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Radebeul verpasst Stadtwald Verjüngungskur

Radebeul verpasst Stadtwald Verjüngungskur

Gartenstadt, Weinbauzentrum, Karl-May-Heimat - Radebeul hat viele Attribute, mit denen es sich gelegentlich schmückt. Waldstadt gehört bisher noch nicht dazu. Dabei hat die Stadt mit rund 54 Hektar eine doch beachtliche Waldfläche in Besitz, die bisher jedoch kaum eine Rolle gespielt hat.

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Rund 54 Hektar Wald besitzt Radebeul. Er ist allerdings über das gesamte Stadtgebiet verteilt.

Quelle: Martin Förster

"Der Stadtwald ist seit 1945 nicht vernünftig entwickelt worden", sagt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos).

Mit dem Schattendasein soll jetzt Schluss sein. Den Auftakt für einen geregelten Umgang mit den kommunalen Waldflächen gibt ein Betriebsgutachten, das das Rathaus beim Staatsbetrieb Sachsenforst in Auftrag gegeben hat. Die Gutachter kommen zu einem wenig erbaulichen Ergebnis: Der städtische Wald ist überaltert. Zwei Drittel des Bestandes seien 80 Jahre und älter, mit rund 1,4 Hektar stamme nur ein Bruchteil aus den letzten 40 Jahren, wie OB Wendsche sagt. Der größte Teil der Bäume wurde im Zuge der Reblauskatastrophe gepflanzt, als die Rebflächen an den Hängen Radebeuls nahezu komplett aufgegeben und Platz für Villen, Gärten und eben Wälder geschaffen wurde.

Ein Zehntel schon in der Zerfallsphase

Ein so alter Baumbestand bringt Probleme mit sich. Er ist anfälliger für Krankheiten, Wind- und Schneebruch, bedarf entsprechend genauester Beobachtung. Mehr als ein Zehntel der Bäume seien zwischen 140 und 180 Jahre alte Rotbuchen, die sich schon in ihrer natürlichen Zerfallsphase befänden, heißt es im Gutachten. Deswegen soll der städtische Wald in den nächsten zehn Jahren verjüngt werden. Das ist Inhalt einer Vereinbarung, die die Lößnitzstadt mit dem Sachsenforst geschlossen hat. Die Experten gehen davon aus, dass die Stadtkasse in den nächsten fünf bis zehn Jahren 25 000 Euro pro Jahr in den Wald investieren muss. Maximal 250 000 Euro sollen nötig sein, um eine vernünftige Altersstruktur in den Kommunalwald zu bringen. Danach soll der Sachsenforst wenigstens kostenneutral auf den städtischen Waldflächen wirtschaften. Hinter der anfänglichen Investition verbirgt sich also durchaus ein wirtschaftliches Interesse, auch wenn es zunächst nur darum geht, die Ausgaben wieder hereinzuholen. Die Übergabe des forstlichen Revierdienstes an den Sachsenforst lässt sich dieser mit jährlich 18 Euro je Hektar Waldboden bezahlen.

Wirtschaftliche Überlegungen stünden jedoch nicht im Vordergrund, heißt es aus dem Rathaus. Der Wald soll vor allem als Naherholungsraum und als Faktor für ein gesundes Stadtklima erhalten bleiben, sagt Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos). 93 Prozent des Stadtwaldes sind Laubbäume, vor allem Eichen (38 Prozent), Robinien (19 Prozent), Rotbuchen (14 Prozent) und Spitzahorn (12 Prozent) sind laut Gutachten vertreten. An dieser Struktur soll sich nach dem Willen der Stadt auch nichts ändern, obwohl sich mit schnell wachsenden Nadelgehölzen mehr Geld verdienen ließe.

Splitterflächen in gesamter Stadt

Gegen den Aufbau eines Wirtschaftswalds spricht auch, dass der städtische Forst über das gesamte Stadtgebiet verteilt ist: Städtische Bäume wachsen in Kötzschenbroda, Naundorf, Oberlößnitz, Radebeul, Wahnsdorf und Zitzschewig in "oft schwieriger topographischer Lage", wie es heißt. Damit sind etwa der Lößnitzgrund und die dortigen Hänge gemeint. OB Wendsche spricht von "Splitterflächen", die kaum zusammenhängen. Selbst dort, wo es größere städtische Waldflecken gibt, wie im Waldpark, mischen auch private Waldbesitzer mit. Entsprechend sieht Wendsche auch weitere Aufgaben. "Wir wollen sehen, wie wir das historisch gewachsene Sammelsurium abrunden können", sagt er. Wobei er vor allem über den Tausch verschiedener Flächen zu Ergebnissen kommen will. Einen Verkauf des Stadtwalds schließt er aus.

Erfassen, vereinheitlichen, gezielt verwalten - ähnliches hat die Stadt beim sogenannten Weinbauflächenmanagement schon mit den kommunalen Rebflächen unternommen. Während dieses Vorhaben kürzlich zum vorläufigen Abschluss kam (DNN berichteten), steht man beim Stadtwald noch am Anfang.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.05.2014

Uwe Hofmann

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