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Querschnittsgelähmter Sportler aus Weinböhla geht auf Rekordjagd

Querschnittsgelähmter Sportler aus Weinböhla geht auf Rekordjagd

"Ich bin halt so ein Mensch, wenn ich etwas mache, dann mache ich es ganz", sagt Lars Hoffmann. Morgen will er Runde um Runde mit seinem Handbike auf dem Lausitzring drehen.

24 Stunden lang. "Ich möchte den Weltrekord von 649 Kilometern verbessern, den ein Amerikaner in 24 Stunden Fahrt ohne Unterbrechung aufgestellt hat", sagt der 44-jährige Weinböhlaer über sein Vorhaben, das wahrlich keine halbe Sache ist.

Schon im vorigen Jahr sorgte der ehemalige Kfz-Meister für Aufsehen, als er 661 Kilometer quer durch Deutschland mit seinem per Hand angetriebenen Gefährt innerhalb von 47 Stunden zurücklegte. Eigentlich wollte er die 1000er Kilometermarke knacken, brach das Vorhaben wegen der damals heißen Witterung aber vorher ab. "Ich liege zehn Zentimeter über dem Asphalt. Dort haben 50 Grad Celsius geherrscht", sagt Hoffmann, der seit neun Jahren querschnittsgelähmt ist. Wirklich tragisch war der Abbruch ohnehin nicht, hatte Hoffmann die Rekordmarke für eine Nonstop-Fahrt mit dem Handbike zu dem Zeitpunkt ohnehin schon um zwölf Meter verbessert.

Ähnliches schwebt ihm für die nun geplante Extremfahrt vor. Etwas mehr als 200 Runden muss er auf dem 3,21 Kilometer langen Rundkurs zurücklegen, um den Weltrekord zu knacken. "Dafür brauche ich einen Schnitt von 31 oder 32 Kilometern in der Stunde", sagt er. Die maximale Pausenzeit von einer Stunde für Toilettengänge und kurze Massagen zwischendurch will er sich gut einteilen. "Wir können nicht so viel Pause machen, schließlich wollen wir die Rekordmarke für den nächsten ein bisschen höher legen", sagt er und grinst.

Der breitschultrige Hoffmann hat keinen Zweifel, dass er das schaffen wird. Er hat hart trainiert in den letzten Monaten und Wochen, seine Trainingspläne mit der Sporthochschule Köln abgestimmt. Insbesondere die Belastung für Arme, Schultern und Nacken sind durch die stundenlange gleichförmige Bewegung groß. Dennoch sei alles nur eine Kopfsache, meint der gebürtige Meißner. "Man fragt sich irgendwann, warum man das jetzt macht", weiß Hoffmann. "Ich denke mir dann einfach: Schade, jetzt hast du nur noch zehn Stunden zu fahren. Das motiviert mich ungemein", sagt er. Bleibt dennoch die Frage: Warum die Qual? "Ich will einfach zeigen, was ich leisten kann, obwohl ich ein Handicap habe", sagt Hoffmann.

Seit einem Motorradunfall im August 2004 kann der Weinböhlaer seine Beine nicht mehr bewegen. Warum er damals bei Tempo 30 aus der Kurve rutschte, weiß er nicht, konnten auch die Unfallgutachter nicht klären. Hoffmann überstand den Crash fast unverletzt, nur die Brustwirbel fünf bis sieben hatten zuviel abbekommen. "Irgendwann probierte ich dann mal so ein Handbike aus", sagt er. Seit vier Jahren betreibt er den Sport intensiv, nennt eine elf Kilogramm schwere Sportmaschine sein eigen, die über einen schmalen Alurahmen und widerstandsfähige Carbonräder verfügt. Sponsoren haben bei der Beschaffung geholfen, sagt Hoffmann, der inzwischen seinen Sport als Profi betreibt. "Es gibt in Sachsen keinen, der sich auf meinem Niveau bewegt", fügt er selbstbewusst an.

Dabei sei er vor seinem Unfall alles andere als eine Sportskanone gewesen. Heute genießt er die "Nebenwirkungen" seines harten Trainings, wie er sagt: Die Rückenschmerzen, seit dem Unfall sein ständiger Begleiter, sind auf einem erträglichen Niveau, seit er Leistungssport betreibt. "Außerdem hilft es im Alltag ungemein, wenn man kräftiger ist", sagt er. Ohne Probleme kann er sich aus dem Rollstuhl ins Auto hieven, was zum selbstständigen Leben beiträgt.

Doch Hoffmann will mehr. Im nächsten Jahr will er an den Deutschen Meisterschaften teilnehmen. Stimmt dort das Ergebnis, will er bei Europa- und Weltmeisterschaften auf sich aufmerksam machen. "Das Fernziel ist Rio de Janeiro 2016", sagt er. Beim Straßenrennen und beim Zeitfahren könnte er an den Start gehen. Dafür müsste er aber sein Training umstellen, neben der Ausdauer auch die Schnellkraft für kurze Sprints üben. Aber so weit will Hoffmann jetzt noch nicht blicken. Jetzt will er erst einmal zeigen, dass er den Willen hat, den Rundkurs in Klettwitz zu bezwingen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.09.2013

Uwe Hofmann

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