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Radebeuler trennen sich von Dresdner Tafel und bauen eigenen Verein auf

Armenversorgung Radebeuler trennen sich von Dresdner Tafel und bauen eigenen Verein auf

Die Radebeuler Tafelausgabe spaltete sich von der Dresdner Tafel ab. Ein eigener Verein übernimmt in den nächsten Wochen. Die Gründe dafür bleiben offen.

 Die Radebeuler Tafelausgabe trennt sich von den Dresdner Tafeln. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Radebeul.  Die Radebeuler Tafelausgabe trennt sich von den Dresdner Tafeln. Vergangene Woche haben 15 Ehrenamtliche, darunter auch je ein Kirchenvorstand der Friedenskirch- und der Lutherkirchgemeinde den Verein „Radebeuler Tafel e.V.“ gegründet. Der soll, wenn Vereinseintrag, Kontoeröffnung und weitere Formalitäten geklärt sind, den Betrieb der Tafelausgabe im Lutherhaus der Friedenskirchgemeinde übernehmen. Man habe sich den Schritt nicht einfach gemacht, sagt die frisch gewählte Vereinschefin Sabine Günther, die selbst seit Jahren bei der Dresdner Tafel mitarbeitet. Nach monatelanger Diskussion habe man sich aber nun zu diesem Schritt entschieden.

Der hat durchaus Tragweite. Denn hinter der Tafelausgabe, bei der Bedürftige vom Lebensmittelhandel aussortierte Nahrungsmittel zu stark vergünstigten Preisen bekommen, steckt eine aufwendige Logistik. Bisher konnte man auf den Kühllaster der Dresdner Tafel und das Kühlhaus am Messering zurückgreifen, musste zudem keine der Spenden selbst organisieren. Künftig müssen die Radebeuler selbst spendenwillige Händler aufsuchen, Lebensmittel abtransportieren und bis zur Ausgabe lagern. Aufwand und Kosten, die man sich bei der Gründung der Tafel 2009 mit der Angliederung an das Dresdner Angebot bewusst gespart hat. Im großen Verband ließe sich alles viel einfacher organisieren, hieß es damals.

Warum nun der Stimmungswandel? Dazu möchte man nichts sagen, antwortet Günther. „Wir wollen über andere Tafelvereine nicht negatives verbreiten“, begründet sie. Die Dresdner Tafel ist wegen eines Machtkampfes im vergangenen Sommer in die Schlagzeilen gekommen, bei dem die Gründerin Edith Franke durch einen neuen Vorstand um den früheren Globalfoundries-Manager Andreas Schönherr ersetzt wurde. Neben einer umstrittenen Personalpolitik wurde Franke damals die schlechte wirtschaftliche Lage des Vereins vorgeworfen. Die Abspaltung der Radebeuler scheint aber eher mit den Maßnahmen des neuen Vorstandes zu tun zu haben, wie zwischen den Zeilen zu verstehen ist. So will man laut Vereinschefin Günther eine Änderung bei der Preispolitik zurücknehmen, sobald man sein eigener Herr ist. Lebensmittel sollen künftig wieder nach Entrichtung einer Pauschale ausgegeben werden und keine Einzelpreise erhalten.

Günther ist nicht das einzige Gesicht des Radebeuler Tafelvereins. Christian Schmidt, der neben Schatzmeisterin Rosemarie Veith als Stellvertreter den Vorstand komplettiert, dürfte vielen Radebeulern bekannt sein. Er war lange Jahre Intendant der Landesbühnen Sachsen, ehe er wegen deren Privatisierung 2012 aus dem Amt schied und nun seit etwa eineinhalb Jahren bei der Tafel eine neue Aufgabe gefunden hat. Dort hat er zuerst das Tafelcafé koordiniert, das jeden Mittwoch vor und während der Ausgabe (12-14 Uhr) geöffnet hat. Er will nun das Versorgungsnetz aufbauen und in den Anfangstagen die beiden Rewe-Märkte in Radebeul-Ost und das Kaufland täglich anfahren, um Spenden abzuholen. Lagermöglichkeiten hat die Friedenskirche eingeräumt. Einen Kühlschrank hat ein Tafelmitglied angeschafft und stellt ihn vorerst zur Verfügung.

Das ist der Beginn. Jetzt sucht der Verein Märkte, die Lebensmittel spenden. Auch das leihweise Überlassen eines Autos will Schmidt erreichen. Ebenso gehe es darum, neue Ehrenamtliche zu finden und das Angebot bekannter zu machen. Derzeit nutzen etwa 50 Radebeuler das Angebot. „Wir gehen davon aus, dass es etwa 3000 Bedürftige in Radebeul gibt“, sagt Günther.

E-Mail an Radebeulertafel@gmx.de

Von Uwe Hofmann

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