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Radebeuler Elblandklinik setzt patientenspezifische Kniegelenke ein und lädt erstmals zur Fortbildung

Radebeuler Elblandklinik setzt patientenspezifische Kniegelenke ein und lädt erstmals zur Fortbildung

Axel Ripp wirft einen Blick auf das frisch gemachte Röntgenbild, um das Operationsergebnis zu kontrollieren. "Alles gut", urteilt der Chefarzt der Radebeuler Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie knapp.

Radebeul.

"Die Prothese liegt wie geplant regelrecht ein, keine Besonderheiten", fügt er gelassen an. Dabei hat der Chirurg kurz zuvor noch richtig geschwitzt, um einem älteren Herren in einer einstündigen Operation das arthritische Kniegelenk durch ein künstliches zu ersetzen. Nach einer Methode, wie sie im Radebeuler Elblandklinikum seit sechs Jahren in mehr als 500 Operationen angewandt wurde, die in Dresden zum Beispiel aber noch nicht üblich ist. Dabei wird das Kniegelenk des Patienten im Vorfeld durch einen Computertomographen vermessen. Die Ergebnisse werden nach Boston in die USA geschickt, wo eine Firma für jedes Knie eine individuelle Prothese herstellt.

Nach etwa sechs Wochen erhält sie Ripp in einem schuhkartongroßen Paket. Darin befinden sich lauter weiße Kunststoffblöcke und das neue Gelenk aus Instrumentenstahl. Im OP-Saal haben sie auf einem kleinen Tisch Platz. Jedes der Kunststoffteile hat dabei seine Funktion, wie Ripp während der Operation demonstriert. 18 Kollegen aus dem Umland, Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt beobachten auf Monitoren jeden seiner Handgriffe, die Ripp immer wieder kommentiert. Später werden sie an Kniepräparaten wiederholen, was sie am lebenden Beispiel nachverfolgt haben. "Das soll ein Einstieg in die Methode sein, wir sind von ihr überzeugt und wollen, dass sie sich verbreitet", begründet Ripp, warum er erstmals zu einer solchen Fortbildung geladen hat.

Das hat viel mit einer Statistik zu tun. Ein Fünftel aller Patienten, sagt Ripp, sei nach einer Kniegelenks-OP unzufrieden. Weil die Prothese zum Beispiel übersteht, die Spannung der Bänder am Gelenk nicht stimmt oder es sonst irgendwo drückt oder reibt. Für die Patienten bedeutet das in den meisten Fällen Schmerzen oder Probleme beim Bewegen des Beins.

Bei den patientenspezifischen Implantaten treten diese Probleme so gut wie nicht auf, sagt Ripp. Zudem müssen im Vergleich mit der herkömmlichen Kniegelenksendoprothese bei patientenspezifischen Prothesen bis zu 30 Prozent weniger Knochen am Oberschenkel entfernt werden. Das bedeutet aber auch, dass diese Methode für Patienten mit großen Knochendefekten nicht geeignet ist.

Auch wenn die Eingriffe geringer ausfallen, handelt es sich um eine schwere Operation. Zuerst müssen dabei das Kniegelenk freigelegt und die Bänder gesichert werden. Sie dürfen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, weil sie später das Gelenk zusammenhalten müssen. Ist das Gelenk freigelegt, kommen die weißen Kunststoffteile ins Spiel. Ripp platziert sie an verschiedenen Stellen auf Oberschenkel und Schienbein, wo sie als Schablonen dienen. Denn mit jedem Operationsset kommt auch eine OP-Planung, wo wie viel Knochen abgetragen werden muss, damit das Implantat später perfekt sitzt. Hier sieben Millimeter, da zwei, immer wieder setzt der Chirurg neue Schablonen und bringt die Knochensäge zum Einsatz. Eine schwere Arbeit, bei der jede Abweichung um Millimeter Auswirkungen auf den Operationserfolg haben kann. Immer wieder prüft Ripp nach, auch nachdem er fertig ist, setzt er erst weiße Probeprothesen für das künstliche Gelenk ein, um die Beweglichkeit des Beines und die Bandspannung zu überprüfen. Dann wird noch einmal alles gereinigt und getrocknet. Jetzt können die Gelenkteile aus Stahl eingebaut werden. Sie werden mit Knochenzement fixiert. "Hier rührt der Chef noch selbst", flaxt Ripp, als er an der Kurbel einer handbetriebenen Rührapparatur dreht, um die Zementmischung herzustellen. Das schwierigste ist jetzt geschafft.

Das gilt auch für den Patienten, der in der Regel nach fünf bis sieben Tagen nach Hause darf. Dort können sich die Träger des individuell angepassten Implantats nach einiger Zeit schmerzfrei bewegen - für viele das erste Mal seit Jahren. "Viele haben ja eine Odyssee hinter sich, wenn sie zu uns kommen", sagt Chefarzt Ripp. Zehn bis 15 Jahre hält das Implantat, dann ist es meist verschlissen und muss teilweise oder vollkommen ersetzt werden.

Bei einer erneuten Operation wäre dann die Voraussetzung für die Platzierung einer Prothese günstiger, weil noch viel von der Knochensubstanz erhalten ist. "Menschen wollen auch im hohen Alter noch beweglich sein - das passt einfach in unsere Zeit", sagt Ripp.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.09.2014

Uwe Hofmann

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