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Radebeuler Karl-May-Museum will Skalpe erforschen, Rückgabe an Indianer deutet sich an

Radebeuler Karl-May-Museum will Skalpe erforschen, Rückgabe an Indianer deutet sich an

Der Titel der Debatte war mit "Indian Spirit" etwas blumig gewählt, inhaltlich ging es beim Showdown am Hohen Stein zur Sache. Schließlich stand bei diesem heimlichen Höhepunkt der Karl-May-Festtage eine Frage auf dem Programm, die im Vorfeld für Schlagzeilen gesorgt hate: Die Rückgabe von Skalpen aus dem Karl-May-Museum an die indianischen Ureinwohner Nordamerikas.

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Der Rückführungsbeauftragte der Chippewa-Indianer Cecil Pavlat fand im Dialog mit Claudia Kaulfuß und Robin Leipold vom Karl-May-Museum (v.l.) versöhnliche Worte, beharrte aber auf der Rückgabe der Skalpe.

Quelle: Uwe Hofmann

Am Hohen Stein trafen Museums-Chefin Claudia Kaulfuß und Cecil Pavlat aufeinander, der als Rückführungsbeauftragter der Chippewa-Indianer im Winter in einem Schreiben ultimativ die Rückgabe von Skalpen gefordert hatte, die bis dahin als Teil der Ausstellung zu sehen waren, inzwischen aber ins Depot gewandert sind. Eine schnelle Lösung der Frage deutet sich zwar nicht an, beide Parteien haben aber gehörig die Friedenspfeife geraucht. "Ich weiß, dass der Brief aggressiv geklungen haben mag, aber es war für uns wichtig, unseren Standpunkt klar zu machen", schlug Pavlat einen freundlicheren Ton an. Er habe ein gutes Gefühl, dass das Problem gelöst werden könne. Wie das genau aussehen soll, ließen Kaulfuß und er offen, nur soviel sagte die Museums-Chefin: "Wir haben den Dialog begonnen und wollen bei der Erforschung der Herkunft der Skalpe kooperieren." Auch sei man in Verhandlungen über ein Datum, wann diese Forschungsarbeit abgeschlossen sein soll.

Diese Erforschung sei zwingend notwendig, weil man nichts über die Herkunft der Skalpe wisse, meinte der wissenschaftliche Leiter des Museums Robin Leipold. "Patty Frank war Karl May sehr ähnlich. Er hat vieles zur Herkunft seiner Sammlung gesagt, von dem wir nicht wissen, ob es stimmt." Ein Großteil der Museums-Exponate geht auf Frank zurück. Er behauptete, die Skalpe von einem Nachfahren eines Sioux-Häuptlings namens Swift Hawk im Tausch gegen 100 Dollar und drei Flaschen Schnaps erhalten zu haben. Bis heute sei weder ein solcher Häuptling bekannt, noch, ob Frank zur fraglichen Zeit überhaupt in den USA war.

Ob die Kopfhäute nach Leipolds Forschungsarbeit wie von Pavlat gefordert an die Indianer gegeben werden, damit sie "in den Bauch der Mutter Erde" gegeben werden können, wie er sagt, ließ Kaulfuß offen. Es deutet einiges darauf hin. So erntete Ray Halbritter, Oberhäuptling der Oneida-Indianer, viel Applaus für seine Worte: "Es ist nicht die Frage, woher die Skalpe herkommen, sondern wie man sie respektvoll behandelt." So oder so seien die Exponate auf gewalttätige Weise ins Museum gekommen. Man stelle sich vor, ein Angehöriger werde Opfer eines Verbrechens und anschließend würden seine Überreste in einem Museum ausgestellt. "Dieser Fall ist nicht viel anders, nur dass es anderen Menschen und vor einer langen Zeit passiert ist", sagte Halbritter. "Es gibt einen Weg, menschliche Überreste auf die richtige Weise zu behandeln."

Gegen solch einen Appell an Ethik und moralische Vernunft blieben den Vertretern des Karl-May-Museums wenig Argumente. Man habe begonnen, den Umgang mit solchen Exponaten zu hinterfragen, sagt Leipold. "In den ethnologischen Museen hat dieser Prozess erst begonnen. Ein Stück weit leisten wir hier Pionierarbeit." Ein Einwand, den der in Berlin lebende US-amerikanische Journalist Mark Worth nicht gelten lassen will. Er hat die Diskussion angestoßen, indem er indianische Stämme, die US-Botschaft und das deutsche Außenministerium von den Skalpen in den Ausstellungsräumen informierte. "Ich dachte damals, es dauert nur ein paar Wochen, bis man sich verständigt hat - das war vor vier Jahren!", kritisierte er. Anderswo habe man in ähnlichen Fällen schon reagiert. So habe ein Freiburger Museum menschliche Schädel nach Namibia zurückgegeben. In den USA gibt es ohnehin seit 1990 ein Gesetz, dass derlei Trophäen an die Ureinwohner Amerikas zurückzuführen sind. Ein Recht, dass sich diese dort seit den 1970er Jahren erstritten haben.

Uwe Hofmann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.06.2014

Uwe Hofmann

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