Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Radebeuler Teehaus GmbH produziert mehr als fünf Millionen Teebeutel pro Tag

Radebeuler Teehaus GmbH produziert mehr als fünf Millionen Teebeutel pro Tag

Die Maschinen schuften, es duftet nach süßen Früchten. Stapelweise rauschen die rot-orangen Teekartons über die Fließbänder der Radebeuler Teehaus GmbH.

Radebeul.

Von Stephan Klingbeil

Radebeul . Die Maschinen schuften, es duftet nach süßen Früchten. Stapelweise rauschen die rot-orangen Teekartons über die Fließbänder der Radebeuler Teehaus GmbH. Gestern wurde die erste Linie der neuen Sorte Erdbeer-Orange gestartet. Die Teemischungen gelangen über dicke Rohre in die treuen Verpackungsmaschinen. Auf sie sei stets Verlass. Selbst wenn es mal hakt, im Schnitt werden hier trotzdem 150 kleine Zwei-Kammer-Beutel pro Minute gefüllt. An den moderneren Maschinen sogar 400. Über eine Schleuse können dann die Aromen zugegeben werden. Allein am Vortag wurden mehr als 5,6 Millionen Teebeutel fertig gestellt. Gestern wurde dort schließlich der 25 milliardste Zwei-Kammer-Beutel mit Tee gefüllt. Erfunden hat ihn der Dresdner Ingenieur Adolf Rambold, der bei der Teekanne GmbH arbeitete.

Das mittlerweile in Düsseldorf angesiedelte Familienunternehmen hatte 1929 seine ersten Aufgussbeutel aus einem speziellen, geschmacksneutralen Pergamentpapier auf den Markt gebracht - 25 Jahre zuvor hat der US-amerikanische Teehändler Thomas Sullivan bereits den einfachen Teebeutel erfunden. 1949 kam die von Rambold entwickelte "Constanta" auf den Markt. Verpackungsmaschinen dieser Marke rattern noch heute im Radebeuler Werk der Teehaus GmbH, die seit 1991 wieder Teil der Teekanne-Gruppe ist.

Seither hat sich einiges getan in dem Betrieb an der Meißner Straße. Derzeit arbeiten dort 117 Menschen. Sie leben in Dresden, Radebeul und Coswig, sorgen an fünf Tagen pro Woche rund um die Uhr dafür, dass Earl-Grey-, Rotbusch-Vanille- oder Pfefferminztee in die kleinen Tüten kommen. Die Welt liebt Teebeutel. Werkleiter Joachim Teehaus-Werkleiter Joachim Schacht sagt, 70 Prozent der weltweiten Produktion werde in Beutel eingetütet.

Diese werden aus Abacá gefertigt. Das Gewächs - auch Manilahanf genannt - wächst auf den Philippinen und in Malaysia. Aus Asien, speziell aus China, Indien und von Sri Lanka wird zudem der Tee importiert. Konzern-Geschäftsführer Reinhold Schlensok sagt, Teekanne prüfe die Ware vor Ort: "Unsere Agraringenieure kontrollieren die Qualität direkt auf den Plantagen." Regelmäßig würden außerdem die vertraglich vereinbarten Standards für die Arbeitskräfte auf den Plantagen der Geschäftspartner kontrolliert - unangemeldet. Dort allerdings, wo es nie Probleme gebe, werde seltener die Einhaltung der Standards untersucht, also eher im Zwei-Jahres-Rhythmus.

Die Qualität sei das Wichtigste. "Wir bringen den Tee schließlich in die Beutel", sagt Schlensok. Pestizide oder andere Chemikalien gehörten dort nicht rein. Die Teeproben würde daher vor der Verarbeitung im Labor analysiert. Im Düsseldorfer Hauptwerk würde die Ware gereinigt und geschnitten, danach säckeweise in Standorte wie Radebeul gekarrt. In Radebeul werden 14 Sorten verkauft. Seit zehn Jahren bekommt man sie montags und mittwochs auch im Werksverkauf - noch ein Jubiläum.

Klassisch, fruchtig und mit Kräutern - seit Jahren gibt es das in verschiedenen Varianten. In Deutschland komme momentan die Sorte "Türkischer Apfel" am besten an. Schlensok erklärt, dass die neueren Produkte des Konzerns etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes ausmachen. 2009 seien dies rund 450 Millionen Euro in den acht Standorten des Unternehmens in Europa und im Werk in den USA gewesen. "Seither entwickeln sich die Zahlen positiv", erklärt Schlensok. Mehr fügt er nicht hinzu. Radebeul als zweitgrößter Standort habe siebenstellige Umsätze.

Zu den Umsatzzahlen will auch Schacht nur wenig sagen. Ebenso wenig verrät er, wie teuer die aufwendige Renovierung und Restaurierung der Fabrikantenvilla von Otto E. Weber geworden ist. Der Unternehmer ließ in Radebeul Kaffeegewürze und Würfeltee herstellen und sich 1889 von der ortsansässigen Firma Friedrich Eisold nach Plänen des Architekten Carl Käfer neben seiner Fabrik eine Villa errichten.

Das Haus dient seit Jahren als Sitz der Teehaus-Verwaltung, im Erdgeschoss findet der Werksverkauf statt. Für eine laut Schacht "höhere sechsstellige" Summe bekam der Denkmalbau eine Schönheitskur verpasst. Vom Frühjahr 2011 an bis diesen März wurden die 40 Wandbilder von Anja Toma-schewski und ihrem Team restauriert. Vor allem aber wurden viele Holzmalereien an der Fassade unter dem Dach rekonstruiert, weil die Motive mit Ornamenten nicht mehr zu retten waren. Unter Leitung des Dresdner Architekt Guntram Rother wurde schließlich die Fassade erneuert.

■ 1881 wurde die Firma Otto E. Weber in Radebeul gegründet. Auf dem Areal sitzt die Teehaus GmbH heute noch. Neben Carlsbader Kaffeegewürz wird auch Chinesischer Tee in Würfelform vertrieben.

■ Die spätere Teekanne GmbH, aus der die Teehaus GmbH vorging, war 1882 zunächst in Dresden unter dem Namen R. Seelig & Hille gegründet worden.

■ Nach der Enteignung von Teekanne 1946 wurde die Firma von der Inhaberfamilie in Neuss und Düsseldorf weitergeführt. Das enteignete Stammhaus wurde umgesiedelt nach Radebeul, auf das Otto-Weber-Gelände.

■ 1952 wurde die Otto E. Weber GmbH mit der benachbarten Tee-Fabrik zum VEB Kaffee-Weber-Teekanne vereinigt.

■ Der später in VEB Kaffee und Tee Radebeul umbenannte Betrieb belieferte ab 1954 mit der geschützten Marke Teehaus die DDR und die Niederlande.

■ Seit dem 1. Juni 1991 gehört Teehaus zur Düsseldorfer Teekanne-Gruppe, die so wieder zu den Wurzeln zurückkehrte. Skl

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.10.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr