometern. All diese Trägerteile sind mit dem typischen "C" gekennzeichnet, zeigen der Welt, dass die Betonstelen aus Coswig sind.

Rail.One hatte vor sechs Jahren die Betonschwellen-Sparte von der sich umstrukturierenden Pfleiderer Bau- und Verkehrssysteme AG übernommen. Diese hatte sich 1991 in Coswig wegen des dortigen Spannbetonmastenwerks und der guten Infrastruktur angesiedelt. Am Mühlenweg errichtete Pfleiderer ein Betonschwellenwerk, im Herbst 1992 ging die Anlage in Betrieb

Seither verlassen hier jährlich 550 000 Betonschwellen das Werk - über Gleise und per Lkw. 44 Typen gibt es bei den Weichenschwellen, die in Serie und somit über Maschinen gefertigt werden. Bei Gleisschwellen sei dies anders, sagt Ingo Mütze "Da gibt es Tausende Anfertigungen." Der Coswiger arbeitet seit 15 Jahren am Standort, ist zuständig für die Arbeitsvorbereitungen. "Die Gleisschwellen sind oft verschieden lang, je nach Wunsch der Kunden."

In der Fertigungshalle sind es die Mitarbeiter, die mit Hilfe von Geräten Betonteile hieven, diese säubern und mit Schrauben versehen. Sie mischen den Beton per Knopfdruck, der sich gleichmäßig in Formen füllt, schneiden die Stahlseile im Beton, die zuvor von Apparaten gespannt worden sind. Dieser Stahl soll den massiven Betonstäben noch mehr Halt geben. Dann trocknet der Beton auf drei extrem langen schmalen Bahnen. Aus den dortigen Formen wird der Beton nach rund 25 Stunden gestürzt wie eine Spielzeugkuchenform im Sandkasten.

Dann werden die Betonformen vor den Hallen gestapelt, Zigtausende sind im Lager der Firma aufgetürmt. Von hier aus wird in die Welt geliefert. Die Schwellen sind etwa bei der weltweit meist belasteten Güterstrecke zwischen Denver und Chicago im Einsatz. Sogar in Saudi-Arabien sind sie gefragt, In dem Königreich werden mitten in der Wüste die Betonstäbe verlegt. "Über die Schienen fährt nur der Güterverkehr", sagt Sprecherin Hedwig Blomeier.

Anders in Deutschland. Hier sollen bald auch die Reisenden zwischen Meißen und Dresden von den Betonschwellen profitieren, die Gleisen und Weichen Halt geben sowie täglich mehrmals tonnenschwere Lasten tragen müssen. Denn die Coswiger Produkte von Rail.One werden auch auf der Neubau-Trasse der S-Bahnlinie 1 verwendet. Die Deutsche Bahn baut voraussichtlich bis 2016 die S-Bahn-Trasse von Dresden-Neustadt über Radebeul, Coswig und Meißen-Triebischtal aus, und verlegt dort neue Gleise. Die Bahn ist ein guter Kunde der Coswiger Firma mit 90 Beschäftigten. Rund zwei Drittel der Aufträge kommen von dem Berliner Konzern. Baufirmen, Händler und Transportbetriebe ordern die weitere Ware für den öffentlichen Nahverkehr und für Schienennetze im Ausland.

Für die neue S-Bahn-Trasse bis Meißen wird aber fast nur klassisches Material der Coswiger Experten verwendet, sagt Produktionsleiter Holger Giebe. Das wurde so schon vor einiger Zeit bestellt.

Vermeintlich lärmminderndes Material wie die sogenannten besohlten Spannbetonschwellen seien dort nicht eingeplant. "Diese schonen den Schotter und tragen zur Schallreduzierung im Fernverkehr bei", so Hedwig Blomeier. "Rail.One hat aber zum Beispiel 50 000 Stück davon für die Bahnstrecke von Berlin nach Cottbus über Königs Wusterhausen geliefert." Die sei eine der ersten deutschen Strecken überhaupt, auf denen diese Schwellen zum Einsatz gekommen sind. Weitere sollen aber folgen, heißt es aus dem Konzern, der an europäischen Forschungsprojekten für Lärmschutzmaßnahmen beteiligt ist.

Denn auf den Schienen der Republik soll es weniger rumpeln und rattern. Auch in Sachsen, dafür setzt sich der Freistaat nun verstärkt auf Bundesebene ein. In Coswig und Weinböhla hatten viele Anwohner über die Lärmbelastung geklagt. Die Bahn will bis 2020 den Lärm von der Schiene im Vergleich zu 2000 halbieren. Um dies zu erreichen, ist auch das Know-How von Rail.One gefragt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.11.2012

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