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Prozess um Schießerei vor Autowerkstadt in Heidenau

Wer ist Täter, wer Opfer? Prozess um Schießerei vor Autowerkstadt in Heidenau

In diesem Prozess vor dem Dresdner Landgericht um eine Schießerei in Heidenau gibt es zwei völlig verschiedene Storys zu ein- und derselben Tat. Der Schütze gesteht, geschossen zu haben, beschuldigt aber sein Opfer der Erpressung. Das Gericht muss herausfinden, wer lügt.

Betretene Gesichter: Martin T. (l.) und sein Anwalt Andreas Gumbricht am Montag zum Prozessauftakt im Dresdner Landgericht.

Quelle: Monika Löffler

Heidenau/Dresden. Wegen versuchten Totschlags muss sich Martin T. seit Montag vor dem Dresdner Landgericht verantworten. Der 53-Jährige soll am 27. Juli 2015 vor einer Kfz-Werkstatt auf der Thomas-Mann-Straße in Heidenau mehrmals auf Andreas M. geschossen haben. Der wurde lebensgefährlich verletzt, musste notoperiert werden, lag Wochen im künstlichen Koma und hat noch heute enorme gesundheitliche Probleme.

Martin T. hatte sich einen Tag nach der Tat gestellt und räumte auch am Montag die Schüsse ein. Das sind die Fakten. Beim Warum und Wie gehen die Aussagen von Täter und Opfer weit auseinander.

Er habe Probleme mit seiner Autowerkstatt gehabt und sich deshalb 2011 von Andreas M. 15 500 Euro geborgt, erzählte der Angeklagte. Der habe dann enorme monatliche Zinsen gefordert. „Irgendwann konnte ich nicht mehr pünktlich zahlen. Ich musste mir bei anderen Leuten Geld borgen, um ihn bedienen zu können.“ M. habe die Schuldsumme immer weiter erhöht, zum Schluss sei es um 90 000 Euro gegangen. „Ich war mit den Nerven am Ende.“ Um an das Geld zu kommen, habe ihn Andreas M. erpresst, beschimpft und mehrmals böse verprügelt.

„Der lügt, der ist schlimmer als Münchhausen,“ empörte sich Andreas M. „Wir wollten zusammen eine Werkstatt aufmachen, und ich habe ihm 70 000 Euro bar gegeben – zinsfrei.“ Das Geld stamme aus einer Erbschaft, mehr wolle er nicht sagen. Eine Vereinbarung über die Rückzahlung sei nicht getroffen worden. „Erst als ich erfuhr, dass er überall Schulden hat, wollte ich mein Geld zurück. Ja, ich habe ihn ,Lügenschwein’ genannt, aber nie geschlagen.“

Auch über die Tat selbst gibt es grundverschiedene Angaben. Martin T. erzählte von einer gemeinsamen Fahrt nach Konstanz, um von einer Bekannten Geld zu holen. Zuvor seien sie noch einmal zur Werkstatt gefahren, wo es Streit und eine Schubserei gab. Dabei habe Andreas M. die Waffe verloren, und er habe dann aus Angst auf ihn geschossen und die Pistole später in die Elbe geworfen,“ erzählte der Angeklagte. Andreas M. dagegen leugnet die geplante Reise nach Konstanz. Er sei vom Angeklagten nachts aus dem Bett geklingelt worden, um mit ihm nach Heidenau zu fahren, wo er Geld erhalten sollte. „Er hielt an der Werkstatt, weil er angeblich sein Handy vergessen hatte. Ich wartete draußen. Als er nicht wiederkam, wollte ich nachsehen. Da ging die Tür auf, er stand mit erhobenem Arm da und dann sah ich nur noch das Mündungsfeuer. Er wollte mich umbringen, da bin ich ganz sicher.“

Vieles bleibt unklar: Warum ist Martin T., wenn er so lange erpresst und geschlagen wurde, nie zur Polizei gegangen? Warum hat Andreas M. ihm 70 000 Euro gegeben, ohne Rückzahlungsdetails zu vereinbaren? Und warum soll Martin T., wenn er die Attacke geplant hatte, vor seiner eigenen Werkstatt auf das Opfer schießen? Einer lügt, wer muss die Kammer klären. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Monika Löffler

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