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Radebeul schlägt Brücke vom Wein zur Kultur

Radebeul schlägt Brücke vom Wein zur Kultur

Entspannt beobachtet Benjamin Dorn aus seiner Verkaufsbude heraus das Treiben auf dem Radebeuler Herbst- und Weinfest. Der 27-jährige Linguist und Winzer präsentierte zum ersten Mal seine Arbeiten in Sachsen, schlug einen Bogen zwischen Wein und Kunst.

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Benjamin Dorn fertigt aus dem Holz gerodeter Reben Kunstgegenstände.

Quelle: Christian Juppe

Der Dresdner fertigt aus dem Holz gerodeter Reben verschiedene Kunstgegenstände, bezeichnet sein Handwerk als Rebkunst. Er sei fasziniert von dem gemeinsamen Werk, das die Natur und der Weinbauer durch die Erziehung der Rebstöcke schaffen. Diese Vielfalt an Formen sei viel zu schade, um sie nach dem Roden zu verbrennen. Das harte Holz der Reben reinigt Dorn aufwendig, veredelt es mit natürlichem Öl und Wachs. Daraus entstehen dann Leuchter, Buchstützen oder auch Schmuck, wie Halsketten und Ohrringe - alles Unikate. Besonders fasziniert ist er von Reben, die dem Winzer im Laufe der Jahre quasi handwerklich entglitten, danach besonders wild und gewunden gewachsen sind. Vielen seiner Kunstwerke hat Dorn geheimnisvolle Namen gegebenen, sie heißen Eigensinn, Übergang, Gefallen oder Abkehr. Andere Formen erinnern an Dackel, Robben, Schlangen, Würmer oder Vulkane und heißen auch so.

Das Winzerhandwerk hat Dorn bei dem kunstsinnigen Radebeuler Weinbauern Karl Friedrich Aust von 2009 bis 2011 erlernt. Schon damals sei er auf die Idee mit der Rebkunst gekommen, erinnerte er sich. Nach und nach seien immer mehr Kunstwerke entstanden, die der Dresdner bisher insbesondere übers Internet (rebkunst.de) verkaufte. "Mit der Resonanz auf meinem ersten Verkaufsstand bin ich zufrieden", sagte Dorn. "Wenn zehn Prozent der Festbesucher stehen bleiben und sich für meine Arbeiten interessieren, ist das ein Erfolg".

Das ganze Wochenende hatte sich der Dorfanger von Altkötzschenbroda in Radebeul in einen riesigen Jahrmarkt verwandelt. Winzer aus nah und fern schenkten ihre Weine und Unmengen an Federweißer aus, Handwerker und Künstler boten ihre Waren feil und Restaurants lockten mit Kostproben am Straßenrand in ihre Gaststuben. Viele Höfe hatten geöffnet und boten Kultur für fast jeden Geschmack. Künstler und Gaukler des Internationalen Wandertheaterfestivals, das abermals das Herbst- und Weinfest begleitete, mischten sich unter die flanierenden Besucher. Jugendliche sorgten an einer Ecke des Dorfangers mit Trommeln für karibische Klänge, Kinder spielten wenige Höfe weiter klassische Musik auf ihren Instrumenten. Passanten waren augenscheinlich von beiden Darbietungen begeistert und verweilten.

Auf dem Fest konnten die Gäste auch solche sächsische Weine probieren, die nicht in jedem Laden stehen. So schenkte Anja Fritz vom Weingut Mariaberg aus Meißen ihre Tropfen des Jahrgangs 2012 aus. Am Mariaberg-Stand präsentierte auch Küfermeisterin Anke Schüler aus Triebischtal eigene Kreationen ihrer Wein- und Sektmanufaktur. Die Trauben dafür baut sie überwiegend auf Pachtflächen in Ungarn an. Der Radebeuler Winzer Frédéric Fourré kredenzte seinen Gästen einen ganz besonderen Federweißer, in dem er mehr als zehn Rebsorten vergoren hatte. Damit spiegelte der beinahe roséfarbene Traubenmost die Vielfalt des Weins auf den Steillagen entlang der Elbe wider.

Zu den Gästen des Radebeuler Festes gehörten auch Delegationen der Partnerstädte St. Ingbert im Saarland und Obuchov in der Ukraine. Mit den Saarländern wurde das 25. Jubiläum der Partnerschaft gefeiert, die bereits vor der Wende über den eisernen Vorhang hinweg ins Leben gerufen wurde. Eigentlich war im Juni die Party geplant, doch dann kam das Hochwasser dazwischen. Aus Obuchov - seit 1999 Partnerstadt Radebeuls - war erstmals ein orthodoxer Priester mit angereist, sagte Städtepartnerschaftsbeauftragte Gulnara Gey den DNN. Der Geistliche Alexander Dmyschyk suchte vor allem den Kontakt zu den Pfarrern hiesiger Kirchgemeinden, um Möglichkeiten ökumenischer Zusammenarbeit auszuloten. Junge Leute des Kosaken-Ensembles "Vodog.jpg" sorgten in Trachten ihrer Heimat mit ukrainischen Tänzen für Stimmung. Viele der Tänzer sind seit Kindesbeinen an in Radebeul dabei.

Die Künstler des Internationalen Wandertheaterfestivals unterhielten die Zuschauer in diesem Jahr mit Stücken zwischen "Himmel und Hölle". Sieger des diesjährigen Wandertheaterfestivals ist die Compagnie Bodecker und Neander aus Deutschland. Die beiden Mimen bezauberten mit ihrer Inszenierung "Silence!".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.09.2013

Lars Müller

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