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Radebeul macht Weg frei für neue Ehrenbürger

Radebeul macht Weg frei für neue Ehrenbürger

Geschichte lässt sich nicht verleugnen. Auch, dass Adolf Hitler früher Ehrenbürger der Stadt Radebeul war, nicht. Dessen Ernennung im Jahr 1933 - im damals noch eigenständigen Stadtteil Kötzschenbroda - sorgte vor rund zweieinhalb Jahren für Unmut im Stadtrat.

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Sarrasani senior wurde nicht geehrt

Radebeul. Von Stephan Klingbeil

Neben dem Diktator waren wie in anderen sächsischen Kommunen auch Martin Mutschmann, Gauleiter in Sachsen, sowie andere NS-Größen einst zu Ehrenbürgern ernannt worden. Die Aberkennung war ausgeblieben. Solche symbolträchtigen Akte gab es in vielen anderen Städten und Gemeinden. In Radebeul nicht. Kritik wurde daher laut.

Es sollte eine Satzung her, die auch solche Dinge klar regelt. Eine Ehrenbürgersatzung gab es im Radebeul der Nachwendezeit nicht. Nach 1990 wurde dort niemanden mehr diese Würde verliehen. Der einzige lebende Ehrenbürger der Stadt sei somit Ilja Schulmann. Der Dolmetscher half 1945, dass Radebeul vor der Roten Armee kapitulierte und so kaum zerstört wurde.

Nun, zweieinhalb Jahre nach der Debatte um Hitler-Ehrenbürgerschaft und einem Antrag der Freien Wähler, hat die Stadtverwaltung einen Entwurf für die Satzung vorgelegt. Das Papier wurde in mehreren Gremien vorberaten und soll morgen im Stadtrat abgenickt werden.

So werde der Weg frei, besonders verdienstvolle Leute zu Ehrenbürgern ernennen zu können. Ähnlich wie in Coswig. Dort ist das seit 2009 möglich. Laut Entwurf soll es dem Stadtrat hier ferner möglich sein, die Auszeichnung bei einer Mehrheit von zwei Dritteln rückgängig zu machen. "Somit sollen willkürliche Beschlüsse verhindert werden", erklärt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). Dies gelte ebenfalls rückwirkend nach dem Tode des Ehrenbürgers. Die Auszeichnung kann man laut Entwurf nur an Lebende verleihen.

Um den Wert dieser Ehrung zu steigern, will man in Radebeul außerdem die Zahl der Ehrenbürger auf fünf Lebende einschränken. Damit diese auch als solche in der Öffentlichkeit erkannt werden könnten, würden die Geehrten eine goldene Anstecknadel bekommen.

Ferner beinhaltet der Entwurf für die neue Satzung, dass Ehrenmedaillen mitsamt je einer silbernen Anstecknadel ebenfalls vergeben werden dürfen für Verdienste um die Stadt. "Dies käme zum Beispiel für jemanden infrage, der vier Leute aus einem brennenden Haus gerettet hat", erklärt Wendsche. "Das ist ehrenwert und muss honoriert werden, aber um Ehrenbürger zu werden, muss sich jemand langfristig verdient gemacht haben im Sinne der Stadt." Wer das sein könnte, will er nicht sagen. Es gibt Kandidaten. Dies hört man auch von Seiten der FDP-Fraktion. Dort mag man das Thema nicht öffentlich beraten und verweist auf die Umstände, die dazu führten, dass Radebeul in diesem Jahr keinen Kunstpreis vergibt. Die FDP hatte vorab öffentlich Lieselotte Finke-Poser vorgeschlagen. Die Jury verzichtet daher auf eine Vergabe. Bei SPD, Freien Wählern und Grünen gibt es noch keine Ehrenbürger-Vorschläge. Und bei der CDU gehe es "zunächst darum, so eine Ehrenbürgersatzung zu beschließen", erklärt CDU-Stadtrat Jens Baumann.

Radebeul führt mehrere Ehrenbürger auf. Robert Werner zum Beispiel, der erste Bürgermeister von Radebeul. Der erste überhaupt war 1926 Apotheker und Medizinalrat Curt Adolf Schnabel. Später kam auch Adolf Hitler hinzu. Da diese Ehrung nur zur Lebzeiten gelte, hätte sich das Thema mit dem Freitod Hitlers 1945 erledigt, sagen einige. Andere verwiesen auf einen Beschluss des Alliierten Kontrollrats 1946, der diese Auszeichnung aberkannte. Dessen ungeachtet gab es auch Radebeuler, die trotz ihrer Erfolge nie Ehrenbürger wurden - Karl May etwa. Laut dem Historiker Frank Andert hängt dies vor allem damit zusammen, dass nur Städte diese Würde vergeben dürfen. Als May 1912 starb, war Radebeul noch keine Stadt. Immerhin infrage kam für diese Ehrung zu Lebzeiten zum Beispiel Hans Stosch-Sarrasani. Der Gründer des berühmten Zirkus Sarrasani starb aber 1934 unerwartet in Brasilien. Da nur Lebende Ehrenbürger werden dürfen, blieb ihm die Auszeichnung verwehrt. Skl

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.10.2012

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