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Radebeul-Ost fehlt ein Jugendtreff

Radebeul-Ost fehlt ein Jugendtreff

"Es ist schon auffällig, dass in Radebeul-Ost etwas fehlt", sagt Stadtrat Uwe Wittig (Freie Wähler). Gemünzt sind diese Worte auf die Jugendarbeit der Lößnitzstadt, der im östlichen Stadtteil ein Jugendtreff fehlt.

Radebeul.

"Wir versuchen schon länger, offene Jugendarbeit in Radebeul-Ost anzubieten", sagt Sozialamtsleiter Elmar Günther. Allein das passende Domizil dafür habe man noch nicht gefunden. Was seit Jahren ein Mangel war, wächst sich nun zu einem echten Problem aus. Seit das neue Stadtteilzentrum fertig ist, zieht der Bahnhofsvorplatz mit seinen begrünten Terrassen die Jugend an. Dort lässt es sich, sobald es die Temperaturen zulassen, bis in die Nacht hinein sitzen, auch weil der Weg in den nahen Lebensmittelmarkt kurz ist, sobald die Getränke mal alle sind.

Meistens kommen die Jugendlichen nach der Schule und bleiben da, doch auch am Wochenende sei der Platz ebenso wie der Karl-May-Park und der Robert-Werner-Platz im Viertel beliebt, sagt Robert Kaiser. Der 28-jährige Sozialpädagoge ist seit 2009 in Radebeul beschäftigt, seit 2011 als Streetworker, der sich im Auftrag der Stadt um Jugendliche kümmert, die ihre Freizeit auf der Straße verbringen. Er ist einer von acht Sozialarbeitern, die in Radebeul mit Jugendlichen zu tun haben. Von ihnen ist er einer der wenigen mit einer Vollzeitstelle. Viele der Kinder und jungen Erwachsenen, die in Radebeul-Ost den Unmut der Anwohner erregen, hätten familiäre Probleme, sagt Kaiser. "Das Konsumverhalten ist auch ein Thema, Müllablagerung, Lärmbelästigung und Arbeitslosigkeit", zählt er auf. Er träfe auf den Bahnhofsvorplatz auf junge Erwachsene, "die nach der Schule nicht weitergekommen sind". Das sind alles Probleme, die vorher schon da waren, die jetzt aber für alle sichtbar geworden sind.

Eine Abhilfe ist nicht einfach zu bekommen. Zwar will die Stadt den "Verfolgungsdruck erhöhen", wie Sozialamtsleiter Günther sagt. Auch weil es längst nicht nur um liegengebliebene Bierflaschen und nächtlichen Lärm geht. Gerade im Parkhaus sei immer wieder ein Schaden von mehreren Tausend Euro entstanden, berichtet Günther. Die Jugendlichen zertrümmerten dort mit Vorliebe technische Anlagen, etwa Bewegungsmelder. Deshalb hat es schon mehrere Gesprächsrunden mit Eigentümern, Mietern, Wachschutz, Polizei und Rathausspitze gegeben, um das Überwachungsnetz engmaschiger zu stricken. Damit allein sei aber nicht geholfen, sagt Günther. Die Jugendlichen müssen schließlich irgendwohin.

Während es in Radebeul-West mit dem Ratskeller ein Jugendhaus und in Radebeul-Mitte mit dem Weißen Haus ein ausgewachsenes Jugendzentrum gibt, fehlt eine solche Einrichtung in Radebeul-Ost. Geld wäre vorhanden. Seit der überraschenden Schließung des Rosenhofs durch das Trägerwerk Soziale Dienste hat die Stadt Mittel für eine halbe Sozialarbeiterstelle und Betriebskostenzuschüsse für einen Jugendtreff im Haushalt stehen, ohne diese abzurufen. Der Stadtteil sei "sehr dicht bebaut" erläutert Günther, woran die Suche nach einem Domizil vor allem scheitert. Nach seinen Erfahrungen richte man einen Jugendtreff am besten in einer "Baracke oder einem Systembau" ein, und zwar dort, wo Anwohner nicht gestört werden können und es genügend Freifläche gibt, auf der sich die Jugendlichen austoben können.

Paradebeispiel dafür ist das Weiße Haus. Die ehemals von der LPG genutzte Anlage verfügt neben einem Club, Räumen für junge Künstler und Startups auch über Beachvolleyballplätze und eine Skateranlage, die von Jugendlichen gepflegt wird und in der Region ihres Gleichen sucht. In dem Komplex sind zwei Sozialarbeiter beschäftigt, täglich kommen bis zu 70 Jugendliche vorbei. Obwohl ringsum kaum jemand wohnt, gibt es dennoch immer wieder Beschwerden, meist wegen Lärmbelästigung und Beschädigungen. "Oft sind das dann gar nicht die Jugendlichen gewesen, manchmal sind sie es aber doch", sagt Günther. Versetzte man das Weiße Haus nach Radebeul-Ost, seien massive Probleme programmiert.

Also muss es derzeit Streetworker Kaiser mehr oder minder allein richten. Dass er das schafft, kann man allerdings nicht erwarten. Im Moment hat er zwar nicht allzu viel zu tun, sobald es wärmer wird, ist der Bahnhofsvorplatz wieder Treffpunkt. Das gilt jedoch auch für andere Orte, die jedoch weniger auffallen, weil sie an abgelegenen Stellen in Wahnsdorf, Lindenau oder an der Elbe sind. Da sich feste Cliquen in Zeiten von Facebook, Twitter und Instagram kaum noch herausbilden, hat Kaiser darüber hinaus genug damit zu tun, den Überblick zu behalten. Den Hilfspolizisten darf er darüber hinaus auch nicht spielen, weil er sonst keinen Zugang zu den Jugendlichen findet.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.01.2015

Uwe Hofmann

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