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Radebeul regelt Hochwasserschutz allein und fühlt sich vom Landkreis im Stich gelassen

Radebeul regelt Hochwasserschutz allein und fühlt sich vom Landkreis im Stich gelassen

"Und Radebeul - hat Wendsche dort wieder alles im Griff?", so hatte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) bei einem Besuch im Katastrophenstab des Landkreises Meißen gefragt, wie Radebeuls Rechtsamtsleiter Michael Karlshaus berichtet.

Radebeul.

"Na klar", habe die prompte Antwort dort geheißen. Das ist ein Lob für Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) und seinen Krisenstab. Eine Kehrseite hat die Medaille aber auch. Hilfe vom Landkreis hat man in Radebeul bisher kaum gesehen. "Der Krisenstab des Landkreises hat nicht einmal hier angerufen", ärgert sich Wendsche. "Wir kämpfen hier in Größenordnung an der Elbe und die nehmen nicht mal Notiz von uns."

Tatsächlich muss die Lößnitzstadt mit ihrem verhältnismäßig langen Elbufer mit einer ähnlich starken Bedrohung fertig werden, wie sie das Hochwasser 2002 war. Anders als damals sind Altkötzschenbroda, die wichtige Meißner Straße und große Gebiete in Radebeul-Ost bisher von der Flut verschont geblieben. Auch die panischen Hauruckaktionen oder dutzende Meter lange Sandsackketten, die sich ringsum beobachten lassen, kennt man in Radebeul nicht.

Das hat vor allem einen Grund: Radebeul verlässt sich auf ortsansässige Firmen und setzt Helfer nur dort ein, wo kurzfristig viele Hände gebraucht werden. "Die großen Maßnahmen müssen professionell gemacht werden", sagt Wendsche. So wie der Damm auf der Kötzschenbrodaer Straße. Kein Sandsackwall, sondern ein mit schwerem Gerät zusammengeschobener und immer höher geschichteter Erdwall, der etwa 70 Grundstücke vor den Elbfluten bewahrt. Für ihn ist vor allem Alexander Richter verantwortlich, Leiter der Dresdner Eurovia-Niederlassung. Wie andere Firmenchefs auch hatte er seine Hilfe schon angeboten, als im Rathaus noch nicht einmal der Krisenstab zusammengekommen war. "Das ist ein Geflecht, dass wir uns über Jahre aufgebaut haben", sagt Wendsche.

Das ergibt sich vor allem daraus, dass Radebeul keinen Bauhof hat. Unternehmen wie Neru und Hasse sind mit Winterdienst und Straßenreinigung beauftragt, jetzt helfen sie im Hochwassereinsatz. Genauso wie die Coswiger Firma Lauber, die sonst vor allem bei Arbeiten am Abwassernetz zum Einsatz kommt. Vorteil der Firmen ist, dass sie meist flexibler reagieren können als durch lange Alarmierungsketten gebremste Hilfsorga-nisationen. "Unsere Pumpen haben wir uns auch durch Firmen besorgt", sagt Wendsche. Sie halten die Elbe aus dem Radebeuler Abwassernetz fern - bisher erfolgreich, auch wenn vor allem der angekündigte Starkregen das noch zunichte machen kann.

Dennoch gibt es auch in Radebeul größere Einsätze. Zum Dammbau an der Kötzschenbrodaer Straße haben viele Helfer überall dort, wo Maschinen nicht hinkommen, beigetragen. In Altkötzschenbroda haben 500 Bundeswehrsoldaten Sandsäcke verteilt. Dort war man besonders unruhig geworden, nachdem die Stadt sich lange auf andere Gebiete konzentrierte, wo die Lage brenzliger war. Bis zum großen Aufatmen am Mittwoch, als die Soldaten anrückten, gab es auch ordentlich Kritik am Stadtoberhaupt. Die ist inzwischen verstummt. "Ich kenne doch meine Stadt", sagt Wendsche knapp und meint, dass er genau abschätzen könne, bei welchem Pegel wo Gefahr droht. Unnötige Aktionen habe er so vermeiden können. "2002 haben wir noch um das Bootshaus gekämpft, diese Kräfte haben wir dieses Jahr aufgespart", sagt er.

Was nicht heißen soll, dass alles ideal gelaufen wäre. Der auf dem Auenweg gebaut Damm ist gerissen, etwa 25 Grundstücke in Fürstenhain und an der Kötzschenbrodaer Straße sind deswegen in der Elbe versunken. Die Aufstandsfläche für den Damm sei wohl zu klein gewesen, meint Wendsche, das müsse aber noch genauer untersucht werden. "Wenn das geklappt hätte, wäre es das Optimum gewesen", betont er. "Mehr kann man bei solch einem Elbpegel nicht retten."

Das ist keine schlechte Bilanz, auch wenn Wendsche das Schweigen aus Großenhain stört. "Es ist fast so, als würden wir nicht dazugehören", wettert er. Darüber werde man noch reden müssen. Dass ihm jemand von außen hereinredet, hätte er aber auch nicht haben wollen. "Wir fahren ganz gut damit, wenn wir es für uns selbst regeln", gesteht er ein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.06.2013

Uwe Hofmann

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