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Radebeul kauft die Jugendherberge und will so städtebauliche Probleme lösen

Radebeul kauft die Jugendherberge und will so städtebauliche Probleme lösen

10 500 Quadratmeter in Radebeul-Mitte, verkehrsgünstig gelegen, für insgesamt 280 000 Euro - ob es sich dabei um ein Schnäppchen handelt oder nicht, darüber gehen die Meinungen im Stadtrat auseinander.

Radebeul.

"Das ist ein nahezu einzigartiges Angebot", meinte etwa FDP-Stadtrat Frank Sparbert. Heinz- Jürgen Thiessen (Bürgerforum/Grüne) sprach dagegen eher von der "Katze im Sack", die man nicht kaufen solle. Trotzdem gab der Stadtrat für den Kauf der Jugendherberge Radebeul grünes Licht.

Zuvor hatte schon der Kreistag dem Verkauf durch den Landkreis Meißen zugestimmt (DNN berichteten), so dass der Handel jetzt in trockenen Tüchern ist. "Das ist nach unserer Überzeugung für die Stadtentwicklungsperspektive von herausragender Bedeutung", sagt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). Denn das Grundstück der Jugendherberge liegt zwischen Freizeitzentrum Krokofit, S-Bahn-Halt Weintraube und Weintraubenstraße derart günstig, dass sich gleich mehrere städtebauliche Probleme lösen lassen, die die Lößnitzstadt bisher im Stadtteil Radebeul-Mitte plagen.

Das betrifft vor allem den S-Bahn-Halt. Der Anblick, der den Reisenden nach dem Verlassen der Gleise erwarte, lasse sich wohl am besten mit den Worten: "Wie bei Hempels unter dem Sofa" beschreiben, sagt Wendsche. Weil die Stadt jetzt über das unmittelbar an die Bahnlinie angrenzende Jugendherbergs-Grundstück verfügen kann, soll dort ein ansehnlicher Bahnhofsvorplatz entstehen. Dazu gehörten auch Fahrradstellanlagen, ein Fußweg und eine Pkw-Wendeschleife, zählt der OB auf.

Unmittelbar mit dem Bahnhofsvorplatz hängt auch die Verlegung der Richard-Wagner-Straße zusammen, die parallel zum S-Bahn-Damm verläuft. Sie liegt nach der Verbreiterung der S-Bahn-Brücke über die Weintraubenstraße so nah am Brückenpfeiler, dass die Kreuzung Weintraubenstraße/Richard-Wagner-Straße kaum einzusehen ist. Man wolle nun untersuchen, wie die Straße günstigenfalls verlaufen kann. Viel Zeit kann man sich dafür nicht nehmen, weil es für die Verlegung nur bis 2016 Geld aus der Kreuzungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn gibt, die im Zuge des Ausbaus der S-Bahn-Strecke abgeschlossen wurde.

Wichtig ist das Jugendherbergs-Grundstück auch, weil auf ihm der Parkplatz für das Krokofit liegt, der jetzt also dauerhaft gesichert werden könne. Diesen sicheren Blick in die Zukunft wolle man nun auch mit der Jugendherberge selbst erreichen, erklärt Wendsche zum Ziel. Das Haus ist zwar in die Jahre gekommen, verfüge über eine "primitive Ausstattung" und eine "zu geringe Kapazität", wie Thomas Müller, Vorstand des sächsischen Jugendherbergsverbands, in einem Schreiben an den OB einräumt. Dennoch liege die Auslastung mit rund 36 Prozent knapp über dem Durchschnitt aller sächsischen Einrichtungen. Seit Jahren halte man in Radebeul das Niveau von rund 6800 Übernachtungen im Jahr, was bei 79 Betten und einer Schließzeit von vier Monaten beachtlich sei, wie Wendsche findet. Vor vielen Jahren angeschobene und dann in der untersten Schublade versteckte Modernisierungspläne wolle man beim Jugendherbergsverband nun in den nächsten Jahren wieder hervorholen.

An diesem Punkt setzt die Kritik an. So glaubt Stadtrat Thiessen nicht, dass die Jugendherberge bei einer Jahrespacht von 30 000 Euro verlustfrei zu führen ist. "Und auch eine Steigerung auf 20 000 Übernachtungen nach einer Sanierung wird so nah bei Dresden nicht gelingen", warnt er. Er befürchtet, dass früher oder später die Stadtkasse vom Jugendherbergsverband zu Hilfe gebeten wird.

In diese Richtung spekuliert auch SPD-Fraktions-Chef Thomas Gey. Er habe gehört, dass sich die Rückstände von Pachtzahlungen an den Landkreis auf zwischenzeitlich 60 000 Euro angehäuft hätten. "Der Jugendherbergsverband ist ein vertrauenswürdiger solventer Partner", bekräftigt dagegen Wendsche. Die Zahlung des jährlichen Pachtzinses habe dieser der Stadt zugesichert. Auch gebe es keine Nebenabsprachen über eine etwaige finanzielle Beteiligung.

Die Finanzierung ist indes ein weiterer strittiger Punkt. Die Stadt greift dafür auf Mittel zurück, die eigentlich für den geplatzten Kauf des Bahnhofsgebäudes in Radebeul-West reserviert waren. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass es in nächster Zeit keinen erneuten Versuch der Stadt geben dürfte, das repräsentative Gebäude an der Bahnhofstraße zu erwerben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.10.2014

Uwe Hofmann

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