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Prozessauftakt im Mordfall Anneli: Angeklagte schweigen

Verhandlungsstart Prozessauftakt im Mordfall Anneli: Angeklagte schweigen

„Sagen Sie die Wahrheit. Spannen Sie uns nicht auf die Folter. Das trifft auch auf dich zu. Rede“, forderte Uwe R. die Angeklagten nach seiner Aussage zum Prozessauftakt auf. Der 58-Jährige will von den Männern die Wahrheit über die Entführung und den Tod seiner Tochter Anneli-Marie wissen.

Quelle: dpa

Dresden. „Sagen Sie die Wahrheit. Spannen Sie uns nicht auf die Folter. Das trifft auch auf dich zu. Rede“, forderte Uwe R. die Angeklagten nach seiner Aussage auf. Der 58-Jährige will von den Männern die Wahrheit über die Entführung und den Tod seiner Tochter Anneli-Marie wissen. Norbert K. und Markus B. zogen es vor zu schweigen. Die Männer stehen wegen gemeinschaftlichen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge vor der Schwurgerichtskammer des Dresdner Landgerichts. Markus B. muss sich zudem wegen Mordes verantworten. Die Anklage wirft ihnen vor, die 17-jährige Schülerin am 13. August vergangenen Jahres nahe ihrem Elternhaus in einem Ort bei Meißen entführt und von der Familie des Mädchens 1,2 Millionen Euro Lösegeld gefordert zu haben. Markus B. soll die Gymnasiastin nach ihrer Verschleppung mit einer Plastiktüte, Kabelbindern und Spanngurt erstickt haben.

Am Dresdner Landgericht hat am Montag der Prozess gegen die mutmaßlichen Entführer der 17-Jährigen Anneli-Marie begonnen. Die 40 und 62 Jahre alten Männer sind wegen erpresserischen Menschenraubs angeklagt, der Jüngere zudem wegen Mordes.

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Der 40-Jährige wollte sich weder zur Tat noch zu seiner Person äußern. Norbert K. ließ durch seinen Anwalt erklären, dass er zwar das Tatfahrzeug gefahren habe, aber weder in die Pläne der Erpressung eingeweiht noch beim Tod des Mädchens dabei gewesen war. Bei seiner Polizeivernehmung nach der Festnahme war der 62-Jährige auskunftsfreudiger. Sein Anwalt  forderte zum Prozessauftakt am Montag aber  ein Beweisverwertungsverbot der damaligen Aussagen. Sein Mandant sei sieben Stunden vernommen worden, habe 32 Stunden vorher nicht geschlafen, sei erschöpft und total übermüdet gewesen und habe den Fragen der Ermittler nicht mehr folgen können, begründete Andrej Klein seinen Antrag.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft waren beide Männer, die sich in einem Autohandel kennengelernt haben sollen, verschuldet. Markus B. habe deshalb bereits Anfang 2015 eine Entführung geplant und im Internet nach potenziellen Opfern gesucht, Betäubungsmittel und Kabelbinder besorgt. Dem 40-Jährigen, der in der Nähe von Annelis Elternhaus gewohnt hatte, fiel dann die Gymnasiastin auf. Er fand heraus, dass ihr Vater ein Bauunternehmen ist und finanzielle gut gestellt war. Er kundschaftete Anneli-Maries Gewohnheiten aus, und fand heraus, dass sie abends immer mit dem Fahrrad ihren Hund Gassi führte. Am Abend des 13. August schlugen die beiden Männer zu und entführten sie.

„Ich habe Rasen gemäht und bemerkte dann, dass Annelie-Marie angerufen hatte. Ich rief zurück und eine Männerstimme sagte: ,Wir haben deine Tochter. 1,2 Millionen, sonst ist sie in Polen.’“ Uwe R.  nahm das Ganze zunächst nicht ernst. „Ich hielt das für einen Scherz, weil sich Millionen und Polen reimte. Ich fragte, ob sie die 1,2 Millionen in Lira, Kieselsteinen oder Euro haben wollen.“ Erst als er im Hintergrund die Schreie seiner Tochter hörte, wurde ihm klar, das war kein Scherz. Er bekam an jenem Abend einen zweiten Anruf. Ein Mann mit verstellter Stimme und osteuropäischem Akzent erklärte, mit Annelie in Tschechien zu sein und fordert ihn auf, bis zum nächsten Tag 12 Uhr die 1,2 Millionen bereit zu haben. 

Uwe R. organisierte das Geld und bekam am nächsten Tag die Anweisung, es auf ein maltesisches oder malaysisches Konto zu überweisen. „Ich fragte, wie das gehen soll und er sagte, ich soll bei Facebook schauen.“ Dann riss der Kontakt zu den Entführern ab. Die Familie hoffte weiter auf eine Information der Entführer und ein Lebenszeichen von Anneli-Marie. Vergeblich. „Wir haben uns überlegt wie es ihr wohl geht. Es waren extrem heiße Tage mit Temperaturen über 30 Grad und sie war eingesperrt. Bekam sie etwas zu trinken und jeder muss ja auch einmal auf Toilette“, sagte ihre Schwester am Montag.  Anneli-Marie war da wohl schon tot. Die Schülerin musste offenbar sterben, weil den beiden Männern aufgegangen war, dass sie ihre Peiniger wiedererkennen würde, da diese nicht maskiert waren.

Die Polizei konnte die beiden Angeklagten ermitteln und festnehmen. Norbert K. machte Angaben zum Sachverhalt, nach seiner Aussage wurde die Leiche der 17-Jährigen dann in dem ehemaligen Haus von Markus G. gefunden.

Der Tod Anneli-Maries hat ihre Familie tief getroffen. Ihre Eltern mussten psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Ihrer Mutter geht es noch sehr schlecht. Auch Uwe R., der sich am Montag zwar um Gelassenheit bemühte, hat sehr zu kämpfen. „Unser Leben hat sich seitdem total geändert. Ich habe meine Eltern und meinen Bruder zu Grabe getragen, das ist schon schwierig. Aber das eigene Kind durch solch entsetzliche Umstände zu verlieren. Wir fragen uns täglich nach dem Sinn des Lebens.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Monika Löffler

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