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Radebeuler Weinbergsmauern bleiben Dauerbaustelle der Kommune

Viel geschafft Radebeuler Weinbergsmauern bleiben Dauerbaustelle der Kommune

Immer wieder stoßen Wanderer auf Unwetterschäden und Mauereinbrüche an Radebeuls Weinhängen. „Die Situation der Weinbergsmauern kann man noch nicht als sehr gut bezeichnen, aber wir sind auf einem guten Weg“, erklärt Heike Funke, Leiterin des Sachgebiets für Stadtgrün in Radebeul.

Durch die Topographie und Lage gestaltet sich die Sanierung von Weinbergsmauern und Stützmauern schwierig. Das Material wird mitunter per Seilbahn herangeschafft.

Quelle: Jürgen Matthes

Radebeul. Immer wieder stoßen Wanderer auf Unwetterschäden und Mauereinbrüche an Radebeuls Weinhängen. „Die Situation der Weinbergsmauern kann man noch nicht als sehr gut bezeichnen, aber wir sind auf einem guten Weg“, erklärt Heike Funke, Leiterin des Sachgebiets für Stadtgrün in Radebeul. „Ich staune immer wieder, wie viel schon geschafft wurde.“ Die Stadt Radebeul nennt zehn Weinberge ihr Eigen – vom Paulsberg mit 45 730 Quadratmetern Anbaufläche bis zu kleinen Parzellen mit weniger als 1200 Quadratmetern wie „Am Spitzhaus“ oder „An der Weberstraße“. Insgesamt besitzt die Kommune mehr als 130 000 Quadratmeter Weinanbaufläche.

Die Stadt ist in diesem Zusammenhang auch für den Erhalt von fast 8200 Quadratmetern Trockenmauern zuständig. Bei durchschnittlich kalkulierten Baukosten von 450 Euro pro Quadratmeter ein kostspieliges Unterfangen. Planungskosten oder aufwendige Transporte der Baumaterialien, beispielsweise über Seilbahnen, sind darin noch nicht einmal enthalten.

Die Sanierung des Weinbergs Friedensburg von 2007 bis 2008 kostete allein 1 200 000 Euro, mit 2091 Quadratmetern muss die Stadt dort die größte Mauerfläche instandhalten. In den 2000er Jahren nahm Radebeul einige Großprojekte in Angriff: 2003 den Terrassenweinberg für 100 000 Euro sowie in den Jahren 2004 und 2000 den Weinberg am Eggersweg für 190 000 beziehungsweise 100 000 Euro.

Seit dem Jahr 2010 überwiegen kleinere Projekte mit Kosten zwischen 15 000 bis 46 000 Euro. Hier werden vor allem Hochwasser- und Unwetterschäden beseitigt. Für die 15 Projekte seit 2000 gab Radebeul fast 1,95 Millionen Euro aus – 640 000 Euro davon aus Mitteln der Stadt.

Funke erklärt, dass dabei die Pachteinnahmen die Baukosten nicht aufwiegen würden – augenscheinlich ein Verlustgeschäft für die Stadt. Doch Funke betont: „Es gibt verschiedene Gründe, welche die Investitionen rechtfertigen. Schon von weitem können Besucher und Touristen die Landschaft der Weinberge bestaunen. Das macht das Ambiente und die Kultur unserer Stadt aus.“ Für die Radebeuler und die Tourismuswirtschaft sei die Stadt ohne Weinberge, Weinwanderwege und Besenwirtschaften undenkbar.

„Die Bedeutung von Trockenmauern für das Landschaftsbild erschließt sich aus ihrer Schönheit für die Landschaft und ihrer Geschichtsträchtigkeit sowie aus der Bedeutung für die Kulturlandschaft“, erklärt der Pressesprecher des Sächsischen Umweltministeriums, Frank Meyer. Allein in der vergangenen Förderperiode gab der Freistaat in ganz Sachsen 7,1 Millionen Euro für die Sanierung von Weinbergtrockenmauern aus.

Für 2014 bis 2020 stehen noch einmal sechs Millionen Euro zur Verfügung. Meyer erklärt: „Begünstigte können juristische Personen des privaten und öffentlichen Rechts sowie natürliche Personen sein.“ Dabei stünden Vorsteuerabzugsberechtigten 413 Euro pro Quadratmeter zur Verfügung, alle andere erhielten 492 Euro.

Seit 2014 wurden sachsenweit 31 Anträge mit 2,465 Millionen Euro bewilligt. Die Finanzierung setzt sich aus 75 Prozent EU-Mitteln und 25 Prozent Landesmitteln zusammen.

Darüber hinaus sind die Trockenmauern nicht nur wichtig für die Absicherung der Hänge und den Erosionsschutz, sondern auch nicht zu unterschätzende Naturräume. „Die Mauern speichern die Sonnenwärme bis in den Abend hinein“, beschreibt Funke den Lebensraum Weinbergsmauer. „Dies ermöglicht eine einzigartige Artenvielfalt, die in der regulären Landwirtschaft nicht zu finden ist.“

Das Umweltministerium betont, dass Trockenmauern wichtige Ersatzlebensräume für Flora und Fauna seien, die sonst in Felswände oder auf lockeren Gesteinsflächen leben. Für Reptilien bieten sie Plätze zum Sonnen und Verstecken. Aber auch Wildbienen, Ameisen und verschiedene Wespenarten finden in den Fugen Nistmöglichkeiten. Vögel nutzen die Mauerspalten als Bruthabitat und Nahrungsquelle.

Für 2016 und 2017 nimmt die Stadt noch drei Projekte am Eggersweg in Angriff, damit Radebeuls Weinwanderer weiterhin sicher unterwegs sind. Das nächste Großprojekt ist der Paulsberg ober- sowie unterhalb des Talkenweges: 485 Quadratmeter mit Mauereinbrüchen und Schadstellen warten hier auf die Sanierung für insgesamt 218 250 Euro – wobei danach weitere Arbeiten erforderlich sind.

Andernorts stehen noch vier kleinere Projekte an. Die Radebeuler Weinbergsmauern werden die Stadtverwaltung also weiterhin beschäftigen.

Von Paul Felix Michaelis

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