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Rätselraten um die Entsorgung von sächsischem Giftwein

Giftweinskandal in Sachsen Rätselraten um die Entsorgung von sächsischem Giftwein

Für besorgte Verbraucher sind die neusten Nachrichten aus dem Weinskandal wenig erfreulich. Die Entsorgung der mit unerlaubten Pflanzenschutzmitteln belasteten Sachsenweine kommt offenbar nur langsam voran.

Die Entsorgung der mit unerlaubten Pflanzenschutzmitteln belasteten Sachsenweine kommt offenbar nur langsam voran. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Meißen.  Für besorgte Verbraucher sind die neusten Nachrichten aus dem Weinskandal wenig erfreulich. Die Entsorgung der mit unerlaubten Pflanzenschutzmitteln belasteten Sachsenweine kommt offenbar nur langsam voran. Eine Sprecherin des sächsischen Verbraucherschutzministeriums sagte auf Anfrage, bisher habe nach Erkenntnissen der Landesbehörde nur die Weinkellerei Jan Ulrich ihre beiden belasteten Weine in eine Kläranlage gebracht (DNN berichteten). Die Sprecherin stellte klar: „Sämtliche Weine mit unerlaubten Rückständen sind aber definitiv nicht verkehrsfähig.“ Ein Verschnitt mit anderen Weinen, um die Nachweisgrenze der Rückstände zu unterschreiten, sei ausgeschlossen. Eine Entsorgung müsse mit der zuständigen Lebensmittelüberwachung abgestimmt werden, einfach weggekippt werden dürften die Weine nicht. Eine Frist hierfür werde den Unternehmen aber nicht gesetzt.

Das Landratsamt in Meißen gibt sich zurückhaltend. Eine Sprecherin erklärte: „Der wirtschaftliche Schaden steht hinter dem Verbraucherschutz.“ Soll wohl heißen, dass die Weine nicht in den Umlauf gelangen dürfen. „Sobald der Lebensmittelunternehmer Ware als Abfall deutlich kennzeichnet, sich verbindlich für die Entsorgung entschieden hat und es keine Anhaltspunkte für die Gefahr eines erneuten Inverkehrbringens gibt, wird seitens des Lebensmittelüberwachung noch die Vorlage entsprechender Entsorgungsbelege kontrolliert.“ Bei der Entsorgung selbst könnten Behördenvertreter aus personellen Gründen aber nicht dabei sein. Was passiert, wenn der Weinbauer belastete und amtlich gesperrte Weine nicht als Abfall kennzeichnet, bleibt offen.Eine amtliche Anordnungen der Entsorgung ist zudem nicht vorgesehen. Damit bleibt für Verbraucher und sauber arbeitende Weingüter aber auch völlig unklar, ob die belasteten Weine tatsächlich aus der Welt geschafft werden. Nach Erkenntnissen des Landratsamtes hätten inzwischen mehrere Betriebe „bereits mit der Entsorgung begonnen oder Weine zur Entsorgung ausgesondert.“ Welche Menge entsorgt wurde, weiß das Landratsamt aber nicht. Lapidar hieß es, man sei rechtlich nicht zur Führung einer Mengenstatistik verpflichtet. Für Abfallrecht, unter das der belastete Wein fällt, fühlt sich die Lebensmittelüberwachung nach eigenen Angaben aber sowieso gar nicht zuständig. Die Stadt Dresden beantwortete zunächst nicht die Frage, ob der Dresdner Winzer Stefan Bönsch seinen mit Iprodion belasteten Wein schon entsorgt hat.

Unterdessen erklärte das Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie (LfULG), dass bei einem weiteren Traubenlieferanten in Rindenproben das verbotene Insektizid Dimethoat nachgewiesen worden sei. Damit dürfte feststehen, dass mindestens drei Traubenerzeuger und Weinbauern Dimethoat beziehungsweise das ebenfalls seit Jahren verbotene Fungizid Iprodion eingesetzt haben. Ein Landwirt gibt an, seine Rebfläche von einem anderen mutmaßlichen Anwender spritzen lassen zu haben. Verunreinigte Trauben wurden nach aktuellen Erkenntnissen in sechs Kellereien verarbeitet, nur die Hälfte hat das Versagen jedoch bisher zugegeben. Immerhin: Dem LfULG sind nach Angaben einer Sprecherin bislang „keine weiteren gesicherten Nachweise von lebensmittelrechtlich unzulässigen Pflanzenschutzmittelwirkstoffen aus den Beprobungen der sächsischen Weinkellereien bekannt“.

Das Landesumweltamt hält am Kontrolldruck fest: Es würden weitere Proben genommen, die die Entwicklung der Pflanzenschutzmittelrückstände in der Rinde sowie in Blättern und Trauben der Weinstöcke bei den auffällig gewordenen Traubenerzeugern überwachen. „Soweit die Analyseergebnisse dieser Proben Anlass zur Sorge geben, dass Keltertrauben des Jahrganges 2016 lebensmittelrechtlich bedenklich sein könnten, wird das LfULG mit den Lebensmitteüberwachungsbehörden die erforderlichen Maßnahmen abstimmen.“ Im Klartext: Ob die Ernte von den voriges Jahr gespritzten Rebflächen überhaupt in diesem Jahr zu Wein vergoren werden kann, ist noch völlig offen. Das dürfte insbesondere die Winzergenossenschaft Meißen interessieren, liegt doch dort die überwiegende Menge belasteter und damit nicht brauchbarer Weine.

Inzwischen wurde vom LfULG ein erster Bußgeldbescheid erlassen. Die schwerwiegenden Vorwürfe sind eine ganze Liste von Verfehlungen: Anwendung eines nicht zugelassenen Pflanzenschutzmittels in mehreren Kulturen, Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ohne gesetzlich vorgeschriebene Sachkunde und unvollständige Aufzeichnung von Anwendungen der Pflanzenschutzmittel, hieß es. „Das Bußgeld bewegt sich im vierstelligen Bereich.“ Damit soll und kann allerdings nicht der Schaden beglichen werden. Das bleibt Sache zwischen Kellerei und Traubenlieferant.

„Aktuell laufen Kontrollen bei rund 20 Traubenerzeugern aller Größenklassen“, erklärte die Sprecherin weiter. Dabei würden die Aufzeichnungen über Pflanzenschutzmittelanwendungen, die Pflanzenschutzlager, die Sachkundigkeit der Anwender und die Zulassung der Pflanzenschutzgeräte kontrolliert sowie jeweils Proben genommen. Die Kontrollen sollen bis zur Weinlese fortgesetzt werden.

Von Lars Müller

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